Zoo d’Amnéville

Es war der zweite Tag unseres Herbsturlaubs 2009 und sein sonniger Samstag im September. Wir waren recht früh unterwegs, denn schließlich wartete ein Zoo mit zwei Eisbären auf uns, und wir wollten in Amnéville angekommen, bevor es dort zu voll wurde. Außerdem wollten wir bei McDonald frühstücken, weil wir am Vortag über das Packen, die Fahrt nach und Besichtigung von Metz, versäumt hatten, unsere Vorräte zu vervollständigen. So hatten wir nur Schwarzbrot und Marmelade dabei und die Kombination schien uns wenig verlockend. Aber auch da hatten wir Pech, denn das Frühstück gab es erst um halb zehn und da wollten wir im Zoo sein. Also standen wir bald mit leeren Magen an der Kasse des Zoos d’Amnéville und, wenn wir nicht vor zwei Jahren schon einmal dort gewesen werden, hätte das leicht dazu führen können, dass uns bei den Eintrittspreis schlecht geworden wäre, denn mit 25 € pro Person ist Amnéville der teuerste Zoo, den wir in Frankreich besucht haben.

Roter Panda im Zoo d'Amnéville

Nun muss man aber wissen, dass der Zoo d’Amnéville wie die meisten französischen Zoo eine private Einrichtung ist, die keine öffentlichen Zuschüsse erhält und sich hauptsächlich über die Eintrittspreise finanziert. Das erklärt, warum man in Frankreich in fast allen Zoos einen höheren Eintrittspreis als in Deutschland bezahlen muss.
Wir wollten natürlich sofort zu der Eisbärenanlage und blieben an den meisten Gehegen auf dem Weg dorthin nur kurz stehen. Doch so ganz ohne ab und zu stehen zu bleiben, kamen wir dann doch nicht vorwärts. Einer der Javaneraffen flirtete mit den Zoobesuchern, die an seinem Gehege stehen blieben, obwohl im Gehege noch Futter verstreut lag und die anderen Affen eifrig danach suchten. Die Braunbären ein Stück weiter schienen noch nicht ganz wach zu sein. Eines der beiden Tiere hatte sich gemütlich hin gelegt und schaute interessiert zu uns hinüber. Der andere Bär machte gerade seine Morgengymnastik, er reckte und streckte sich und spazierte ein paar Schritte durch sein Gehege.

Javaneraffe im Zoo d'Amnéville Braunbär im Zoo d'Amnéville

Doch für die beiden Eisbären des Zoos waren wir wohl etwas zu früh da. Wir konnten uns erst einmal nur ein leeres Eisbärengehege anschauen. Das uns aber recht gut gefiel. Es ist recht groß und bietet den Tieren viel Abwechslung mit unterschiedlichen Böden, einer Baumgruppe in der Mitte des Geheges, die teilweise durch einen niedrigen Elektrozaun vor den Bären geschützt ist. Sie sorgt dafür, dass die Bären Rückzugsmöglichkeiten vor den Blicken der Besucher und Schatten haben.

Eisbärenanlage im Zoo d'Amnéville

Die Zoobesucher können durch eine 26 m lange Glasfront auf die Anlage und das große Wasserbecken mit 800.000 l Wasser blicken und zuschauen wie die Eisbären tauchen. (Wenn diese denn Lust dazu haben.) Auf der anderen Seite des Geheges gibt es noch zwei weitere Fenster, durch die man Einblick von oben auf die leicht geneigte Anlage erhält. Aber auch dort konnten wir keinen Eisbären entdecken. Wir setzten unsere Hoffnung auf die Fütterung um 13:15 und schauten uns erst einmal den Zoo an.

Polarwölfe im Zoo d'Amnéville

Gegenüber auf der anderen Seite des Weges lag die Anlage der Polarwölfe, die dem besonders schönen und recht großen Rudel viel Platz und auch jede Menge Abwechslung bietet. Auch hier gibt es Einblicksmöglichkeiten durch große Scheiben von allen Seiten des Geheges. Trotzdem haben die Tiere auch Rückzugsmöglichkeiten, wenn sie sich den Blicken der Zoobesucher entziehen wollen.

Polarwölfe im Zoo d'Amnéville Polarwölfe im Zoo d'Amnéville

Der Zoo d’Amnéville wurde am 28. Juni 1986 eröffnet. Er hatte damals eine Fläche von 7 ha mit etwa 300 Tieren. Im Laufe der Zeit wurde er mehrfach erweitert und auch die Anzahl der Tiere, die im Zoo leben vergrößerte sich. Heute umfasst der Park eine Fläche von 16 ha, auf der rund 2000 Tiere aus 320 Arten leben.

Präriehund im Zoo d'Amnéville

Die Präriehunde hatten gerade ihr Frühstück bekommen, als wir an ihrem Gehege vorbeikamen und verspeisten das gemütlich. Auch sie haben eine schöne, großzügige Anlage, in der sie ihre Gänge buddeln können. Nachdem wir ihnen eine Zeit dabei zugeschaut hatten, holten auch wir unser verpasstes Frühstück an einem der vielen kleinen Imbissstände nach, die man überall im Zoo findet, bevor wir unsere Zoosafari fortsetzten. Dann ging es vorbei an der Anlage mit den Kleinen Pandas und Gehegen mit Lamas, die die Zoobesuchern um Futter anbettelten.

Pelikan im Zoo d'Amnéville Lama im Zoo d'Amnéville

Besonders gut haben uns die Anlagen der Waschbären und Fischotter gefallen, in denen sich aber leider keiner der Bewohner sehen ließ. Auch die Jaguaranlage, die wie ein richtiger Dschungel gestaltet ist und in die man von verschiedenen Seiten Einblick erhält, ist gut gelungen. Allerdings schliefen ihre Bewohner an einer Stelle im Schatten unter Bäumen, wo man sie nicht fotografieren konnte. Eine Anlage mit Wasserschildkröten, die man durch eine Scheibe beim Schwimmen und Tauchen beobachten konnte, zog unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir blieben eine ganze Zeit stehen. Durch die Spiegelungen im Wasser entstanden besonders schöne Motive von „doppelten“ Schildkröten für die Kamera.

Schildkröte im Zoo d'Amnéville

Die letzte Neuheit des Zoos war eine Anlage mit weißen Tigern und große Volieren mit Raubvögeln. Man kann 300 Raubvögel aus 60 verschiedenen Arten bewundern. Es gibt auch eine Flugshow, die wir uns aber nicht angeschaut haben. Sie findet in einem eigens dafür geschaffenen Stadion statt. Dabei werden die Raubvögel von der Hand des Falkners hoch zu Ross gestartet.

Weißer Tiger im Zoo d'Amnéville Kaiseradler im Zoo d'Amnéville

Ein besonderes Highlight ist der Orang-Utan Dschungel, eine Tieranlage, die etwa einen Hektar umfasst und auf der neben den sanften Waldmenschen, die ihr Gehege mit Kurzkrallenottern teilen, Siamangs ein schönes Gehege bewohnen. Die Anlage wurde 2007 eingeweiht. Bei unserem Besuch waren allerdings keine Otter zu sehen, weil diese gerade erst Nachwuchs bekommen hatten und sich um den in ihrer Innenanlage kümmerten. Wir hatten sie bei unserem letzten Besuch schon gesehen und ich hatte mich besonders darauf gefreut den Orang-Utans zuschauen zu können. Genau davor liegt ein Restaurant und man kann sich an Tische mit Blick auf die Anlage hinsetzen und etwas essen oder trinken. Da wir schon eine ganze Zeit durch den Zoo gelaufen waren, nutzten wir die Gelegenheit und gönnten uns eine Tasse Kaffee und schauten den Kletterkünsten eines jungen Orang-Utans zu.

Orang-Utan im Zoo d'Amnéville

Orang-Utan im Zoo d'Amnéville Orang-Utan im Zoo d'Amnéville

Nach der Pause gingen wir rund um die Anlage, staunten über die akrobatischen Kletterkünste der Siamangs, die sie ganz oben in ihren Kletterbäumen vorführten Man kann auch in die Innengehege der Affen hineinschauen. Die Menschenaffen haben auch drinnen viel Platz und jede Menge Klettermöglichkeiten. Im Außengehege spielte ein fast erwachsener Orang-Utan mit dem Jungtier, dem wir schon zu Beginn beim Schaukeln zu geschaut hatten. Die beiden wetteiferten darum, wer als erster mit dem Kopf nach unten hängend ein Plastik Rohr ergattern konnte.

Karakal im Zoo d'Amnéville

Langsam wurde es Zeit zu den Eisbären zurückzugehen, denn zu ihrer Fütterung sammeln sich eine ganze Menge Zuschauer vor dem Gehege. Natürlich fiel es mir schwer so einfach an den Gehegen der anderen Tiere vorbeizulaufen. Wir mussten kurz bei den Nasenbären und den Karakals anhalten, die nun munteren Braunbären und die immer noch schlafenden Tüpfelhyänen bewundern.

So hatten wir Glück, dass wir an der Eisbärenanlage noch einen guten Platz direkt an der Scheibe bekamen. Es ließ sich immer noch kein Eisbär sehen, auch nicht, als die Tierpflegerin mit einem Eimer voller kleiner Fische vor der Scheibe stand und den Zoobesuchern, die auf den Bankreihen der Zuschauertribüne saßen oder wie wir am Rand des Geheges an der Scheibe standen, etwas über die Biologie der Eisbären, ihren Lebensraum und die Bedrohung durch den Klimawandel erzählte. Natürlich sollte zur Veranschaulichung ihrer Erklärungen nun auch ein lebendiges Exemplar auftauchen. Also rief sie Olaf und Tromsö und warf schon einmal einen Fisch über die Scheibe. Doch zunächst blieb das Gehege weiterhin leer. Erst nachdem sie fast zehn Minuten geredet hatte, erbarmte sich einer der beiden Eisbären – wie wir später von der Tierpflegerin erfuhren, war es Olaf – und erschien unter den Bäumen vor dem Eingang zum Innengehege.

Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville

Er schien sich erst vergewissern zu wollen, ob auch genug Zuschauer erschienen waren, um ihn zu bewundern. Er blieb eine ganze Zeit stehen und legte dann einen bühnenreifen Auftritt hin. Er schritt langsam die unregelmäßigen Stufen der Treppe aus künstlichen Felsen hinunter zum Wasserbecken, erledigte auf dem Weg nach unten noch ein dringenden Geschäft, an einer Stelle, die man von der Tribüne aus nicht gut einsehen konnte, stellte sich auf eine Felsenplattform am Wasser, steckte nur den Kopf ins Wasser und holte sich den Fisch heraus und verspeiste ihn langsam.

Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville

Dann schaute er sein Publikum an, als ob er um Beifall bitten würde und dann zu der Tierpflegerin hinüber, die ihm den nächsten Fisch zuwarf. Der landete direkt hinter der Scheibe und Olaf hätte jetzt ganz ins Wasser gemusst, um ihn sich holen zu können, aber so schnell lässt sich ein wahrer Showstar nicht ins Nass locken.

Schließlich war Olaf genau wie sein Kumpel Tromsö einmal ein gefeierter Zirkusstar, der überall auf der Welt aufgetreten ist. Sie gehörten zu der Eisbärennummer von Ursula Böttcher. Als 1999 der Rechtnachfolger des DDR Staatszirkus, die Berliner Circus Union, abgewickelt wurde, kamen sie in das damals gerade fertig gestellte Eisbärengehege in Amnéville. Erst nach einigen weiteren Fischen ließ er sich dazu herab, langsam ins Wasser zu gleiten. Er ist ja auch kein junger Hüpfer mehr, sondern ein gestandener Eisbär von 21 Jahren.

Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville

Jetzt zeigte er aber wie elegant ein Eisbär tauchen und schwimmen kann. Er hat ziemlich gute „Tischmanieren“, denn er verschlang die kleinen Fische keineswegs am Stück, sondern hielt sie manierlich zwischen den Vordertatzen und verspeiste sie langsam und genüsslich.

Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville

Tromsö ließ sich erst einmal nicht sehen. Nach der Fütterung konnte ich mit der Tierpflegerin sprechen. Sie erzählte mir, dass Olaf sich vor allem für das Futter interessiere, Tromsö aber mehr Spaß am Spielzeug habe, er aber meist erst zur letzten Fütterung um 17:30 erscheine. Wir befürchteten schon viel länger im Zoo bleiben zu müssen, als wir eigentlich geplant hatten und beobachteten zunächst Olaf, wie er sich im Wasser liegend entspannte und ein Spitzenmotiv für die Kamera bot.

Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville

Da entdeckten wir oben vor dem Haus mit den Innengehegen einen Fleck an – oder eigentlich richtiger vor – der Wand, der sich bewegte. Ein Bär oder eine Täuschung? Aber der Fleck wurde größer, wir liefen auf die andere Seite des Geheges, konnten dort aber nur Tromsö von hinten bewundern, der sich gerade dazu entschlossen hatte, auch hinunter zur Scheibe zukommen. Also eilten wir wieder zurück zur anderen Seite der Anlage.

Eisbär Tromsö im Zoo d'Amnéville

Tromsö hatte allerdings keine Lust auf Aktion, er suchte sich nur einen neuen Schlafplatz vor der Scheibe. Aber ich war schon froh, dass ich von beiden Eisbären Fotos machen konnte und in der Lage war, sie eindeutig zu unterscheiden. Tromsö schaute ein paar Mal müde zu uns herüber, suchte sich nach der richtigen Schlafposition und, als er sie gefunden hatte, machte er die Augen zu und schlief ein.

Eisbär Tromsö im Zoo d'Amnéville

Wir beobachteten die Beiden noch einige Zeit, bevor wir weiter zur Afrikasavanne des Zoos gingen. Vorbei an der Flusspferdanlage folgten wir dem Weg über eine Brücke zur Anlage der Afrikanischen Elefanten. Drei Elefantenkühe und ein –bulle leben in einer gut strukturierten, aber nicht sehr großen Anlage. Katarina und Wanda sind beide etwa 40 Jahre alt und wurden in der Wildnis geboren. Auch das dritte weibliche Tier stammt aus der Wildnis in Südafrika, Goni ist etwa 16 Jahre alt. Sie kam am 4. März 2004 von Osnabrück nach Amnéville. Der Bulle Niko wurde am 3. Juni 1997 im Ramat Gan Zoo in Israel geboren. Er lebt seit November 2001 in Lothringen.

Afrikanischer Elefant im Zoo d'Amnéville

Neben Afrikanischen Elefanten gibt es hier Breitmaulnashörner, Zebras, Giraffen, Strauße. Kronenkraniche und Antilopen zu sehen. Im Elefantenhaus findet man eine abgedunkelte Höhle mit Nilflughunden und im Dämmerlicht eine Anlage für Fenneks und dahinter eine heller beleuchtete Anlage mit Kap-Klippschliefern. Die Fenneks schliefen zusammengerollt unter einer Wärmelampe, während die kleinen nächsten Verwandten der Elefanten sich fast schon lasziv der Kamera präsentierten. Vor dem Nashornhaus konnten wir in einer Anlage den Erdmännchen zuschauen und drinnen gab es Sandkatzen zu bewundern. Hinter einem Restaurant, von dem aus man einen tollen Blick auf die gesamte Afrikaanlage hat liegt die Anlage für die Kalifornischen Seelöwen und die Mähnenrobben. Auf dem Weg zurück zur Brücke kamen wir an dem Gehege der Servale vorbei, deren Aufmerksamkeit von etwas gefesselt war, das sie im Gras ihres Geheges entdeckt hatten, das man als Zoobesucher aber nicht sehen konnte.

Klippschliefer im Zoo d'Amnéville Erdmännchen im Zoo d'Amnéville

Als wir wieder bei Olaf und Tromsö ankamen, war die zweite Fütterung um 15:00 schon vorbei. Olaf schwamm im Wasser, tauchte unter und – zur Freude der Kinder, die ihm zuschauten, direkt an der Scheibe wieder auf und vermittelte ihnen so einen Eindruck davon, wie groß so ein Eisbär ist. Tromsö lag noch genauso da, wie wir ihn verlassen hatten.

Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville Eisbär Olaf im Zoo d'Amnéville

Eisbär Tromsö im Zoo d'Amnéville Eisbär Tromsö im Zoo d'Amnéville

Nach einiger Zeit waren die Beiden wohl der Meinung, sie hätten genug Unterhaltung geboten, zuerst stapfte Olaf dann Tromsö nach oben hinter die Bäume. Sie suchten sich einen Platz neben dem Gebäude mit den Ställen für die Nacht, wo man sie nicht mehr sehen konnte.

Eisbär Tromsö im Zoo d'Amnéville

Da wir noch bis Nancy fahren wollten, nahmen wir das als Anlass uns auch vom Zoo d’Amnéville zu verabschieden. Natürlich gingen wir ganz langsam zurück zum Eingang und blieben, bevor wir durch den Ausgang gingen auch noch einmal bei den farbenprächtigen Aras stehen.

Gelbbrustara im Zoo d'Amnéville

Mehr Informationen gibt es hier:
auf den Internetseiten des Zoos d’Amnéville
in einem Blog zum Zoo d’Amnéville

Und wer Lust auf mehr Fotos hat findet sie hier:
Affen
Große und kleine Bären
Schildkröten
Wölfe
Olafs Fütterung und dem schwimmenden Olaf,
dem schlafenden Tromsö,
müden Raubtieren,
kleinen Nagern und Raubtieren und
den restlichen Tieren des Zoos d’Amnéville

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