Zoo de Mulhouse

Wir waren wir einer der ersten, die an diesem Septembertag 2009 ihr Auto auf dem Parkplatz des Parc zoologique et botanique de Mulhouse, des zoologische und botanische Garten von Mulhouse, abstellten. Auf dem Platz vor dem gerade eröffneten, neuen Eingangsgebäude war noch eine Baustelle und auch die Technik im Innern des Gebäudes funktionierte noch nicht so ganz. So konnten wir an der Kasse nicht mit der Kreditkarte bezahlen und mussten unser letztes Bargeld zusammenkratzen, um uns Eintrittskarten kaufen zu können. Der Eintrittspreis ist glücklicherweise nicht hoch. Die Eintrittskarte kostet nur 10 € pro Person und wir mussten sogar nur 8 € bezahlen, weil wir auf dem Campingplatz von Mulhouse übernachtet hatten. Trotzdem waren wir nun ganz knapp bei Kasse und konnten uns keinen Zooführer mehr leisten.

Hortensien Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Nur ein paar Schritte hinter dem Eingang, hatten wir den Lärm der Baustelle am Eingang vergessen. Es waren nur wenige Besucher im Zoo und herrlich ruhig, nur der Gesang der Gibbons, das Heulen der Wölfe und das Brüllen des Löwenmannes war zu hören. Die Blüten der Hortensien erinnerten noch an den Sommer, aber die sich bunt färbenden Blätter der Bäume zeigten, dass es langsam Herbst wurde.

Unser erstes Ziel war – wie sollte es anders sein – die Anlage der Eisbären. Die liegt nicht weit vom Eingang entfernt und so standen wir bald davor und konnten Tina und Jurij beim Schlafen beobachten.

Eisbärenanlage im Zoo Mulhouse mit Jurji und Tina

Die Eisbärenanlage in Mulhouse stammt aus dem Jahr 1974 und ist zu klein und veraltet, das wissen auch die Verantwortlichen des Zoos. Der Zoo informiert auf seiner Interseite über die geplanten Renovierungsarbeiten und ein Schild am Gehege wirbt um Sponsoren, die bei der Finanzierung der Baumaßnahmen helfen sollen.

Eisbärenanlage im Zoo Mulhouse

Der männliche Eisbär Jurij wurde am 6.12.1984 in Karlsruhe geboren, kam 1985 in den Zoo Berlin und im Februar 1988 nach Mulhouse.

Eisbär Jurij im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Seine Partnerin Tina wurde 1985 in der Wildnis in Russland geboren und kam vermutlich im Februar 1987 in den Zoo. Nachwuchs hatten die Beiden nie.

Eisbärin Tina im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Die zwei Eisbären machten an dem Tag, als wir im Zoo waren, einen ziemlich faulen Eindruck. Zuerst lagen sie einfach nur da und schliefen und riskierten nur ab und zu ein Auge, wer denn da so zu Besuch gekommen war. Auch der Pfleger, der die putzigen Kurzkrallenotter im Nachbargehege fütterte, konnte sie nicht aus der Ruhe bringen.

Kurzkrallenotter im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Kurzkrallenotter im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Ihr Nachbar, die betagte Braunbärin Gilberte war da schon munterer. Ein Schild an ihrer Anlage informiert die Zoobesucher darüber, dass sie, wenn man sie nicht sieht, in ihrem Stall ist. Sie kann nämlich jeder Zeit zwischen drinnen und draußen wechseln, wie sie gerade Lust hat. Das ist ein Komfort, der ihr auch zusteht. Geboren wurde sie am 29. Dezember 1972 im Berner Bärengraben, damit ist sie der viertälteste Braunbär in Europa. Sie kam am 24. Januar 1974 zusammen mit ihrem Bruder Heinrich und ihrer Schwester Germaine nach Mulhouse. In früheren Zeiten, als man Tiere noch anders in Zoos hielt, hatten die Bären ihre Show im Zoo. Die Tierpfleger ließen die Bären sich bei einer öffentlichen Fütterung aufrichten und um die eigene Achse drehen. Heute gibt es keine solchen Zirkusvorstellungen mehr im Zoo Mulhouse. Gilbertes Futter wird auf der Anlage verteilt, damit die Bärin es suchen muss. So ist sie immer in Bewegung und trotz ihres hohen Alters noch recht fit. Das Fleisch wird für sie gekocht, weil ihre Zähne nicht mehr so gut und sie es so auch am liebsten hat. Heinrich starb 1996, Germaine zehn Jahre später am 6. August 2006 an einem Lymphon. Aufgrund ihres hohen Alters und des recht kleinen Geheges hat sie keinen neuen Gefährten erhalten. Nach ihrem Tod wird es wohl keine Braunbären mehr in Mulhouse geben, denn die Eisbärenanlage soll vergrößert werden.

Wir schauten Gilberte einige Zeit zu und machten dann, da es nicht so aussah, dass die beiden Eisbären gleich aufwachen würden, einen Rundgang durch den Zoo.

Braunbär Gilbert im Zoo von Mulhouse

Der Parc zoologique et botanique de Mulhouse, der zoologische und botanische Garten von Mulhouse, wurde 1868 auf Initiative einer Gruppe von Industriellen gegründet. Das ist typisch für die Zeit und die Stadt, denn auch viele Museen von Mulhouse verdanken ihre Entstehung im 19. Jh. Förderern aus der Industrie. Damals war der Park 4 ha groß und sollte ein „parc du peuple“, ein Park für das Volk sein, ein Ort, wo die Arbeiter, die in den Fabriken der Stadt schufteten, Entspannung finden konnten, aber auch etwas lernen sollten. Man konnte für einen Eintritt von 10 Centimes flanieren, Tiere bewundern, Konzerte hören und Gymnastikübungen machen. Als 1870 der Krieg ausbrach, wurde der Park geschlossen und die Tiere verkauft. Schließlich gelangte das Gelände in die Hände der Société industrielle de Mulhouse (SIM), die Industrielle Gesellschaft von Mulhouse, die den Park vergrößerte, um einen botanischen Garten zu schaffen. Als jedoch Investionen notwendig wurden, die die SIM nicht bewältigen konnte, übernahm die Stadt Mulhouse den Park, der auf 12 ha wuchs.

Krauskopfpelikan im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs war der Zoo von Mulhouse einer der anerkanntesten Zoos in Europa, aber der Krieg führte zur erneuten Schließung. 1939 wurde auf dem Gelände des Zoos eine Artillerie Batterie errichtet. 1944 wurde der Ort zu einer Nachschubbasis der französischen Armee. Am Ende des zweiten Weltkrieges war der Zoo vollständig zerstört. Über 600 Bäume wurden gefällt, es gab keinen einzigen Weg mehr.

Hortensien Parc zoologique et botanique de Mulhouse Sonnenhut im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Aber in Mulhouse wollte man den Zoo erhalten. Die Renovierungsarbeiten, bei denen auch Kriegsgefangene eingesetzt wurden, dauerten bis 1948. 1950 war der Zoo wieder einer der schönsten in Frankreich.

Heute leben rund 1200 Tiere in einem Park von 25 ha mit über 3000 verschiedenen Pflanzen. Von den 190 Tierarten, die er beherbergt, sind 94 vom Aussterben bedroht und auch über 200 seltene Pflanzenarten wachsen hier, die in der Natur zu verschwinden drohen.

Ein großer Teil der Anlagen ist im Laufe der Zeit neu errichtet oder umgestaltet worden, um den Tieren Gehege zu bieten, die sie nach den neuesten Erkenntnissen tiergerecht unterbringen. Aber es gibt noch einige „Altlasten“ wie die Bärenanlagen, die darauf warten erneuert zu werden.

Asiatischer Löwen Jeptur und Sita im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Die Anlage der Löwen liegt nicht weit von den Eisbären entfernt und da sich der Löwenmann Jeptur lautstark bemerkbar machte, spazierten wir zu den Anlagen der Raubkatzen hinüber. Die Löwen bewohnen ein Gehege, das im Juni 2005 eröffnet wurde und den seltenen Asiatischen Löwen eine naturnahe Umgebung bietet. Jeptur, der 2003 im Dudley Zoo in England geboren wurde und Sita, die im Zoo in der Citadelle des Besançon im Jahr 2002 auf die Welt kam, belohnten den Zoo dafür mit den Zwillingen Kankai und Shirwane, die am 30. April 2008 geboren wurden. Die beiden schauten bei unserem Besuch neugierig ihren Eltern zu, wie diese eifrig dabei waren, dafür zu sorgen, dass es vielleicht bald weiteren Löwennachwuchs in Mulhouse geben wird.

Asiatischer Löwe im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Asiatischer Löwe im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

In europäischen Zoos leben 86 Asiatische Löwen und nur 28 europäische Zoos nehmen am EEP Programm für diese Tierart teil. In Gefangenschaft werden nicht viele Asiatische Löwen geboren, 2008 gab es nur 20 Geburten in ganz Europa, von denen nur 7 Jungtiere überlebt haben. Mittlerweile sind Kankai und Shirwane in den Zoo von Budapest gebracht worden.

In der Natur waren die Asiatischen Löwen fast schon ausgestorben, im Gir Reservat in Indien leben jetzt wieder über 300 Tiere und man will versuchen in einem zweiten Schutzgebiet Löwen anzusiedeln um das Überleben der Art in der freien Wildbahn zu sichern.

Asiatischer Löwe Sita im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Auch die Anlagen der anderen Raubkatzen im Zoo von Mulhouse sind sehr schön. Tiger, Schneeleoparden, Persische Leoparden und Amurleoparden und Tigerkatzen haben einen richtigen kleinen Dschungel, den sie durchstreifen könne. Ich weiß allerdings nicht, ob das Gehege der Amurleoparden nicht jedes Jahr wieder neu bepflanzt werden muss, denn die Raubkatzen arbeiteten kräftig daran, es nach ihren Vorstellungen umzugestalten, als wir vor dem Gehege standen.

Am 10. Dezember 2009 wurden drei männliche Amurleoparden im Mulhouse geboren. Die nun auch die Anlage bewohnen.

Amurleopard im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Persische Leoparden im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Sibirischer Tiger im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Schneeleopard im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Im Primatenhaus des Zoos wartete eine Überraschung auf uns. Eine Vollbartmeerkatze hat einen Tag vorher ein Jungtier geboren und wir konnten zuschauen, wie sie ihr Baby ordentlich putzte.

Vollbartmeerkatzen im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Der Zoo beherbergt zahlreiche Primatenarten u. a. Schopf- und Kappengibbons, Kapuzineraffen und zahlreiche Krallenäffchen, die wir mit großen Vergnügen beobachteten. Aber auch die Zebras, Esel, Antilopen und die vielen Vögel des Zoos haben uns viel Freude gemacht. Und wie in jedem Herbst setzen die farbenprächtigen Dahlien in den Blumenrabatten des Parks leuchtende Akzente.

Kappengibbon am Parc zoologique et botanique de Mulhouse Kaiserschnurrbarttamarin im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Dahlie im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Sitatunga im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Am Ende landeten wir natürlich wieder bei den Eisbären Tina und Juri, der Braunbärin Gilberte mit ihren lustigen Ohren.

Braunbär Gilbert im Zoo von Mulhouse

Als wir nach unserer Zoorunde ein zweites Mal vor dem Eisbärengehege standen, hatten sie sich die beiden Bären zwar etwas anders positioniert, schliefen aber immer noch. Doch dann schien Tina wach zu werden. Sie hob den Kopf, schaute interessiert zu uns herüber und stand auf. Sie kletterte langsam zum Wassergraben hinunter und schwamm ruhig ihre Bahnen zur Körperertüchtigung. Dabei schob sie das zahlreiche Spielzeug, das im Wasser schwamm immer wieder hin und her, ohne weiter Notiz davon zu nehmen.

Eisbärin Tina im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Eisbärin Tina im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Eisbärin Tina im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Eisbärin Tina im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Ich ging die Treppen hinunter um sie dabei auf Höhe der Wasserfläche beobachten zu können, obwohl die Scheiben der Bullaugen beschlagen waren, wodurch das Fotografieren schwierig war.

Eisbärin Tina im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Nach einiger Zeit entschied sich dann auch Jurij, dass es an der Zeit war die Glieder ein wenig zu strecken. Er schaute an der offenen Tür zum Innengehege nach, ob es dort etwas Interessantes gab. Vermutlich hatte er den Tierpfleger gehört, der im Innern des Gebäudes arbeitete. Als er feststellte, dass es noch nicht Zeit für die Fütterung war, die um 15:30 stattfinden sollte, legte er sich wieder hin. Dabei schien er extra für meine Kamera besonders attraktive Posen auszuprobieren.

Eisbär Jurij im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Eisbär Jurij im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Eisbär Jurij im Parc zoologique et botanique de Mulhouse Eisbär Jurij im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Mir haben die beiden Bären besonders gut gefallen. Auch wenn Tina einen dicken Knubbel auf der Nase hat, finde ich, dass sie ein besonders hübsches Gesicht hat. Den Knubbel hat sie übrigens schon lange, denn auch auf den Plakaten am Gehege ist er zu sehen.

Eisbärin Tina im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Und Jurij ist wirklich ein stattlicher Eisbär.

Eisbär Jurij im Parc zoologique et botanique de Mulhouse

Wir blieben eine ganze Zeit bei den Beiden stehen, wollten aber nicht bis zur Fütterung warten, weil wir noch bis Dijon fahren wollten. Auf dem Weg zurück zum Auto machten wir noch einem Umweg an der Löwenanlage, um uns auch von der netten Löwenfamilie zu verabschieden.

Die Informationen stammen von der Homepage des Zoo:

http://www.zoo-mulhouse.com/de/zoo/

Mehr Bilder von
Jurij, der aufsteht,
Jurij, der sich wieder hinlegt,
Tina und
den Ottern
den Löwen, Jeptur, Sita, Kankai und Shirkane,
den gärtnernden Amurleoparden,
den anderen Raubkatzen,
den Primaten
den Vögeln,
den anderen Vierbeinern und
den bunten Blumen

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