Zoo de la Palmyre

Bei unserem letzten Besuch im Zoo de la Palmyre 2005 hatte man versucht unser direkt vor dem Eingang des Zoos geparktes Wohnmobil aufzubrechen. Gott sei Dank war der Dieb wohl ein Anfänger, der keinen Erfolg hatte, aber wir mussten danach den ganzen restlichen Urlaub durch die Beifahrertür in das Auto einsteigen, weil man die Fahrertür nicht mehr aufschließen konnte, und zuhause gab es eine teure Reparaturrechnung. Deshalb hatten wir im September 2009 ein mulmiges Gefühl, als wir unser Auto auf einem der Parkplätze am Straßenrand gegenüber vom Eingang des Zoos abstellten.

Kubaflamingos im Zoo de La Palmyre

Kubaflamingos im Zoo de La Palmyre Kubaflamingos im Zoo de La Palmyre

Eigentlich gab es keinen Grund für das ungute Gefühl, denn wir machen schon seit über 25 Jahren Urlaub im Wohnmobil und waren oft in Frankreich und nur dieses eine Mal hat man versucht in unser Auto einzubrechen, trotzdem stopfte ich meine externe Festplatte, auf der die Urlaubsfotos abgespeichert waren, in meinen Kamerarucksack, denn das wäre für mich das Wertvollste gewesen, was man hätte stehlen können.

Eine angenehme Überraschung dagegen war an der Kasse der für einen französischen Zoo recht niedrigen Eintrittspreis von 15 Euro. Wir kauften die Eintrittskarten und einen Führer. Das Wetter, das am frühen Morgen noch recht diesig gewesen war, besserte sich auch. Also stand einem schönen Zoobesuch nichts im Wege.

Giraffen im Zoo de La Palmyre

Natürlich hatten wir die Absicht zielstrebig zur Eisbärenanlage zu gehen, doch bereits an der ersten Anlage hinter dem Eingang wurden wir gestoppt. Gleich drei Jungtiere liefen munter durch die Anlage der Giraffen. Da konnten wir natürlich nicht einfach vorbeigehen. Besonders hübsch sag es aus, als die drei Jungtiere, die am 27. April, 10 Mai und 23. Juli geboren wurden, nach Größe sortiert – die älteste vorne weg – hinter einer Erwachsenen her spazierten. (Natürlich hatte ich meine Kamera noch nicht aus dem Rucksack geholt, weshalb ich nur zwei der Jungtiere auf dem Foto einfangen konnte.)

Giraffe im Zoo de La Palmyre

Das erste Baby, das in diesem Jahr geboren wurde, ist besonders wertvoll für den Zoo, denn die Mutter des weiblichen Jungtiers, Evelien (13 Jahre alt), kam nur wenige Tage vor der Geburt vom Burgers Zoo in Arnheim in den Niederlanden nach La Palmyre. Sie ist wie der Vater der beiden anderen Babys eine reinrassige Rothschild-Giraffe, während die anderen drei erwachsenen weiblichen Tiere Hybrid-Giraffen sind. Langfristig ist es das Ziel des Zoos nur noch Tiere zu halten, die reinrassig einer Unterart der Giraffen angehören.

Giraffe im Zoo de La Palmyre

Trotzdem hat man sich in La Palmyre auch über die Geburt der beiden anderen Jungtiere sehr gefreut und stolz verkündet: „Aller Guten Dinge sind Drei“, als im August Baby Nummer Drei geboren wurde. Seine Mutter ist die 23 Jahre alte Sauterelle, was auf Deutsch „Heuschrecke“ bedeutet. Sie hat nun 7 Jungtiere im Zoo von La Palmyre geboren und aufgezogen. Das kleine Giraffenmädchen ist die 23. Giraffe, die in diesem Zoo zur Welt kam.

Giraffe im Zoo de La Palmyre

Der Zoo von La Palmyre ist nicht nur ein sehr schöner Zoo, dessen Besuch sich sehr lohnt, er hat auch eine sehr gute Internetseite mit vielen aktuellen Meldungen, ohne die ich das alles nicht erfahren hätte. Hier gibt es neben den Informationen auch Videos von der Ankunft Eveliens , den ersten Minuten mit ihrem Baby und der Geburt der jüngsten Giraffe des Zoos .

Giraffe im Zoo de La Palmyre

Kurzkrallenotter im Zoo de La Palmyre

Einen zweiten ungeplanten Stopp legten wir am Gehege der Kurzkrallenotter ein. Ich konnte einfach nicht an den munteren Gesellen vorbeigehen, auch wenn mein Mann leicht genervt zuschaute, wie ich begeistert die flinken Tiere zu fotografieren versuchte, weil er doch weiter zu den Eisbären wollte. Natürlich waren sie meist viel zu schnell für mich und das Tier, das ich ablichten wollte, war längst woanders, wenn ich es scharf gestellt hätte. Wir sind dann aber im Laufe des Tages noch ein paar Mal bei den geselligen Zwergottern, die auch in der freien Wildbahn in Familiengruppen von bis zwölf Tieren zusammen leben, vorbei gekommen und so hatte ich noch einige Gelegenheiten scharfe Fotos von ihnen zu schießen.

Kurzkrallenotter im Zoo de La Palmyre Kurzkrallenotter im Zoo de La Palmyre

Doch dann standen wir schließlich vor der Eisbärenanlage. Die Anlage wurde 1996 errichtet. Der Landteil besteht aus einer Betonplatte, auf der runde Naturfelsen eingegossen sind. Ein schmaler Steg ragt in das große Wasserbecken, mit einem Volumen 1000 m3, hinein. Durch dicke Glasscheiben hat man an der einen Seite Einblick in das Gehege und kann den Eisbären beim Schwimmen und Tauchen auch unter Wasser zuschauen. Wie in allen französischen Zoos ist das Wasser sehr sauber und man kann die Tiere im ganzen Becken beobachten. Der größte Teil der Oberfläche des Betons, der Steg und die Wände und der Boden des Beckens sind mit weißen Fliesen gekachelt, was der Anlage das Aussehen eines Luxusschwimmbades verleiht.

Eisbärenanlage im Zoo de La Palmyre

Die ersten Eisbären kamen 1976 in den Zoo de La Palmyre. Ein männliches und ein weibliches Tier, beide Wildfänge, die irgendwann im Winter 1974 geboren wurden. Ihre Namen haben wir nicht herausgefunden, im Zuchtbuch werden sie als „Les Math 1“ und „Les Math 2“ geführt. (La Palmyre gehört zur Gemeinde Les Mathes.) 1983 gab es den ersten Nachwuchs, der aber nicht überlebte. Am 12. Dezember 1986 wurde zwei Jungtiere geboren, einer davon – ein weibliches Tier, Signe überlebte. Sie ist der letzte Eisbär der seitdem in Frankreich geboren wurde und überlebt hat. Sie verbrachte ihr ganzes Leben im Zoo de La Palmyre und starb am 19. Januar 2004. Ihr Vater starb am 16. August 1988, ihre Mutter am 16. Okober 2002 in La Palmyre.

Eisbär Moni im Zoo de La Palmyre Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Heute leben hier Tania und Moni. Tania ist ein Wildfang, sie wurde im Winter 1994 in Kanada geboren und 1995 in der Nähe von Churchill eingefangen. Am 11. November 1995 kam sie nach La Palmyre. Ihr Partner war damals ein männlicher Eisbär, dessen Namen wir auch nicht kennen, er wird als Cop 21 geführt. Er wurde am 3. November 1988 in Kopenhagen geboren. Als er im Dezember 2005 verstarb, bemühte man sich um einen neuen männlichen Eisbären. So kam am 29. Juni 2006 Moni, der trotz seines für uns weiblich klingenden Namens ein gestandener Eisbärmann ist, aus dem Zoo von Warschau an die Atlantikküste. Geboren wurde er am 25.11.1986 in Rotterdam, sein Vater hieß Theo, seine Mutter Katrien. Mit knapp 14 Monaten kam am 22. Januar 1988 in den Zoo von Warschau.

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Als wir an der Eisbärenanlage ankamen, waren beide Tiere im Wasser. Tania schwamm ein paar Bahnen hin- und her und nutzte dann den gekachelten Steg als Eisbären-Catwalk, auf dem sie hin- und herlief.

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Nach einiger Zeit war dann das Trocknen ihres Fells dran. Dazu nutzte sie die runden Felsen, an denen sie sich schubberte und über die sie sich wälzte. Dabei machte sie Posen für die Kamera, die mit denen jedes Topmodells konkurrieren könnten. Tania ist eine wirklich schöne Eisbärin.

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Moni zeigte ein sehr ungewöhnliches Verhalten. Er „sprang“ direkt vor der Scheibe, durch die die Besucher die Bären unter Wasser beobachten können, ständig auf und ab. Er machte das die ganze Zeit während unseres Aufenthalts. Wir waren eine ganze Zeit im Zoo – knapp fünf Stunden – und haben immer wieder an der Eisbärenanlage vorbeigeschaut und wir haben nicht beobachten können, dass Moni eine Pause eingelegt hätte.

Eisbär Moni im Zoo de La Palmyre Eisbär Moni im Zoo de La Palmyre Eisbär Moni im Zoo de La Palmyre

Der Zoo liefert auf einer Tafel am Gehege eine Erklärung zu diesem stereotypen Verhalten. Es wird erklärt, dass der Eisbär dieses Verhalten schon im Zoo von Warschau entwickelt hat. Nachdem er in eine neue Umgebung nach Frankreich gebracht worden war, hatte er in den ersten Monaten seinen Tick nicht mehr gezeigt, auch da er durch Tania abgelenkt war. Doch nach einiger Zeit manifestierte sich die Stereotypie wieder. Er soll damit immer während der Mittagszeit beginnen. Bei unserem Besuch zeigte er aber die Stereotypie schon vor 10 Uhr am Vormittag.

Eisbär Moni im Zoo de La Palmyre

Um diesem Verhalten entgegenzuwirken, hat der Zoo einige Maßnahmen ergriffen. Die Eisbären haben verschieden Enrichments erhalten, so wurden sie mit lebendigen Fischen gefüttert, erhielten Bojen zum Spielen, in Eisblöcke eingefrorenes Futter und Äpfel. Doch während Tania sehr gut auf diese Angebote zum Spielen und Jagen reagierte, ließ sich Moni auf Dauer nicht von seinem „Tick“ abbringen. Man betont, dass es Zeit und Geduld braucht, um Moni zu helfen, das stereotype Verhalten nicht mehr oder seltener zu zeigen. Bei unserem Besuch gab es als Spielzeug für die Eisbären nur einen Plastikkanister und eine gelbe Boje. Beides wurde sowohl von Tania als auch von Moni ignoriert. Dass dies aber nicht immer so ist, zeigt ein Video von den Internetseiten des Zoos, wo man sehen kann, dass beide Eisbären auch viel Spaß zusammen im Wasser haben und miteinander spielen.

Wasserspiele von Moni und Tania

Eisbärenanlage im Zoo de La Palmyre

Eine zweite Tafel informierte die Zoobesucher darüber, dass es noch eine weitere Eisbärenanlage im Zoo de La Palmyre gibt. In diese wird der männliche Eisbär am Ende des Sommers gebracht, damit das weibliche Tier sich in Ruhe in ihr Winterquartier zurückziehen kann. Man hofft so, die Chancen auf Nachwuchs bei den Eisbären zu vergrößern. Dazu wird der Eisbär vom Tierarzt narkotisiert und dann mit einem Gabelstapler zu dem anderen Gehege transportiert. Mitte März findet die ganze Prozedur ein zweites Mal statt und der Eisbär kommt wieder zurück zu seiner Partnerin, um sie zu decken. Ein Video von dem Transport im März kann man auch auf den Interseiten des Zoos finden. Und ein Foto vom „Ausweichquartier“ Monis habe ich auch gefunden.

Eisbär Moni im Zoo de La Palmyre

Die Eisbärenanlage und diese Praxis, die Bären zu trennen, die eine zweimalige Narkose des männlichen Eisbären nötig macht, sind sicher eher suboptimal. Dass auch Tania lieber Naturboden und die Möglichkeit zum Buddeln hätte, konnten wir beobachten. Sie scharrte, bevor sie sich oben auf einem der Felsblöcke hinlegte, über den Stein, als ob sie sich eine Kuhle zum Schlafen graben wollte.

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Am Ende fand sie dann einen Schlafplatz in einer Ecke der Anlage, wo sie fest in der Sonne schlief.

Eisbärin Tania im Zoo de La Palmyre

Nicht weit von der Eisbärenanlage sind die Löwen zuhause. Ein Löwenmann und zwei Löwinnen dösten in der Sonne, als wir vor der großen Glasscheibe standen, durch die Zoobesucher einen guten Einblick in das Gehege haben. Dann aber hatte eine der Löwinnen Lust auf ein bisschen Sex, sie wälzte sich vor dem Löwenmann hin und her, der sich auch nicht lange bitten ließ und zur Tat schritt. Doch nach der Aktion war dann ganz schnell vorbei und es war wieder Ruhe angesagt. Löwen sind halt die Faulpelze der Tierwelt.

Löwe im Zoo de La Palmyre Löwe im Zoo de La Palmyre

Löwe im Zoo de La Palmyre Löwe im Zoo de La Palmyre

Auch die Tiger und Jaguare des Zoos haben schöne Anlagen, in die man durch große Glasscheiben hineinschauen und, wenn man Glück hat und die Tiere nicht gerade schlafen, ihnen Auge in Auge begegnen kann.

Tiger im Zoo de La Palmyre

Jaguar im Zoo de La Palmyre

Außerdem gibt es Luchse, Schneeleoparden und wunderschöne Sri-Lanka-Leoparden zu sehen. Zumindest die beiden Leoparden waren aktiv und wechselten zwischen Innen und Außengehege.

Sri-Lanka-Leopard im Zoo de La Palmyre

Besonders erfolgreich ist der Zoo de la Palmyre bei der Zucht der Geparden. Seit Anfang 1990 er Jahre wurden hier 51 Geparden geboren, 2008 erblickten 15 Jungtiere innerhalb von 3 Monaten das Licht der Welt, 2009 waren es 7 Jungtiere. Vier halbwüchsigen Geparden konnten wir bei unserem Besuch, beim Spielen zuschauen.

Geparden im Zoo de La Palmyre

Leider ließ sich die Mutter mit denen im Juli 2009 geboren Tieren nicht sehen. Aber es gibt ein Video von ihr mit den Jungen und auch eines von dem jüngsten Geparden Nachwuchs aus dem November 2009 auf den Internetseiten des Zoos.

Geparden im Zoo de La Palmyre

Bei unserem Rundgang durch den Zoo stießen wir immer wieder auf Informationstafeln, die an die Geschichte des Zoos erinnern und eine Tafel zeigt auch, dass es hier von Beginn an junge Geparden zu bewundern gab.

Gepard im Zoo de La Palmyre

Der Zoo von La Palmyre wurde 1966 von Claude Caillé gegründet, der 1931 nicht weit weg von La Palmyre in Rochefort-sur-Mer geboren wurde. Er stammt aus einer ganz normalen, nicht sehr wohlhabenden Familie, sein Vater war ein Zeitungsverkäufer. Mit 14 Jahren begann Claude bei seinem Vater zu arbeiten.

Fotos: © Zoo de La Palmyre, http://fr.wikipedia.org/wiki/Claude_Caill%C3%A9

Als er mit über zwanzig Jahren sich in Irène, seine zukünftige Frau, verliebte, entdeckte er auch die Liebe zu den Tieren. Irenes Bruder hatte einen kleinen Zoo in Croustille in der Nähe von Limoges. Dort halfen Irene und ihr Mann oft bei der Arbeit und für Claude Caillé gab es bald nur noch einen Traum, er wollte auch einen Zoo eröffnen. Und diesen verfolgte er konsequent, er lieh sich Bücher, vertiefte sich in sie und absolvierte ein Studium der Zoologie.

Trauerschwan im Zoo de La Palmyre

1957 begannen Irène und er mit einer Art „Reise-Zoo“ durch ganz Frankreich zu fahren, dabei begleiteten sie auch ihre beiden Kinder Patrick und Bruno. Sie besuchten Schulen und bildeten eine lebendige, anschauliche Ergänzung für den Biologie Unterricht. Sie hatten einen Lastwagen, in dem sie die Tiere transportierten und an den der Wohnwagen angehängt war, in dem sie lebten.

Wolf im Zoo de la Palmyre

In den 1960 er Jahren ging Claude nach Afrika, um dort Tiere zu fangen. Er glaubte, er könne seinen Traum finanzieren, indem er einen Teil der Tiere, die er eingefangen hatte, an Europäische Zoos verkaufte. Er ging nach Kamerun, lebte eine Zeit bei den Pygmäen und brachte Schimpansen und Gorillas mit zurück nach Frankreich. Ein Jahr später wollte er in Kenia Tiere für seinen zukünftigen Zoo zu einfangen, doch diesmal ging seine Unternehmung schief. Weil er nicht genug Geld hatte, die Abgaben und den Transport für die in Kenia gefangen Zebras, Giraffen und Antilopen zu bezahlen, musste er die Tiere bei einheimischen Kikuyu zurücklassen, um nach Frankreich zurückzukehren. Als er drei Monate später mit dem notwendigen Geld, das er sich geliehen hatte, wieder in Kenia war, waren die Tiere, die er ihnen anvertraut hatte, verschwunden, die Kikuyu hatten sie getötet.

Spießbock im Zoo de La Palmyre Grevyzebra im Zoo de La Palmyre

Doch er gab nicht auf, aber erst einmal mussten die Schulden zurückgezahlt und neues Geld angespart werden. Nachdem er weitere drei Jahre mit seinem Schulzoo durch Frankreich gereist war, startete er einen zweiten Versuch in Afrika und diesmal war er erfolgreich. Mit der Unterstützung von Carr-Hartley, der für Zoos überall in der Welt Tiere fing und ankaufte, sammelte er eine ganze Schar exotischer Tiere in Kenia, die er dieses Mal auch nach Frankreich mitnahm.

Rotes Riesenkänguru im Zoo de La Palmyre

In La Palmyre, im Herzen eines See-Kiefernwaldes fand er den richtigen Platz für seinen Zoo. Er musste weitere Schulden machen, um Land zu kaufen und Firmen finden, die bereit waren, die Gebäude und Tieranlagen zu errichten, und sich mit der Bezahlung der Rechnungen am Ende der Sommer Saison zufrieden gaben. Einen großen Teil der Baumaßnahmen übernahmen er uns seine Frau. Im Juni 1966 war es dann so weit, der Zoo von La Palmyre öffnete seine Tore. Auf 3 Hektar konnten die Besucher 160 exotische Tiere bewundern. Ende August konnte der Park bereits 129 500 Besucher verzeichnen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Claude und Irene Caillé ein Stein vom Herzen gefallen ist, ihr Abenteuer war ein Erfolg.

Nashornvogel  im Zoo de La Palmyre

Bei dem Zoo-Abenteuer waren Beruf und Familie eng vermischt. Die Eltern, Claude und Irène, widmeten ihr Leben ganz den Tieren und der Alltag der ganzen Familie wurde von deren Bedürfnissen bestimmt. Ihre Tage begannen früh und endeten spät. Damals hatte man noch nicht soviel Erfahrung mit der Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft und viele Tiermütter kümmerten sich nicht um ihren Nachwuchs. So war die Anzahl der Tierbabys von Schimpansen, Geparden, Löwen und anderen Tieren groß, die von Irène mit der Flasche im Haus der Familie groß gezogen werden mussten. Patrick und Bruno schliefen mit Geparden Jungen, badeten mit Ottern und begannen früh ihren Eltern zu helfen.

Impala  im Zoo de La Palmyre

1976 entging der Zoo gerade noch einmal einer Katastrophe. Viele Tiere mussten evakuiert werden, als ein Brand im Forêt de la Coubre ausgebrochen war, aber wie durch ein Wunder kam das Feuer nur wenige hundert Meter vor dem Zoo zum Stillstand.

Asiatischer Elefant im Zoo de La Palmyre

Jahr für Jahr vergrößerten sich Zoo und Tierbestand, die Tieranlagen wurden modernisiert und den Bedürfnissen der Tiere angepasst. Der Zoo wurde immer schöner. Heute leben 1600 Tiere aus rund 130 verschiedenen Arten auf einer Fläche von 18 ha. 2009 ist eine neue Menschenaffenanlage eröffnet worden, wodurch sich der Zoo um vier Hektar vergrößert hat. Im Laufe der Zeit ist er einer der meist besuchten Privat-Zoos in Frankreichs geworden mit fast 800.000 Besuchern pro Jahr und einer der renommiertesten in Europa. In den über vierzig Jahren seines Bestehens ist er immer ein Familienbetrieb geblieben. Seit sich Claude Caillé 2005 zurückgezogen hat, hat sein Sohn Patrick Caillé die Leitung des Zoos übernommen.

Roter Panda im Zoo de La Palmyre

Bei unserem Besuch stand an vielen Gehegen „Babys nées le …“ „Jungtiere geboren am …“ So konnten wir junge Fenneks bewundern und uns an einem kleinen Chapman-Zebra erfreuen, die im Sommer geboren wurden. Wobei die kleinen Wüstenfüchse zeitweise so schnell durch das Gehege wieselten, dass sie eine wahre Herausforderung an die Hobbyfotografen stellten.

Fennek im Zoo de La Palmyre "Fennec Fox"

Chapman-Zebra  im Zoo de La Palmyre

Ein besonderer Schwerpunkt im Zoo von La Palmyre ist die Zucht von Primaten. Das reicht von ganz kleinen Affen, wie den Goldenen Löwenäffchen, die im südöstlichen Brasilien zuhause sind, bis hin zu den großen Menschenaffen. Ein Exemplar der kleinen brasilianischen Krallenaffen interessierte sich besonders meinen Mann, als er es fotografieren wollte.

Goldenes Löwenäffchen im Zoo de La Palmyre

Ohne die Bemühungen der Zoos wären die Goldenen Löwenäffchen vermutlich bereits ausgestorben. Ihr Lebensraum in den letzten Waldinseln im Regenwald Brasiliens ist einer der bedrohtesten der Erde. Hier gab es einmal 100 Millionen Hektar Wald. Davon sind nur noch 7 Prozent erhalten. Die übrig gebliebenen Waldstücke wurden zudem durch Siedlungen und landwirtschaftlich genutzte Flächen von einander isoliert. Der WWF hat dafür gesorgt, dass dazwischen Korridore, Streifen aus angepflanzten Bäumen, errichtet wurden, damit die Tiere sich wieder von Waldinsel zu Waldinsel bewegen können, um einen passenden Partner zu finden.

Goldenes Löwenäffchen im Zoo de La Palmyre

Der WWF arbeitet seit über 30 Jahren eng mit verschiedenen Naturschutzorganisationen zusammen, um den Bestand der Tiere zu sichern, deren Zahl 1983 auf nur 250 Tiere weltweit gesunken war. Dazu muss er nach Meinung von Experten mindestens 2000 Tiere umfassen. Diese Zahl soll 2025 erreicht sein und bis dahin soll sich die Fläche, auf der die Äffchen geschützt leben können, verdoppelt haben. 2001 konnte man sich über die Geburt des 1000. Äffchens im Naturreservat „Poca das Antas“ in Brasilien freuen, hier lebt der größte Teil der Population, der Goldenen Löwenäffchen. Großen Anteil am Erfolg haben die Zuchtprogramme vieler Zoos. So wurden Goldene Löwenäffchen u. a. aus den Zoos von London, Frankfurt und Köln erfolgreich wieder in ihrer ursprünglichen Heimat angesiedelt. Auch der Zoo in La Palmyre beteiligt sich an diesem Programm und an ähnlichen Programmen für andere, genauso gefährdete Krallenaffenarten. Seit 1999 gibt es wieder so viele frei lebende Goldene Löwenäffchen, dass keine Tiere mehr ausgewildert werden müssen. Etwa die Hälfte der wildlebenden Tiere sind Nachkommen von Tieren, die in Zoos geboren wurden.

Tamarin im Zoo de La Palmyre Goldkopflöwenäffchen im Zoo de La Palmyre

Auch die Gelbbrust-Kapuziner leben in Brasilien und gehören zu den am stärksten bedrohten Primatenarten. So hat man sich in La Palmyre sehr über den Nachwuchs gefreut, der im Juni geboren wurde und der nun von der Mama durch das Gehege getragen wird. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht Mutter und Kind zuzuschauen. Ich mag die Affen mit ihren Lausbubengesichtern besonders gerne.

Gelbbrust-Kapuziner im Zoo de La Palmyre

Die Totenkopfäffchen balgten sich munter, während die Kattas ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgingen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen ließen.

Totenkopfäffchen im Zoo de La Palmyre Totenkopfäffchen im Zoo de La Palmyre

Kattas im Zoo de La Palmyre Kattas im Zoo de La Palmyre

Die Menschenaffenarten haben seit Frühjahr 2009 im vier Hektar großen Erweiterungsgelände des Zoos ihr Zuhause. Zweieinhalb Jahre dauerte es die neue großzügige Anlage für die Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen des Zoos zu errichten. Auf vier Inseln vor dem Menschenaffenhaus befinden sich die Außengehege. Auf der ersten Insel leben anders als auf dem ursprünglichen Plan die Schimpansen, die mit den Orang-Utans den Platz getauscht haben, deren Insel nun zwischen den beiden Inseln der Gorillas liegt. Jede Insel ist ungefähr 1000 m2 groß. Das Menschenaffenhaus verfügt über eine Fläche von 2.400 m2, es ist in vier Gehege eingeteilt, in dem sich die Tiere in der Nacht und während des Winters aufhalten können. Zwischen den Inseln rauschen Wasserfälle herunter und viele phantasievolle Elemente schaffen eine exotische Atmosphäre.

Menschenaffenanlage des Zoos de la Palmyre Menschenaffenanlage des Zoos de la Palmyre

Menschenaffenanlage des Zoos de la Palmyre Menschenaffenanlage des Zoos de la Palmyre

Als erste durften die Schimpansen in die neue Anlage einziehen. Dazu wurden die acht erwachsenen Tiere betäubt, während die jüngste Bewohnerin, die am 10. Juli 2007 geborene Kellé, in einer Transportbox hellwach in ihr neues Heim getragen wurde. Wir haben eine ganze Zeit die kleine Kellé und ihre Familie beobachtet, die sich in ihrem neuen Reich offensichtlich sehr wohl fühlen.

Schimpanse im Zoo de La Palmyre

Schimpanse Kellé im Zoo de La Palmyre

Auch die Gorillas des Zoos haben sich schnell in ihrem neuen Zuhause eingelebt. Am 25 Juni 2009 bekam die Gorilla Gruppe auf der letzten Insel ein neues Mitglied. Das Weibchen Yola, die im Jahr 1992 im Berliner Zoo geboren wurde und 1999 in den Zoo de La Palmyre kam, brachte ihr erstes Baby zur Welt, ein männliches Tier, das den Namen Bangui erhielt. Er lebte vom ersten Tag an in der Gorilla Gruppe und ist gut in sie integriert.
Die Mutter Yola hat eine ungewöhnliche Geschichte. Ihre eigene Mutter M’Penzi vernachlässigte sie kurz nach der Geburt und es war ihre Großmutter Dufte, die zu dieser Zeit eigenen Nachwuchs hatte, die sich ihrer annahm und sie großzog. So bekam Yola ihre Muttermilch direkt neben ihrem eigenen Onkel Bobo.
Banguis Vater heißt Bongo und wurde 1990 in La Palmyre geboren. Er ist auch der Vater von Monza, der mittlerweile in der Wilhelma in Stuttgart lebt. Anders als bei dem kleinen Bangui, hatte sich Bongo seinem Sohn Monza gegenüber aggressiv verhalten und ihn verletzt. Er hatte ein Hüftluxation und musste von seiner Mutter getrennt werden und 6 Wochen mit einer Schiene am Bein behandelt werden. Nach der Behandlung brachte man ihn in die Aufzuchtstation nach Stuttgart.
Yola hielt sich die ganze Zeit während wir uns die Menschenaffenanlage anschauten in einer Hütte auf der Gorilla Insel auf, wo man sie zwar mit ihrem Baby sehen aber leider nicht fotografieren konnte und auch die anderen Mitglieder der insgesamt vier Tiere umfassenden Gorillagruppe nutzten lieber die Rückzugsmöglichkeiten, die die Anlage bietet, statt sich zu zeigen. Es gibt aber auch von Yola und Bangui ein Video.

Gorilla im Zoo de La Palmyre

Auf der anderen Gorilla Insel leben die Silberrücken Mike und N’Yuki, beide wurden 1989 im Zoo von La Palmyre geboren. Beide sind Handaufzuchten, die ihr ganzes Leben im La Palmyre verbracht haben. Einer der Beiden hatte Durst und trank an dem Wasserlauf, der sich auf ihrer Insel befindet. Nachdem er seinen Durst gestillt hatte, verzog er sich aber auch wieder.

Orang-Utan im Zoo de La Palmyre

Da waren zwei der vier Orang-Utans des Zoos schon geselliger. Zuerst schlief das Männchen, das im Kölner Zoo geboren wurde und seit 2003 in La Palmyre lebt, oben auf der Plattform des Klettergerüstes ihrer Insel, doch dann schaute er zusammen mit einer seiner Frauen interessiert zu den Zoobesuchern hinüber. Zwei der drei Weibchen leben seit 1978 hier, das Älteste, Lotus, ist 33 Jahre alt und wurde in Twycross in England geboren, sie kam zusammen mit der ein Jahr jüngeren Tiba nach Frankreich. Am 16. März 1991 gebar Lotus Molly, die auch in La Palmyre lebt.

Ein Video von der Homepage des Zoos vermittelt einen guten Eindruck von der äußerst schön gestalteten Anlage.

Die Menschenaffenanlage

Nach rund fünf Stunden Zoobesuch wurde es dann Zeit uns von dem Zoo de La Palmyre zu verabschieden. Schließlich wollten wir noch ein Stück die Küste entlang nach Norden fahren. Am Schluss unseres Rundganges ging es – natürlich nach einer weiteren Stippvisite bei den Eisbären – noch vorbei an den farbenfrohen Papageien, bevor wir in unser Auto kletterten, das wir unbeschädigt auf seinem Parkplatz vorfanden.

Hellrote Aras im Zoo de La Palmyre

Wer glaubt im Südwesten Frankreichs gebe es keinen Winter, den wird ein Video aus dem Januar 2010 eines Besseren belehren.

Wer sehen möchte, wie es Moni in Warschau ging, hier ist ein Video von der Eisbärenanlage in WarschauDieser Zoo hat die Eisbärenhaltung aufgeben.

Ein Teil der Informationen stammt aus dem Zooführer des Zoos de La Palmyre, der Rest

von der Homepage des Zoos,

und:
aus der Wikipedia,
von Les Zoos Dans Les Monde
aus dem Wikipedia Eintrag zu Claude Caillé

Es gibt eine Fan Seite über den Zoo

Die Informationen über die Löwenkopfäffchen habe ich hier gefunden:
Aus der Zeitschrift Gorilla der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, 2005
Aus dem Artikel
Überleben im Regenwald des WWF

Und hier sind mehr Bilder von

von den Giraffen und den Kurzkrallenottern,

von der Eisbärenanlage, von Moni und der hübschen Tania: beim Schwimmen, beim Posen und beim Schlafen

den Löwen, den den Geparden und den den anderen Raubkatzen des Zoos,
den kleinen Raubtieren, den kleinen Affen und den
Menschenaffen in ihrer neuen Anlage
und den Aras und den restlichen Tieren aus dem Zoo von La Palmyre.

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Eine Antwort zu “Zoo de la Palmyre

  1. Hallo Ulli,

    auch das sind wieder ein ganz wunderbarer Bericht und ganz, ganz tolle Fotos. Wenn ich bei Dir eintauche, so ist es wie im Märchenwunderland.Man öffnet eine Seite und gelangt dann weiter und weiter.Es wird nie langweilig.
    Ich freue mich sehr, dass die Eisbären in den Genuss von Schnee gekommen sind.
    Die Otter finde ich auch total putzig. Schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast, sie zu fotografieren.
    Ach, ich freue mich jedesmal, wenn ich bei Euch stöbern gehe.
    Vielen Dank, Brigitte

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