Zoo in Gdańsk-Oliwa

Der Zoo von Danzig war eine richtige Überraschung. Wir hatten keinen Zoo mit so modernen Tieranlagen erwartet.

Nachdem Ende der 1940 er Jahre die Idee einer Zoogründung in Danzig einen großen Zuspruch bei der Bevölkerung bekam, gaben schließlich die Stadtbehörden, die zu Beginn der Sache eher ablehnend gegenüber standen, nach und genehmigten 1953 die Gründung eines zoologischen Gartens im Danziger Vorort Oliwa. Er sollte in einem rund 100 ha großen Park- und Waldgelände eingerichtete werden. Hier hatte von Ende des 19. Jh. bis 1945 eine Kurklinik für Patienten gelegen, die an Atemwegserkrankungen und Rheuma litten. Das Hauptgebäude und eine alte Wassermühle mit einem Mühlenhaus aus der ersten Hälfte des 19. Jh. wurden für den Zoologischen Garten umgebaut. Am 1. Mai 1954 wurde der Zoo schließlich eröffnet.

Im Zoo Gdansk

Die ersten Tiere, die in den Tiergarten einzogen, waren Geschenke der Bevölkerung – hauptsächlich Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Füchse, Rehe, Fasane und Wellensittiche. Mit der Zeit kamen auch exotische Tiere hinzu u. a. Affen und Papageien in erster Linie Geschenke von Seeleuten und die ersten Bisons. Der Warschauer Zoo schenkte dem neuen Tiergarten ein Paar Wölfe, Misio und Łštka, die einer zahlreichen Schar von Nachkommen das Leben schenkten.

Rothirsch im Zoo Gdansk

In den folgenden Jahren wurde der Zoo vergrößert – vor allem Dank der unermüdlichen Arbeit des damaligen Zoodirektors Michał Massalski und seiner Mitarbeiter, aber auch viele Bürger aus Danzig arbeiteten freiwillig und unentgeltlich mit und halfen Wege und Straßen zu bauen, sumpfige Gebiete trockenzulegen, Koppeln mit kleinen Teichen und Gehege für die Affen, Raubtiere und Vögel zu errichten, zu renovieren und zu vergrößern. Es wurden Anlagen für Huftiere gebaut, die Lamas und Bergziegen bekamen Felsblöcke in ihre Gehege, um ihren natürlichen Lebensraum nachzubilden.

Mishmi Takin im Zoo Gdansk Wisente im Zoo Gdansk

Zu Beginn war die größte Schwierigkeit die Tiersammlung zu vergrößern. Doch die Bemühungen der Menschen in Danzig trugen bald Früchte und so konnten Mitte der 1980er Jahre die Rund 400.000 Besucher pro Jahr über 800 Tiere aus mehr als 170 Arten anschauen, unter ihnen: Breitmaulnashörner, Eisbären, Kragenbären, Weißbüschelaffe und Kattas.

Seit 1991 Michał Targowski zum Zoodirektor ernannt wurde, sind weitere Tierarten hinzugekommen, von denen viele vom Aussterben bedroht sind, wie Zwergflusspferde, Orang-Utans, Mähnenwölfe, Oryxantilopen, Wildessel, Anoas, Java Languren, Guerezas, Brillenpinguine und Mandrills. Als Gegenleistung für die Aufnahme von 50 Trampeltieren aus Kasachstan, die im Zoo von Oliwa eine Quarantänezeit hinter sich brachten, erhielt der Tierpark eine Herde Dromedare, Trampeltiere, Lamas, Flamingos und Pelikane. Ein Kinderzoo wurde eröffnet, der sehr beliebt ist und jedes Jahr von rund 15.000 Kindern besucht wird. Seit 1993 ist der Zoo Mitglied der EAZA.

Anoa im Zoo Gdansk

Heute ist der Zoo 136 ha groß und beherbergt über 1100 Tiere aus über 200 Arten. Man spaziert bergauf und bergab durch einen Wald und an Wiesen vorbei. Die Tiere haben fast alle großzügige Gehege, die nicht nur wegen der vielen grünen Zäune an den Tierpark Friedrichsfelde in Berlin erinnern.

Karakal im Zoo Gdansk

Gleich am Eingang liegen die Anlagen der Raubkatzen. Wir konnten recht müde Luchse, Wildkatzen, Servale, Karkale und persische Leoparden bewundern. Man kann nur die Außenanlagen der Tiere sehen, die abwechslungsreich, naturnah gestaltet, allerdings nicht sehr groß sind. Die meisten Gehege sind lang aber recht schmal, man hat Einblick durch ein filigranes Maschdrahtgitternetz und teilweise durch Glasscheiben.

Eurasischer Luchs im Zoo Gdansk

Zu den sibirischen Tigern ging es den Berg hoch vorbei an den großzügigen Anlagen mit Wild, Takinen, Yaks und Wisenten, die zwei niedliche, lebhafte Jungtiere hatten. Die Tigeranlagen lagen im Wald und waren groß, wir konnten zwei Tiger beobachten, die sich in verschiedenen Ecken der Anlage aufhielten. Die Anlage kann in verschiedene abgesperrte Gehege geteilt werden, bei unserem Besuch konnten aber alle Tiere, die Anlage gemeinsam nutzen.

Kleinfleck-Ginsterkatze im Zoo Gdansk Im Zoo Gdansk

Im Zoo Gdansk Fuchsmanguste im Zoo Gdansk

Es gab Elche, Dam- und Rothirsche, Anoas, Lamas, Ginsterkatzen und Fuchsmangusten zu bewundern. Die Huftiere leben in großen Gehegen, die Anlagen der kleinen Raubtiere sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Die beiden Ginsterkatzen schliefen aneinandergekuschelt zwischen zwei Baumstümpfen, während die Fuchsmangusten munter über Steine und Holzbalken kletterten.

Afrikanischer Elefant Katka im Zoo Gdansk Asiatischer Elefant im Zoo Gdansk

Wir wanderten zu dem Teil des Zoos hinüber, wo man den Tieren Afrikas begegnen kann. Der Zoo von Danzig beherbergt zwei alte Elefantendamen. Die Afrikanische Elefantenkuh Katka wurde 1970 irgendwo in der Wildnis in Kenya geboren. 1971 wurde sie gefangen und kam in den tschechischen Zoo Dvur Kralove. Hier lebte sie bis 1998, als sie nach Frankreich in den Zoo de la Flèche gebracht wurde, von wo sie im Oktober 2006 nach Danzig umzog. Sie hat eine Asiatische Elefantenkuh zur Gesellschaft, die eine traurige Lebensgeschichte hat. Vicky wurde 1964 ebenfalls in der Wildnis geboren und landete – vermutlich im Jahr 1981 – im Zirkus Giovanni Althoff. Nachdem wiederholt zu Anzeigen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetztes in diesem Zirkus gekommen war, wurde ihm im September 2005 die Haltung von Elefanten untersagt. Damals besaß der Zirkus noch fünf Elefanten, mit vier von ihnen floh Althoff, der eine Beschlagnahme der Elefanten verhindern wollte nach Frankreich. Vicky, die zu diesen vier Tieren gehörte, erkrankte schwer und konnte mit Hilfe von Tierschützern aufgespürt werden. Sie wurde im Januar 2006 von französischen Behörden beschlagnahmt und zunächst in den Zoo de Thoiry gebracht und kam von dort aus am 29. Januar 2006 nach Danzig. Hier hat sie jetzt ein schönes Zuhause gefunden, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbringen kann.

Letschwe Antilope im Zoo Gdansk

Im Afrikateil des Zoos gibt es neben den Elefanten Geparden, verschiedene Antilopenarten in getrennten Gehegen, u. a. Letschwe Antilopen, die ein Jungtier hatten und Sitatungas und Flusspferde zu sehen. Auf der Afrika Savanne rannte zu unserer Freude eine Zebraherde mit mehreren Jungtieren herum. Deren wilde Hatz konnte die Rothschild Giraffen, mit denen sie die Anlage teilten, aber nicht vom Fressen abhalten. Sie hatten zarte Knospen an Sträuchern außerhalb der Anlage auf der anderen Seite des Zaunes entdeckt und verrenkten ihre langen Hälse, bis sie sie erreichen konnten.

Chapman-Zebras im Zoo Gdansk Rothschild Giraffe im Zoo Gdansk

Rothschild Giraffe im Zoo Gdansk Chapman-Zebras im Zoo Gdansk

Besonders gut haben uns die 2005 eröffneten Anlagen der Affen gefallen. Man kann in einer langen Anlage, die sich einen Hügel hinauf windet und mit schönen Innenanlagen ausgestattet ist, hintereinander Schimpansen, Orang-Utans, Husarenaffen, Haubenlanguren, Mantelaffen, Brüllaffen und Mandrills beobachten, die bis auf die Orang-Utans alle Jungtiere hatten. Besonders das Familienleben der Haubenlanguren war schön anzuschauen. Die Orang-Utans zeigten sich ziemlich Geräusch empfindlich. Als eine recht laute Schulklasse vorbei kam verzogen sie sich in ihr Innengehege, kaum waren die Kinder ebenfalls in das Gebäude hineingegangen, kletterten die Affen flugs wieder nach draußen. Man kann in die Anlage von verschiedenen Ebenen aus hineinsehen. Teilweise von unten, teilweise von oben auf Höhe der Dächer.

Haubenlangur im Zoo Gdansk Schimpansen im Zoo Gdansk

Mantelaffe im Zoo Gdansk Brüllaffe im Zoo Gdansk

Bis auf einen alten, viel zu kleinen Käfig, in dem zwei Braunbären eingesperrt waren, hat uns der Zoo in Danzig sehr gut gefallen.

Mehr Bilder vom Zoo gibt es hier:

von Raubkatzen und Huftieren
von der Afrika Savanne,
und von den Affen aus Gdansk

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