Zooparc de Trégomeur

Asiens Tier- und Pflanzenwelt in der Bretagne

An einem diesigen Tag im September 2009 steuerten wir den Zooparc de Trégomeur an. Es war unser zweiter Besuch in dem Tierpark an der Nordküste der Bretagne. Der erste Besuch lag zwei Jahre zurück, damals war der Zoo gerade ein halbes Jahr alt, die Pflanzen brauchten noch Zeit zu wachsen und den Tieren merkte man an, dass sie noch nicht alle mit ihrer Umgebung vollständig vertraut waren. Wir hatten damals beschlossen wiederzukommen und nachzuschauen, wie sich der Zoo entwickeln würde. Denn es hatte uns ausgesprochen gut in Trégomeur gefallen, in dem kleinen neuen Zoo, der obwohl er erst am 28. April 2007 eröffnet worden war, eine lange Geschichte hatte.

Im Zooparc de Trégomeur 2007

Der eigentliche Zoorundgang beginnt unten im Tal des Flusses Ic. Der Parkplatz, auf dem wir unser Auto abstellten liegt aber oben auf einem Hügel über dem Flusstal. So betritt man den Zoo auf der Höhe der Baumwipfel. Hier steht das Eingangsgebäude, auf hohen Stelzen. Wir bezahlten den Eintritt und gingen dann langsam über eine Holztreppe hinunter in den Zoo. Man taucht quasi ein in einen grünen Dschungel aus einheimischen und exotischen Pflanzen. Bevor man sie sieht, hört man die Tiere: die Schreie der Affen, das Brüllen der Raubkatzen, den Gesang der Vögel. Ein bisschen fühlt man sich, wie auf einer Expedition in eine exotische Welt.

Schneeleopard Tarim im Zooparc de Trégomeur

Die ersten Tiere, deren Gehege an unserem Weg lag, waren die Schneeleoparden. Die beiden erwachsenen Tiere sind alte Bekannte von uns, wir haben sie schon als Jungtiere kennengelernt. Denn Beide wurden ganz in der Nähe unseres Zuhauses geboren. Der Kater Tarim wurde am 3. Mai 2005 im Krefelder Zoo geboren und Yahya, das Weibchen, kam im selben Jahr am 25. April im Kölner Zoo zur Welt. Ich hatte mich schon 2007 darüber gefreut, sie in Trégomeur in einer so schönen Anlage wiederzusehen.

Schneeleopardin Yahya mit ihrem Nachwuchs  Him und Alaya im Zooparc de Trégomeur

Die Beiden haben sich in der Bretagne gut eingelebt. Am 28. April 2008 – ungefähr ein Jahr nach der Eröffnung des Zoos – kam ihr Nachwuchs, ein Männchen Him und ein Weibchen Alaya zur Welt. Die zwei Jungtiere waren nun schon genauso groß wie ihre Eltern. Die Jungtiere lagen zusammen mit ihrer Mutter auf einer – einem Dolmen nachempfunden – Plattform aus Steinen. Tarim durchstreifte das Gehege, dass mit vielen Baumstämmen, Felsblöcken und einem Wasserbecken, den Tieren viel Abwechslung bietet.

Sibirischer Tiger im Zooparc de Trégomeur

Hinter der Anlage der Schneeleoparden liegt die der Sibirischen Tiger. Auch sie haben einen Dolmen und auf dem hatte es sich einer der Tiger bequem gemacht. Auch er stammt aus einem deutschen Zoo. Argun wurde am 30. Juli 2007 im  Zoo Leipzig geboren. Ein anderer Tiger machte einen Inspektionsrundgang durch das große Gehege und suchte sich dann auch einen bequemen Schlafplatz. An der nächsten Ecke liegt das Gehege der Kurzkrallenotter, die es sich in ihrer „Schutzhütte“ aus Holz unter einer Wärmelampe gemütlich gemacht hatten und schliefen.

Kurzkrallenotter im Zooparc de Trégomeur

Die Geschichte des Zoos beginnt vor fast fünfzig Jahren. 1961 erwarb Marcel und Liliane Arnoux ein Grundstück mit einer alten Mühle, die Moulin de Richard, im Tal des Flusses Ic. Ursprünglich wollten die Beiden hier eine Fischzucht beginnen, doch es stellten sich ihnen zu viele Hindernisse in den Weg und so machten sie neue Pläne. Sie begannen 1964 mit einer Geflügelzucht und errichteten 1966 einen Campingplatz. Marcel hatte als Soldat in der Armee gedient und sie suchten für die Familie, die Arnoux hatten damals drei Kinder, eine finanzielle Basis, mit der sie ihren Lebensunterhalt sichern konnten.

Im Zooparc de Trégomeur 2007 Schneeleopardin Yahya im Zooparc de Trégomeur

Sibirischer Tiger im Zooparc de Trégomeur Im Zooparc de Trégomeur 2007

Marcel Arnoux liebte Tiere und auf seinem Grundstück gab es genug Platz sie zu halten. Zu Beginn hatten sie eine Sammlung von Reptilien und 1969 zu seinem 40. Geburtstag erhielt Marcel ein besonderes Geschenk: zwei Husarenaffen, Jérôme et Mélinda, die aus dem Zoo de Vincennes stammten. Und es dauerte nicht lange, bis die beiden Nachwuchs bekamen. Die ganze Gemeinde freute sich über den „Familienzuwachs“. Eine Zeitung schrieb vom “Premier bébé singe breton”, vom ersten bretonischen Affenbaby. Die Arnoux wurden bekannt und weitere Affen wurden in ihre Obhut gegeben. Cheeta, Cegro, Julie und Zoé, die ersten Schimpansen zogen in das Tal der Ic, gefolgt von einem Binturong und Damwild, das vor der Mühle graste, zur Freude der Campingplatz Gäste, die jetzt in ihrem Urlaub Tag für Tag einen Mini Zoo besuchen konnten. Die finanziellen Mittel zum Ausbau des kleinen Zoos waren beschränkt, aber Marcel Arnoux hatte viele Ideen und handwerkliches Geschick. So entstand eine große Insel für die Affen, bei deren Errichtung sogar einiger der Camper mit Hand anlegten.

Hanuman-Languren im Zooparc de Trégomeur

Auch heute leben die Affen des Zooparcs de Trégomeur wieder auf Inseln. Hanuman Languren und Siamangs bewohnen zwei Inseln nebeneinander. Bei den Siamangs war gerade der Vater dabei seinem noch winzigen Sprössling alles das beizubringen, was ein Erwachsener Siamang so alles wissen muss, während die Mutter auf der Insel nach Futter suchte und sich ausruhte. Der Papa – er heißt Patchouli und wurde 2000 in Doué-la-Fontaine geboren – zeigte dem Nachwuchs, wie man unter der Holzbrücke hängend, das Wasser nach Futter untersuchen kann, passte dabei aber gut auf, dass das Jungtier nicht zu übermütig wurde. Dann wurde sich ein bisschen auf der Insel gebalgt. Und der Vater machte vor, wie ein Siamang seinen Artgenossen droht. Das Jungtier war wenig beeindruckt und kletterte in den Bäumen herum, baumelte an dünnen Ästen und versuchte vergeblich auch seine Mutter zum Spielen zu animieren.

Siamangs im Zooparc de Trégomeur Siamang im Zooparc de Trégomeur

Siamangs im Zooparc de Trégomeur Siamangs im Zooparc de Trégomeur

Im Laufe der Jahre wurde nach und nach aus dem Mini Zoo ein richtiger kleiner Zoologischer Garten. Ein besonders wichtiges Ereignis war die Eröffnung der Affenanlage im Jahr 1970, die vom Präfekten des Departements Côte du Nord eröffnet wurde. Sie war 90 m lang und beherbergte Gibbons, Klammeraffen, Südliche und Äthiopische Grünmeerkatzen und Makaken, die mit Streifenhörnchen vergesellschaftet wurden. Die Käfighaltung der Primaten dauerte allerdings nicht lange, denn dank des Flusses konnten die Affen bald alle auf Inseln umziehen. Für Lemuren baute Marcel Arnoux Holzhütten auf Stelzen in den Fluss und bald schmückten diese Tiere das Logo des Zoos. Ein ganz besonderer Bewohner des Zoos war Eva, ein Gorillababy, das mit der Hand aufgezogen wurde, in der Mühle bei den Arnoux lebte und sich zunächst frei im Zoo bewegen konnte, bis das Gorillaweibchen eine eigenen Insel bekam.

Siamang im Zooparc de Trégomeur Siamang im Zooparc de Trégomeur Siamang im Zooparc de Trégomeur

Am Ende lebten über 300 Tiere aus mehr als 65 Arten auf 12 ha im Zoo de Trégomeur. Aber 2000 wollte Marcel Arnoux seinen Zoo verkaufen. Er war in die Jahre gekommen und ihm fehlten die finanziellen Möglichkeiten, die notwenigen Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen. Er versuchte zunächst einen privaten Käufer zu finden, hatte damit aber keinen Erfolg. 2001 bot er seinen Zoo schließlich dem Departement Côtes d’Armor an. Nicht nur ihm lag daran, dass der Zoo weiter bestehen sollte, für viele Menschen in der Umgebung gehörte der Zoo zu ihrem Leben und sie konnten es sich nicht vorstellen, dass es ihn nicht mehr geben sollte. Aber bevor der Conseil général eines Departement einen Zoo erwerben kann, etwas, das es vorher noch nie in Frankreich gegeben hatte, muss zuerst genau untersucht werden, ob sich die notwendigen Investitionen auch lohnen. Eine Machbarkeitsstudie und Marktuntersuchungen mussten durchgeführt werden, ein Konzept für die Zukunft entwickelt werden. So dauerte es bis zum Jahr 2003, bis das Departement den Zoo kaufte.

Fischkatze im Zooparc de Trégomeur

Auf der anderen Seite unseres Weges lag die Anlage der Fischkatzen, die von drei noch recht jungen Tieren bewohnt wurde. Zwei der kleinen Raubkatzen demonstrierten uns recht anschaulich, warum sie Fischkatzen heißen. Sie suchten im Wasserlauf ihrer Anlage nach Futter. Leider spiegelte die Scheibe, durch die man in das Gehege hineinschauen konnte, so sehr, dass mir kein scharfes Foto von der Aktion gelang. Ein Stück weiter schlief ein Binturong in einem geflochtenen Korb, der ihm als Schutzhütte diente.

Krauskopfpelikan im Zooparc de Trégomeur

Weiter ging es vorbei an einer Anlage mit einem großen Teich und einer kleinen Insel, die sich die Kormorane und Krauskopfpelikane teilen und der Anlage der Stachelschweine, zur nächsten Affeninsel, die von einer munteren Gibbonfamilie bewohnt wurde. In Trégomeur leben Weißwangen-Schopfgibbons. Bei dieser Gibbonart haben die männlichen Tiere schwarzes Fell, während die Weibchen und die Jungtiere hellbraun gefärbt sind. Bei den erwachsenen Tieren sind die Wangen weißgefärbt und die Weibchen haben einen schwarzen Fleck oben auf dem Kopf. Auch hier war das Jungtier sehr unternehmungslustig. Es spielte mit seiner Mutter und einem weitern Weibchen, untersuchte das Gras, kletterte an den Kletterseilen herum und schaute nach, was sein Vater machte, der am Wassergraben saß und nach irgendetwas Ausschau hielt.

Weißwangen-Schopfgibbon im Zooparc de Trégomeur

Da die Machbarkeitsstudie zu einem positiven Ergebnis gekommen war, hatte der Conseil général 2002 seine Bereitschaft signalisiert den Zoo zu kaufen. Für den Zeitraum bis zum endgültigen Erwerb musste eine Zwischenlösung gefunden werden. Man entwickelte die Idee, Arbeitsplätze für Behinderte im Zoo zu schaffen. Die ADAPEI, eine Organisation auf Départementebene, die sich für Behinderte einsetzt, übernahm von April 2002 bis Ende 2003 die Verantwortung für den Zoo. Zehn behinderte Menschen begannen im Zoo zu arbeiten. Zunächst hatte man geplant, die Behinderten in erster Linie mit gärtnerischen Aufgaben zu betreuen. Man stellte aber bald fest, dass sie durchaus an allen Arbeiten im Zoo beteiligt werden konnten. So waren bis zur Schließung des alten Zoo Ende 2003 behinderte Mitarbeiter in allen Bereichen des Zoos tätig. Auch in dem neuen Zoo haben wieder Behinderte einen Arbeitsplatz gefunden und man plant in Zukunft noch mehr Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen für sie im Zooparc de Trégomeur zu schaffen.

Weißwangen-Schopfgibbons im Zooparc de Trégomeur

Nachdem wir den Gibbons einige Zeit zugeschaut hatten, machten wir eine Pause und gönnten uns in dem schönen Zoorestaurant einen Imbiss und einen Kaffee. Die Sonne war mittlerweile aus dem Dunst hervorgekommen und wir genossen die grüne Umgebung und den Ausblick auf die Gibboninsel.

Weißwangen-Schopfgibbon im Zooparc de Trégomeur

Ende 2003 wurde der Zoo für die Öffentlichkeit geschlossen, alle Tiere wurden in anderen Zoos in Frankreich untergebracht und man begann einen vollständig neuen, anderen Zoo zu bauen. Er sollte sich fast ausschließlich den Tieren Asiens widmen. Nur die Lemuren Madagaskars sollte eine Ausnahme bilden, schließlich hatte sie das Logo des alten Zoos geschmückt. Und es sollten nicht nur Tiere gezeigt werden, sondern auch die Pflanzenwelt der Heimat der Tiere sollten die Besucher erleben dürfen. Die eigentlichen Bauarbeiten für den neuen Zoo begannen im Mai 2005. 40 Unternehmen waren daran beteiligt. Fast 60 Menschen arbeiteten fast zwei Jahre lang auf der Baustelle. Es waren Vertreter aus über 30 Berufen dort tätig: Maurer, Elektriker, Kempner, Architekten, Spezialisten für Erdbewegungsarbeiten, Zimmerleute, Aufzug Bauer, Maler, Spezialisten für Kunstfelsen, für Terrassenbau, Landschaftsarchitekten … Das gesamte Projekt kostete inklusive Ankauf, Planung und den gesamten Baumaßnahmen 7,5 Mio. Euro.

Im Zooparc de Trégomeur

Das Konzept des Zoos sah vor das nicht nur Tiere aus Asien den Zoobesuchern einen Ausflug in eine fremde Welt ermöglichen sollten, sondern auch die Pflanzenwelt Asiens den Besuch zu einem vollständigen Erlebnis machen sollten. Bäume aus 38 verschiedenen Arten wurden gepflanzt, 5 verschieden Arten von Palmen, 35 verschieden Arten von Sträuchern, 25 verschiedene Arten von Stauden, 6 Arten Bambus und 16 Arten von Wasserpflanzen. So war unser Zoobesuch auch ein Spaziergang durch einen botanischen Garten mit kleinen Bambuswäldern, vorbei an vielen ungewöhnlichen Pflanzen, die auch in unserem Klima wachsen und gedeihen können. Natürlich sind einige der Pflanzen noch jung und müssen noch wachsen. Es wird noch einige Jahre dauern, bis aus dem neuen Zoo ein richtiger kleiner Dschungel geworden ist.

Im Zooparc de Trégomeur

Die Inseln der Lemuren liegen ziemlich in der Mitte des Zoos. Es werden fünf verschiedene Lemurenarten im Zooparc de Trégomeur gehalten, neben Kattas und Schwarz-Weißen und Roten Varis, die man in vielen Zoos sehen kann, auch Mohrenmakis und Braune Makis, die nicht so häufig gezeigt werden. Mir haben besonders die Mohrenmakis gut gefallen. Mohrenmakis sind recht kleine Lemuren. Sie werden nur 39 bis 45 cm groß – ohne ihren Schwanz, der bis zu 65 cm lang werden kann – und bis zu 2 kg schwer. Die Männchen sind – wie der Name vermuten lässt – schwarz gefärbt, während die Weibchen ein braunes Fell haben, das am Rücken dunkel, aber am Bauch aber ganz hell ist. Wie alle Lemurenarten leben sie nur auf Madagaskar. Sie sind dort gesetzlich geschützt, doch das nützt ihnen nur wenig, denn durch die Rodung der Wälder sind nur knapp zehn Prozent ihres ursprünglichen Lebensraumes erhalten geblieben.

Mohrenmakis im Zooparc de Trégomeur

Die Lemuren haben für den Erhalt der Wälder eine entscheidende Bedeutung, denn sie verbreiten die Samen vieler Bäume. So sind alleine 20 Baumarten, darauf angewiesen, dass der Braune Maki ihre Früchte verspeist und so ihren Samen verteilt. Der Samen durchläuft den Verdauungstrakt der Halbaffen und wird an einem anderen Ort wieder ausgeschieden. Die Braunen Makis pflanzen quasi die Bäume und düngen sie ich einem. In den Regionen des Urwaldes, in dem Braune Makis leben, wachsen nachweislich mehr verschiedene Baumarten, als dort wo die kleinen Affen nicht leben. Es ist ein richtiger Teufelskreis, ohne die Wälder gibt es keine Lemuren, ohne die Lemuren keinen Wald. Und am Ende verlieren auch die Menschen ihre Lebensgrundlage, denn wenn die Wälder verschwinden, versiegt auch das Wasser und ohne Wasser können die Menschen keine Landwirtschaft mehr betreiben.

Brauner Maki im Zooparc de Trégomeur

Es war gar nicht so einfach, die flinken Urwaldbewohner zu beobachten. Die Braunen Makis wechselten ständig von ihrem Haus nach draußen auf ihre Insel und wieder zurück. Die Kattas sonnten sich auf ihrer Insel, aber man konnte nur durch Lücken im Gebüsch einen Blick auf sie werfen. Da waren die Varis schon besucherfreundlicher aufgelegt, sie hatten sich Plätze auf Felsblöcken am Rand ihrer Inseln ausgesucht und die Mohrenmakis nutzten den Holzsteg von ihrem Holzhaus zu ihrer Insel zum Sonnenbad.

Roter Vari im Zooparc de Trégomeur Kattas im Zooparc de Trégomeur

Mohrenmaki im Zooparc de Trégomeur Schwarzweißer Vari im Zooparc de Trégomeur

Auf einer großen zentralen Weide grasten Przewalski-Pferde und Trampeltiere und rund um einen kleinen Bauernhof gab es Ziegen, Hängebauchschweine und Federvieh anzuschauen. Davor liegt ein Picknickplatz für die Zoobesucher und da war jede Menge los.

Przewalski-Pferd im Zooparc de Trégomeur

Der Direktor des Zoos La Bourbansais hat die Leitung des Zooparcs de Trégomeur übernommen. Er hat den Zoo vom Departement gemietet. Er muss eine erfolgsabhängige Miete zahlen. Zu den Auflagen des Vertrages, der über 15 Jahre läuft, gehört auch die Schaffung von Arbeitsplätzen für Behinderte. Er war bereits an der Planung beteiligt und natürlich auch dabei, als die ersten Tiere im Zoo ankamen. Das erste Tier, das seine Anlage am 23. Januar 2007 in dem neuen Zoo in Besitz nehmen durfte, war die Malaienbärin Malaka. Sie ist so zum Maskottchen des Zoos geworden und ein Malaienbär ziert auch das Logo des Zoos de Tregomeur. Malaka wurde 10. Februar 1990 im Kölner Zoo geboren und lebte, bevor sie in die Bretagne kam, im Zoo de Vincennes.

Malaienbärin Malaka im Zooparc de Trégomeur

Ihr Gehege liegt nicht weit von dem kleinen Bauernhof entfernt und so machten wir zuerst einen Abstecher dorthin. Aber Malaka schien keine große Lust zu haben, sich uns zu zeigen, irgendetwas Interessantes schien in dem Haus, in dem sich ihr „Schlafgemach“ befindet, vorzugehen. Sie kratzte ungeduldig an der Tür nach drinnen, die blieb aber zu. Die Anlage der Malaienbären liegt an einem Hang und das Haus steht am oberen Ende. Wir standen unten und konnten Malaka nur aus der Ferne sehen. Auch von Chico, der am 15. November 2007 in Trégomeur angekommen ist, war nichts zu sehen. Er wurde am 21. April 1991 in Malaysia bei einem privaten Halter geboren. Chico und Malaka waren bereits im Zoo von Vincennes ein Paar.

Südamerikanischer Nasenbär im Zooparc de Trégomeur

Also entschlossen wir uns zunächst mit unserem Zoorundgang weiterzumachen. Wir waren auch schon ein bisschen neugierig, denn jetzt waren wir bald an dem Gehege der beiden jüngsten Zoobewohner angekommen. Und einen der beiden hatten wir schon im März 2009 an seinem Geburtsort kennengelernt. Aber vorher gab es noch Nasenbären zu bestaunen. Die munteren Gesellen passen ja eigentlich nicht so ganz in das Konzept des Zoos, der ja eigentlich nur asiatische Tiere zeigen will, schließlich sind sie in Mittel- und Südamerika zuhause. Da es aber sehr viel Spaß macht ihnen zuzuschauen, freuten wir uns über dieses Abweichen von der geplanten Tierauswahl.

Die Roten Pandas im Tierpark Friedrichsfelde

Geordy im März 2009 im Tierpark Friedrichsfelde

Dann wurde unsere Neugierde gestillt, wir waren an der Anlage der Kleinen Pandas angekommen. Und Geordy, der Kleine Panda, der am 22. Juni 2008 im Tierpark Friedrichsfelde in Berlin geboren wurde, begrüßte uns. Jedenfalls interpretierten wir sein Verhalten so. In Wirklichkeit inspizierte er wohl sein Gehege, in dem er sich noch nicht so ganz zu Hause fühlte, er lebte ja erst ein paar Wochen in der Bretagne.

Kleiner Panda Geordy im Zooparc de Trégomeur

Die Anlage bot ihm jede Menge Kletterstiege, die er alle ziemlich aufgeregt entlang lief. Er kletterte hinauf und hinunter, über die Dächer der verschiedenen Holzhäuschen und die Körbe hinweg, die ihm und seiner Partnerin Nyima, die ein halbes Jahr älter als Geordy ist und in Italien im Zoo La Torbiera im Piemont geboren wurde, Unterschlupf bieten. Einer dieser Körbe war besonders interessant und wir stellten später fest warum. Darin hatte sich Nyima schlafen gelegt. Wir konnten ihren Schwanz sehen, aber die Dame ließ sich die ganze Zeit nicht blicken.

Kleiner Panda Geordy im Zooparc de Trégomeur Kleiner Panda Geordy im Zooparc de Trégomeur

Kleiner Panda Geordy im Zooparc de Trégomeur Kleiner Panda Geordy im Zooparc de Trégomeur

Nachdem wir Geordy ausgiebig beobachtet hatten, schauten wir uns die Volieren mit verschiedenen Vögeln an, die am Weg entlang standen, der uns nun den Hang hinauf zu der Anlage der Rothunde führte. Rothunde oder Asiatische Wildhunde bilden wie die Wölfe Rudel von im Durchschnitt fünf bis zwölf Tieren, das von einem Alphapaar angeführt wird. Sie sind in der Natur stark gefährdet (endangered), weil ihr Lebensraum zerstört wird und sie von verwilderten Haushunden mit Krankheiten angesteckt werden. Die Rothunde in Trégomeur genossen die Sonne und schauten müde zu uns herüber.

Rothund im Zooparc de Trégomeur

Wir waren jetzt am oberen Ende der Malaienbärenanlage angekommen und da gerade ein Tierpfleger aus dem Haus kam, konnte ich ihn fragen, ob es wirklich Malaka war, die ich in dem großen Gehege gesehen hatte. Er bestätigte meine Vermutung und erzählte mir auch, dass Chico gleich in die kleinere Außenanlage käme. Leider konnte ich dort kein vernünftiges Foto von ihm machen, da er sich immer ziemlich nah am Zaun aufhielt. Dafür hatte aber Malaka ein Einsehen. Sie kam herunter zu dem Platz vor dem Wasserbecken und ich folgte ihr schnell den ziemlich steilen Hang hinab. Ich bin darin deutlich einem Malaienbären unterlegen. Ich war froh, dass ich rechtzeitig unten ankam, um ein paar Fotos von ihr zu machen, bevor sie sich wieder nach oben verzog.

Malaka im Zoo de Trégomeur

Auf uns wartete noch der letzte Teil des Zoos. Hinter dem kleinen Bauernhof liegen die großzügigen Anlagen für Nilgauantilope, Sikawild und Davidshirsche. Während weder die Nilgauantilopen noch die Sikahirsche in ihrem Bestand gefährdet sind und von dem Menschen auch außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes heimisch gemacht wurden – Nilgauantilopen wurden in Texas angesiedelt, Sikahirsche wurden in Europa, Neuseeland, Australien und in den USA ausgewildert – sind die Davidshirsche in der freien Wildbahn seit mehreren hundert Jahren ausgestorben. Sie waren ursprünglich östlichen Asien verbreitet. Ihre Art konnte nur durch die Haltung einer Herde von über 120 Tieren in einem kaiserlichen Park von Peking und später in europäischen Wildgehegen überleben.

Davidshirsch im Zooparc de Trégomeur

Der erste Europäer, der Davidshirsche zu Gesicht bekam, war 1865 der französische Pater Armand David – nach dem die Art auch benannt ist. Später bekamen französische, britische und deutsche Diplomaten lebende Davidshirsche geschenkt. So gelangten die Tiere nach Europa, wo sie in Zoos untergebracht wurden. Einige kamen auch im Berliner Zoo unter; sie wurden jedoch mit Rothirschen gekreuzt, wodurch der Bestand bald nicht mehr reinblütig war.

Davidshirsch im Zooparc de Trégomeur

In China ertranken bei einer Flutkatastrophe 1895 etliche Tiere, andere konnten durch die zerstörte Mauer entkommen. Sie wurden bald von hungernden Menschen getötet und gegessen. Nur rund 20 bis 30 Tiere überlebten, doch auch sie wurden am Ende während der Wirren des Boxeraufstands fünf Jahre später ebenfalls getötet und verspeist. Der letzte Davidshirsch lebte bis 1922 im Zoo von Peking.

Nilgauantilope im Zooparc de Trégomeur

Damit schien eigentlich schon festzustehen, dass es bald keine Davidshirsche mehr geben würde. Als letzten Versuch die Art zu erhalten, entschieden sich alle Zoos, die Davidshirsche hielten, ihre Tiere in die Obhut des Herzogs von Bedford zu geben, der verschiedenste exotische Hirscharten in seinen Gärten bei Woburn Abbey nördlich von London hielt und erfolgreich züchtete. 18 Exemplare stellten den weltweiten Restbestand dar, davon waren aber nur noch ein Hirsch und fünf Hirschkühe fortpflanzungsfähig. Die kleine Herde, für die ein Internationales Zuchtbuch eingerichtet wurde, war ausgesprochen fruchtbar. Sie umfasste 1914 bereits neunzig Tiere und war 1946 auf dreihundert Hirsche angewachsen. Man konnte kleine Zuchtgruppen auf verschiedene Zoos verteilen und überall wurde erfolgreich gezüchtet. So erfolgreich, dass man 1956 fünf Davidshirsche in den Zoo von Peking schicken konnte. 1985 wurden 39 Davidshirsche in ihrer ursprünglichen Heimat in das Dafeng Milu Naturreservat in der Provinz Jiangsu ausgewildert. Heute gibt es ausgewilderte Davidshirsche auch im Beijing Milu Park bei Peking. 2006 lebten in China wieder aus 1.300 Tiere, die meisten in Reservaten aber auch im Freiland am Jangtze-Fluss. In Zoos und europäischen Wildparks leben rund 1000 Tiere.

Braune Sichler im Zooparc de Trégomeur Rosaflamingo im Zooparc de Trégomeur

Mandschurenkranich im Zooparc de Trégomeur 2007 Libelle im Zooparc de Trégomeur 2007

Hinter den Anlagen der Huftiere führte unser Zoorundgang durch eine Voliere mit Rosaflamingos und Braunen Sichlern. Und dahinter leben in einem sumpfigen Gehege die Mandschurenkraniche. Gegenüber ihrer Anlage liegt ein Teil des aufwändigen Wassermanagement des Zoos. Früher hatte es immer Probleme mit der Wasserqualität gegeben, weil das im Zoo verwendete Wasser, das u. a. für die Wassergräben der Inseln verwendet wurde, aus dem Fluss Ic abgezweigt wurde und wieder in ihn zurückfloss. Nun nutzt der Zoo einen geschlossenen Wasserkreislauf. Das Wasser wird biologisch geklärt, bevor es, wenn nötig, in den Fluss zurückgegeben wird. Dazu gehört auch ein Rieselfeld, das mit Wasserpflanzen begrünt ist. Hier leben wunderschöne Libellen, an die wir uns aus dem Jahr 2007 noch gut erinnern und die wir auch dieses Mal beobachten konnten.

Schneeleopard Tarim mit Sohn Him im Zooparc de Trégomeur

Bevor wir den Zoo verließen, schauten wir nach einer Tasse Kaffee noch einmal bei in Deutschland geborenen Zootieren Geordy, Malaka, Argun und den Schneeleoparden vorbei. Bei letzteren war einiges los. Der junge Kater Him versuchte schon einmal einen Scheinangriff auf seinen Vater, wurde aber von ihm sofort in die Schranken verwiesen. Ein kurzes Fauchen reichte, um den Filius auf Distanz zu halten. Der Zooparc de Trégomeur arbeitet mit dem Snow Leopard Trust zusammen, der sich seit 1981 für den Schutz der Schneeleoparden einsetzt. So kann man in dem Zooladen Produkte kaufen, von deren Erlös ein Teil an den Trust abgeführt wird. Wir verabschiedeten uns von den schönen Raubkatzen, stiegen die Treppe wieder hinauf und gingen zu unserem Auto zurück mit der festen Absicht wieder hierhin zukommen, wenn wir das nächste Mal in unserem Urlaub in der Bretagne vorbeikommen würden.

Im Zooparc de Trégomeur

Mehr Bilder von
GeordyMalakaden Schneeleopardenden Affenden Vögeln und den restlichen Tieren des Zooparcs de Trégomeur.

Und wer immer noch Bilder gucken mag findet hier die Fotos aus dem Jahr 2007.

Die Informationen habe ich hier gefunden:

http://www.zoo-tregomeur.com/
http://www.cg22.fr/fileadmin/pdf/publications/HSTregomeur042007.pdf
http://www.saint-brieuc.maville.com/actu/zootregomeur.php
http://www.snowleopard.org/
http://de.wikipedia.org/wiki/Mohrenmaki
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf-alt/regionen/welt/HG_Lemuren.pdf
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/kleiner-panda-im-tierpark-geboren,10810590,10585638.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Davidshirsch
http://www.zoodirektoren.de/magazin/drucken.php?artikel=1557&type=

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