Zoo Riga

Der Zoo von Riga hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Am 14. Oktober 1912 öffneten sich seine Tore zum ersten Mal. Bereits 1908 hatte man beschlossen einen Zoo zu gründen und im April 1911 wurden 16,4 ha Land zu diesem Zweck erworben. 267 Tiere aus 88 Arten lebten zu Beginn in dem Zoo. Bis 1914 hatte man viele Zoogebäude errichtet, von denen auch einige heute noch genutzt werden, u. a. das Verwaltungsgebäude, ein Restaurant und ein Cafe, sowie ein Elefanten- und ein Affenhaus und die Zahl der Tiere hatte sich auf 534 erhöht.

Steinbock im Zoo Riga

Zu Beginn des ersten Weltkrieges verschlechterte sich die finanzielle Situation dramatisch, die Besucherzahlen sanken, als die Straßenbahn, die bisher zum Zoo fuhr, eingestellt wurde, schließlich mussten viele Tiere verkauft werden. Nachdem 1917 die deutsche Armee in Riga einmarschiert war, wurde der Zoo geschlossen. Nach dem Krieg wurde das Gelände als Feriencamp für Kinder aus Familien mit geringen Einkommen genutzt. Erst 1932 wurde eine neue Gesellschaft gegründet, mit dem Ziel den Zoo erneut zu eröffnen. Am 4. September 1933 war es dann soweit, der Zoo feierte seine zweite Eröffnung. Zunächst gab es 124 Tiere aus 48 Arten zu sehen, deren Zahl bis 1938 auf 106 Arten anwuchs. Eine Anlage für Tiger wurde fertig gestellt und 1939 eine moderne Löwenanlage errichtet, die wie eine Theaterbühne gestaltet wurde.

Afrikanische Löwin im Zoo Riga

Während des zweiten Weltkrieges stagnierte die Entwicklung des Zoos, aber Tiere und Gebäude des Zoos wurden erhalten und am 9. November 1944 öffneten die Tore wieder für die Besucher. Es kamen die besten Jahre, der Zoo wuchs schnell und wurde bald zu einem der schönsten Zoos der Sowjetunion. Besonders viele Raubkatzen kamen zwischen 1945 und 1955 zur Welt: 50 Tiger- und 20 Löwenjungtiere. Seit 1982 besteht eine Partnerschaft mit dem japanischen Zoo in Kobe, von dem man als Geschenk Japanmakaken erhielt, und mit dem Zoo Rostock, von wo zwei Kodiakbären nach Riga kamen. Die Zusammenarbeit der drei Zoos dauerte bis heute an. Seit 1988 engagiert sich der Zoo erfolgreich an der Wiederansiedlung des Europäischen Baumfrosches u. a. in Kurland. Am 5. April 1990 wurde Zuzanna geboren, die einzige Geburt eines Asiatischen Elefanten im Zoo Riga. Leider starb ihre Mutter Zita nur drei Monate nach ihrer Geburt und sie blieb allein mit ihrem Vater Radza in Riga zurück. Zuzanna lebt heute in Japan im Zoo Kobe. Ihr Vater Radza lebt seit 2003 im Zoo Emmen in den Niederlanden. Also ist Zuzanna die ältere Halbschwester von Marlar in Köln. Zusanna ist 2007 selbst Mutter eines kleinen Elefantenbullen geworden, der Ouji heißt.

Im Zoo Riga

Nachdem Lettland 1991 unabhängig geworden war, brachen die Besucherzahlen des Zoos in Riga dramatisch ein. Es kamen kaum noch russische Besucher und so besuchten statt 300.000 Menschen nur noch knapp 100.000 pro Jahr den Zoo. Um mehr Besucher in den Zoo zu locken, startete der Zoo mit Erfolg verschiedene Projekte, die Tiergehege zu verbessern und bessere Werbung für den Zoo zu machen und die Besucherzahlen erholten sich wieder 1992 trat der Zoo der EAZA bei. 1996 wurde „Cīruļi“ gegründet, eine Ableger des Zoos in der Nähe von Kalvene ganz im Westen von Lettland. Auf einem 128 ha großen Gelände rund um einen ehemaligen Bauernhof leben Braunbären, Wölfe und Luchse, Hirsche, Wildschweine und Füchse, aber auch Haustiere. 35 ha hat eine große Kiang Herde für sich allein.

Wildesel im Zoo Riga

Heute ist der Zoo von Rga rund 20 ha groß und Ende 2009 lebten hier rund 3500 Tiere aus über 400 Arten. Er hat ein viel moderneres Erscheinungsbild als der Zoo in Kaunas, auch wenn es hier noch einige Gehege gibt, die umgebaut werden müssen. Dabei setzt der Zoo konsequent auf die Hilfe von Sponsoren aus der Wirtschaft, die dafür mit großen Reklametafeln im Zoo werben dürfen. Ganz so schlimm, wie es in dem Artikel der Süddeutschen Zeitung beschrieben wird, ist es aber nicht.

Sibirischer Tiger im Zoo Riga

Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn Whiskas ein tolles Gehege für die Sibirischen Tiger finanziert und es zur Belohnung mit seinem Logo schmücken kann. Die Tigeranlage wurde 1998 eröffnet.

Afrikanische Löwin im Zoo Riga

Die Löwen in Riga könnten auch einen Sponsor gebrauchen, denn ihre Anlage ist zwar groß genug, aber es fehlt Naturboden und etwas Abwechslung. Sie leben immer noch auf der 1939 errichteten Löwenanlage, die 1998 renoviert wurde.

Eisbär Romeo im Zoo von Riga

Besonders die Anlagen der Bären haben Veränderung nötig. Romeo, der einzige Eisbär in Riga, lag in einem durch ein Gitter versperrten Durchgang von seinem Gehege zu dem der Kodiakbären und schaute denen bei Schlafen zu. Vielleicht lag es aber auch am Nieselregen, der unablässig vom Himmel viel, dass er keine Lust hatte, seinen trockenen Platz zu verlassen.

Kodiak Bär im Zoo Riga

Nun ist das nicht besonders fotogen, aber so schnell geben wir nicht auf. Wir schauten uns die Kragenbären an, in deren Anlage man, wie bei den beiden anderen Anlagen der Bärenarten auch, von oben über einen Graben hinweg hineinblickt. Dann gingen wir hinüber zu dem tollen neuen Giraffenhaus, das 2009 gerade neu eröffnet wurde. Seine vier Bewohner spielten leider in einem Gehege, in das man nur durch spiegelnde Scheiben sehen konnte. Wir spazierten durch das Tropenhaus, hinter der Bärenanlage, wo es u. a. Krallenäffchen und Lemuren zu sehen gab.

Lemur im Zoo Riga

Dann versuchten wir es noch einmal bei Romeo. Der lag noch genauso da wie zu Beginn unseres Besuches. Aber die beiden Kodiakbären, Ansis und Grieta, boten uns und ihm eine tolle Show im Wasser. Ansis beobachtete zunächst vom Land aus Grieta, die im Wassergraben herumwanderte und einen kleinen Bogen machte, wenn sie an der Stelle vorbei kam, wo er lag. Dann entschloss er sich am Ufer des Wassergrabens einmal genauer nachzuschauen, was seine Gefährtin da so trieb. Grieta schwamm ein Stück vom Ufer entfernt, während er ihr zu Land folgte. Dann schwamm sie auf ihn zu, ihre Nasen berührten sich, die Bären trennten sich wieder und dasselbe Spiel begann von Neuem. Nach einiger Zeit folgte Ansis dann Grieta ins Wasser und die beiden Bären rauften mit einander. Sie rissen die Mäuler aus, zeigten sich die Zäune, packten einander spielerisch an den Ohren und am Hals. Sie schienen große Freude an ihrem Schaukampf zu haben. Die Zoobesucher, die sie beobachteten hatten in jedem Fall ihren Spaß daran.

Kodiak Bär im Zoo Riga Kodiak Bären im Zoo Riga Kodiak Bären im Zoo Riga

Kodiak Bären im Zoo Riga Kodiak Bären im Zoo Riga Kodiak Bären im Zoo Riga

Wir können recht hartnäckig sein, wenn wir einen Eisbären fotografieren wollen, der mehr als 2000 Kilometer von uns zu Hause entfernt lebt. Wir drehten noch eine feuchte Runde durch den Zoo. Schauten uns an, wo das neue Elefantengehege gebaut wird, das zum 100. Geburtstag des Zoos 2012 eröffnet werden sollte. Mittlerweile ist der Bau verschoben worden, weil man aufgrund der Finanzkrise, die notwendigen Gelder nicht aufbringen konnte. Man hatte 2003 die beiden letzten Elefanten Radza und Rupa in niederländische Zoos abgegeben, weil die Elefantenanlage nicht mehr den Anforderungen, die man heute an ihre Haltung stellt, genügte. Radza hat seitdem in Emmen für zahlreiche Nachkommen gesorgt und ist der uneingeschränkte Boss der größten Elefantenherde in einem europäischen Zoo. Rupa kam in den Burgers Zoo in Arnhem. Rund um das ehemalige Elefantenhaus leben Huftiere. Wir bewunderten den Lachenden Hans, und ein Tapir Jungtier, dessen Streifenkostüm noch schwach zu erkennen war und wärmten uns mit einer Tasse Kaffee im Zoorestaurant auf.

Junges Tapir im Zoo Riga

Dann ging es wieder zurück zu Romeo. Und der hatte tatsächlich endlich ein Einsehen. Seine Nachbarn hatten ihr Spiel beendet und sich ein Stück voneinander entfernt schlafen gelegt, da fand er es tatsächlich an der Zeit, auch ein bisschen körperliche Aktivität zu zeigen. Er wanderte in seinem Gehege herum, keineswegs so stereotyp, wie es der Autor des SZ Artikels beschreibt, obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass er das in diesem reizarmen Gehege oft macht.

Eisbär Romeo im Zoo von Riga

Nach kurzer Zeit hatte er aber genug vom Regen und zog sich wieder in seinen Unterstand zurück. Man kann nur hoffen, dass sich bald ein Sponsor findet, der sich der Bären von Riga annimmt. Alle Bären des Zoos haben bessere Anlagen verdient.

Eisbär Romeo im Zoo von Riga Eisbär Romeo im Zoo von Riga Eisbär Romeo im Zoo von Riga

Auch wir waren hatten langsam genug vom Regen und gingen zu unserem Auto zurück, vorbei an dem Gehege der Mandarinenten, die eine große Kinderschar zu betreuen hatten, und an den schönen Anlagen der Steinböcke, wo es auch niedlichen Nachwuchs gab.

Mandarinenten im Zoo Riga Steinbock im Zoo Riga Mandarinenten im Zoo Riga

Die Informationen stammen

von der Homepage des Zoos
und aus der Wikipedia

Mehr Bilder

vom Zoo Riga
dem Eisbären Romeo
den Kodiak Bären Ansis und Grieta

3 Antworten zu “Zoo Riga

  1. So, nun weiß ich also endlich auch , wer Romeo ist. Gab es mal Versuche, für ihn auch eine Julia zu finden?
    Das würde mich sehr interessieren und auch wie alt er ist.Er sieht gut aus!

    Und ja, die Bären haben ganz gewiss eine bessere Anlage verdient! Den Artikel in der Süddeutschen habe ich auch gelesen, es ist gut nun daneben euren Bericht und auch die Fotos zu sehen. Pedigree wäre doch eigentlich ein guter Sponsor für Bärengehege. So gerne wie manche Bären Schmackos futtern…

    Gut gefallen haben mir auch die Fotos unten von den kleinen Enten am Teller.

    Schade, dass ihr Regenwetter hattet!

    Danke fürs Mitnehmen.

    Birgit

  2. Da habe ich doch glatt vergessen, die Daten zu dem schönen Romeo zu erwähnen. Er ist übrigens nicht der einzige Eisbär dieses Namens. Auch der Vater des hübschen Yoghi ist ein Romeo, aber das ist eine andere Geschichte.

    Der Romeo in Riga wurde am 21.11. 1989 geboren in Kazan.

    Seit 1991 ist er in Riga. Es gab keine Julia aber eine Sira von 1996 bis 1998 und eine Pu von 2001 an, sie starb am 28.12.2006. Pu hatte 5 mal Jungtiere von Romeo, aber keines der Jungtiere hat überlebt.

  3. Hallo Ulli,

    dieser Romeo ist ein Bild von einem Eisbären.Ja, es wäre schön, wenn alle ein optimales Umfeld bekämen und warum nicht Werbung, wenn`s hilft. Das ist doch heutzutage schon ganz normal, ob im Sport oder sonstwo.
    Gibt es eine Aufzeichnung ALLER von Euch besuchter Zoos? Ich schreibe es noch ein mal, weil`s stimmt: ich bin beeindruckt.

    Liebe Grüße, Brigitte

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