Réserve Zoologique de Calviac

Die Réserve Zoologique de Calviac, die im August 2008 neu eröffnet wurde, liegt in der Nähe des Ufers der Dordogne, 10 km südöstlich von Sarlat. Wir waren schon einmal im September 2008 hier und waren ein Jahr später neugierig, wie sich das Refugium für gefährdete Tierarten an einem bewaldeten Berghang entwickelt hatte.

In der Réserve Zoologique de Calviac

Die Réserve Zoologique de Calviac wurde von Emmanuel Mouton gegründet, der damit einen Lebenstraum verwirklichte, den er schon in seiner Kindheit hatte und immer zielstrebig verfolgte. Er wurde dabei von Jacques Bouillault unterstützt, der 1945 den ersten französischen privaten Zoo in La Flèche gegründet hatte. (Jacques Bouillault ist am 14. April 2009 in La Flèche gestorben.) Sein Vorbild ist der Durrell Wildlife Conservation Trust, der frühere Jersey Zoo. Gerald Durell hatte 1959 nördlich von St. Helier auf der Kanalinsel Jersey einen zoologischen Garten geschaffen, in dem nur bedrohte Tierarten gezeigt und gezüchtet werden, dabei verzichtete er vollständig auf große Tierarten, wie Elefanten oder Löwen. Ziel des Gründers war es, die Tierarten in Gefangenschaft zu züchten und wieder auszuwildern und letztendlich den Zoo auf Jersey schließen zu können, weil er überflüssig geworden worden wäre, wenn der Bestand der Tierarten in der Wildnis gesichert werden könnte. Letztendlich musste er erkennen, dass er dieses Ziel zu seinen Lebzeiten nicht verwirklichen konnte. Er ist 1995 gestorben. Heute setzt sich der Wildlife Conservation Trust weltweit für die Erhaltung bedrohter Tierarten und ihres Lebensraumes ein.

Weißkopf-Büschelaffen in der Réserve Zoologique de Calviac

Wie in Jersey will sich Emmanuel Mouton den kleinen, bedrohten Tierarten widmen und dazu beitragen, dass sie nicht von unserem Planeten verschwinden. Mit 14 Jahren machte er ein Praktikum im Zoo von Doué-la-Fontaine, den der auch heute noch für den schönsten Zoo der Welt hält und dessen Gestaltung ihn nachhaltig beeinflusst hat. Auch für mich ist der Bioparc Zoo de Doué-la-Fontaine der schönste Zoo, den ich gesehen habe. Nach einem Geographie Studium, dessen Schwerpunkt in der Biogeographie und Umweltforschung lag, arbeitete der zwei Jahre lang als stellvertretender Cheftierpfleger im ältesten wissenschaftlich geführten Zoo der Welt in der Ménagerie du Jardin des Plantes in Paris. Dann entschied er sich 2002 dazu seinen Traum zu verwirklichen. Er machte eine Ausbildung im Zoo von Jersey (Diploma in Endangered Species Management), suchte sich einen Platz für die Réserve Zoologique und kümmerte sich um die Finanzierung seines Projektes. 2008 war es dann endlich soweit. Im April kam das erste Tier ein Fossa in den neuen Zoo und am 3. August wurde der Park für die Öffentlichkeit eröffnet.

Fossa in der Réserve Zoologique de Calviac

Bei unserem ersten Besuch 2008 hatte uns der Zoodirektor persönlich begrüßt, diesmal war es sein Vater, der das Eintrittsgeld kassierte. Es war für uns besonders erfreulich, dass er sehr gut Deutsch spricht, da er mit einer Österreicherin verheiratet ist. So konnten wir M. Mouton erzählen, dass wir zum zweiten Mal in Calviac waren, weil unser erster Besuch uns so gut gefallen hatte. Wir erfuhren, dass im Sommer recht viele Besucher den Weg in die Réserve Zoologique de Calviac gefunden haben. Ich hoffe, dass der kleine Zoo auch ein wirtschaftlicher Erfolg wird, denn man gibt sich hier sehr viel Mühe, den Tieren ein angemessen großes, artgerecht gestaltetes Zuhause und den Zoobesuchern einen erlebnis- und lehrreichen Besuch zu bieten. Dabei wird auch bei der Gestaltung der Tiergehege und der Einrichtungen für die Zoobesucher sehr auf den Umweltschutz geachtet. So kommen Ökobesucher, die umweltfreundlich mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, in den Genuss eines reduziertem Eintrittsgeldes, es gibt umweltschonende Trockentoiletten für die Zoobesucher und auch bei der Wärmedämmung der Tierhäuser aus Holz wurde an die Umwelt gedacht. Es ist allerdings trotz der geringen Größe (3 ha) ein recht anstrengender Zoobesuch, denn die Gehege liegen an einem Hang im Wald und man muss während des 1,5 km langen Zoorundgangs ganz schön den Berg hinauf und wieder hinunter klettern.

In der Réserve Zoologique de Calviac

Man trifft auf Tiere aus vier unterschiedlichen Zonen. Am Anfang liegt der Europäische Bereich mit Europäischen Nerzen, Vielfraßen, Schleiereulen, Waldrappen und Zieseln.

Vielfraß Mette-Marit in der Réserve Zoologique de Calviac Vielfraß Mette-Marit in der Réserve Zoologique de Calviac

Mette-Marit, der weibliche Vielfraß des Zoos, schlief als wir an ihrer Anlage ankamen. Eine Plattform bietet Zoobesuchern einen Blick von oben auf das Gehege. Sie wachte dann aber auf schaute zu uns hinauf und „sortierte“ die Holzstücke in ihrem Zuhause. Mette-Marit stammt aus dem Zoo Magdeburg. Ihr Partner, Alain, aus dem Zoo Helsinki war im Juni 2008 schon vor der Eröffnung des Zoos aus dem Gehege entflohen, wodurch sich die Eröffnung des Parkes um einige Wochen verschob, da zwei Wochen vorher schon einem Tapir die Flucht gelungen war, das aber wieder eingefangen werden konnte. Seit damals sind aber alle tierischen Bewohner in ihren Gehegen geblieben. Im Januar 2010 soll Mette-Marit endlich einen neuen Partner bekommen, Sakari, der 1998 im Zoo Kolmarden in Schweden geboren wurde.

Schwarzweißer Vari in der Réserve Zoologique de Calviac

Als nächstes lernt man die Tierwelt Madagaskars kennen. Hier haben uns die beiden begehbaren Gehege der Lemuren besonders gut gefallen. In dem einem leben 10 weibliche Rotbauchmakis, die wenig Scheu vor uns zeigten. Natürlich haben wir nicht versucht sie anzufassen und zu streicheln, sondern haben sie nur beobachtet, wie sie kletterten und sich aneinanderkuschelten.

Rotbauchmaki in der Réserve Zoologique de Calviac

Rotbauchmakis leben wie alle Lemuren nur auf Madagaskar und den benachbarten Inseln. Sie bewohnen meist mittlere und höhere Höhenlagen der Regenwälder im Norden und Süden Madagaskars bis zu 2400 m ü. NN. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Früchten. In Freiheit erreichen Rotbauchmakis ein Alter von 20 bis 25 Jahren, in Gefangenschaft auch bis zu 26 Jahren.

Rotbauchmaki in der Réserve Zoologique de Calviac Rotbauchmaki in der Réserve Zoologique de Calviac

Der Lebensraum der Rotbauchmakis ist durch Brandrodung und Abholzung bedroht. Die IUCN schätzt, dass in den vergangenen 24 Jahren der Gesamtbestand um mehr als 30 % zurückgegangen ist. Die Art wird deshalb auf der Roten Liste als gefährdet – vulnerable – eingestuft.

Rotbauchmakis in der Réserve Zoologique de Calviac

Schwarzweißer Vari in der Réserve Zoologique de Calviac

In dem zweiten Lemurengehege leben Schwarzweiße Varis und Kronenmakis. Letztere zählen zu den kleineren Vertretern der Makis. Sie werden – ohne Schwanz – nur etwa 34 bis 36 cm groß. Man kann die Geschlechter an der Fellfarbe unterscheiden. Die männlichen Tiere sind am Rücken graubraun und am Bauch weißgrau gefärbt, das Gesicht ist hellgrau mit einer langgestreckten, an der Spitze schwarz gefärbten Schnauze. Besonders auffällig ist das orangefarbige V-förmige Muster am Kopf, der an der Oberseite schwarz gefärbt ist. Auch an den Backen findet man orangefarbige, buschige Haare.

Kronenmakis in der Réserve Zoologique de Calviac

Das Fell der Weibchen ist am Rücken grau und am Bauch weißgrau, auch die Oberseite des Kopfes, die ebenfalls eine V-förmige Zeichnung hat, ist grau und es fehlen die orangefarbigen Backenhaare. Ich habe in einem deutschen Zoo diese hübschen Lemuren noch nirgendwo gesehen.

Kronenmaki in der Réserve Zoologique de Calviac Kronenmaki in der Réserve Zoologique de Calviac Kronenmaki in der Réserve Zoologique de Calviac

Außerdem sind aus Madagaskar noch Madagaskarenten, Bernierente und Fossas in der Réserve zoologique vertreten. Die Fossas blieben bei unserem Besuch leider in den Innengehegen. Das Wetter hatte sich zwar deutlich gebessert, es hatte aufgehört zu regnen und gab zwischen den Wolken blaue Lücken, die ab und zu die Sonne durchließen, aber die Schleichkatzen trauten wohl der Wetterbesserung nicht so ganz. 2008 sind mir allerdings ein paar Fotos von den zwei flinken Tieren gelungen.

Fossa in der Réserve Zoologique de Calviac

Halsband-Wehrvögel, Mähnenwölfe, Langschwanzkatzen, Weißkopf-Büschelaffen, Weißkopfsakis, Totenkopfäffchen und ein Flachlandtapir repräsentieren die Tierwelt Südamerikas.

Mähnenwolf in der Réserve Zoologique de Calviac

Die beiden Mähnenwölfe durchstreiften ihr Gehege. Da gab es offensichtlich vieles, das genauer untersucht und berochen werden musste. Die Weißkopf-Büscheläffchen teilen sich ein Gehege mit den Weißkopfsakis. Das Weißkopfsakipaar hat ein Jungtier, das am 4.Mai 2008 geboren wurde.

Weißkopf-Büschelaffe in der Réserve Zoologique de Calviac

Die Anzahl der munteren Totenkopfäffchen hat sich seit 2008 vergrößert. Mir macht es immer besonders viel Spaß den kleinen Affen beim Klettern zuzuschauen. Sie linsten neugierig zwischen Blättern hervor und untersuchten alles was sie fanden.

Totenkopfäffchen in der in der Réserve Zoologique de Calviac

Die letzte Zone des Zoos ist den Tieren Ozeaniens gewidmet. Hier leben Krontauben, Kaninchenkängurus, die sich leider in ihr nicht einsehbares Tierhaus verzogen, als ich sie fotografieren wollte, und Parmawallabys, von denen man geglaubt hatte, sie seien ausgestorben, bevor man sie in den 1960er Jahren wiederentdeckt hat. Sie leben in Australien in Neusüdwales hauptsächlich in Bergwäldern im Unterholz und auch in Calviac hatten sie sich am Rand ihrer Anlage unter die Bäume zurückgezogen.

Krontaube in der Réserve Zoologique de Calviac

Nachdem wir den Rundgang einmal vollendet hatten, zog es uns noch einmal zurück zu den Rotbauchmakis, weil mir die zehnköpfige Lemurenbande so gut gefallen hatte, bevor es zurück zum Auto ging.

Rotbauchmaki in der Réserve Zoologique de Calviac

Am Eingang des Zoos legten wir aber noch einen Stopp bei den Waldrappen ein. Man nennt die Vögel auch Europäischen Ibis. Sie waren früher in Europa häufig anzutreffen, in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Spanien und im Westen des Balkans. Im 17. Jh. starben die Waldrappe in Mitteleuropa aufgrund intensiver Bejagung aus. Es gibt heute verschiedene Wiederansiedlungsprogramme, z.B. wurde 1997 eine halbwilde Waldrappen Kolonie in Grünau im Salzkammergut aufgebaut. Ein Projekt, das vom Alpenzoo Innsbruck und dem Tierpark Schönbrunn unterstützt wird. In freier Wildbahn lebten im Jahr 2005 etwa 450 Vögel hauptsächlich in Marokko und Syrien, in Gefangenschaft wurden etwa 2.000 Vögel gehalten.

Waldrappe in der Réserve Zoologique de Calviac Waldrappe in der Réserve Zoologique de Calviac

Waldrappen sind gesellige Vögel und so macht es Spaß den Vögeln bei ihren Interaktionen zuzuschauen, auch wenn ihre nackten roten Gesichter ungewöhnlich aussehen.

Langschwanzkatze in der Réserve Zoologique de Calviac

Uns hat auch der zweite Besuch in Calviac viel Spaß gemacht und wir werden bestimmt wiederkommen, wenn unsere Urlaubsroute uns an die Dordogne führt.

Die Informationen habe ich auf
der neuen Homepage der Réserve Zoologique de Calviac gefunden
und auf einer Seite auf der man die Planung des Zoos und die Verwirklichung des Plans verfolgen kann.
Hier gibt es auch etwas zu der Réserve Zoologique de Calviac.
Und in einem Zeitungsartikel

Die Informationen über die Tiere findet ihr hier:
Wikipedia zum Rotbauchmaki
Tierdoku zum Rotbauchmaki
Wikipedia zum Kronenmaki
Wikipedia zum Parmawallaby
Wikipedia zum Waldrapp
VDZ Artikel zur Auswilderung der Waldrappen

Informationen über den Durrell Wildlife Conservation Trust gibt es hier hier.

Mehr Bilder von den Lemuren der Réserve Zoologique de Calviac

und den
restlichen Tieren

und die Fotos von dem Besuch
im Jahr 2008

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