Bioparc Zoo de Doué

Einer der schönsten Zoos der Welt

Schon am Morgen beim Frühstück hatten wir uns auf unseren zweiten Besuch im Zoo von Doué-la-Fontaine gefreut. Es war fast genau ein Jahr her, dass wir zum ersten Mal da waren, und seitdem steht für mich fest, dass der Bioparc Zoo de Doué, wie er offizielle heißt, der schönste Zoo ist, den ich bisher gesehen habe.

Im Zoo von Doué-la-Fontaine

So konnte ich es gar nicht abwarten, bis wir unser Auto endlich auf dem Zooparkplatz abgestellt und das Eintrittsgeld von 16 € bezahlt hatten und mit unserer Zoosafari beginnen konnten. Alleine seine Lage macht ihn zu etwas ganz Besonderem. Er wurde 1961 in alten seit Jahrzehnten stillgelegten Kalksteinbrüchen eingerichtet, in denen schon im Mittelalter Steine gebrochen wurden. Dadurch entsteht ein einmaliges Ambiente. Die miteinander durch Tunnel verbundenen Steinbrüche bilden Felskessel, die großzügigen Gehegen Platz bieten und äußerst effektvoll auf ganz natürliche Weise ohne Kunstfelsen und ähnliches für die Tiere eine Umgebung schaffen, die ihrem natürlichen Lebensraum soweit wie möglich ähnelt. Über Treppen und steile Pfade gelangt man in die zweite Ebene des Zoos, wo auf üppig begrünten Inseln und in großen, artgerechten Tieranlagen u. a. Affen, Brillenbären und Löwen beobachtet werden können.

Westafrikanische Giraffen im Zoo de Doué-la-Fontaine

Direkt hinter dem Eingang liegt der Canyon der Giraffen und ich erinnerte mich noch genau, an das letzte Foto, das ich hier vor einem Jahr gemacht hatte. Es war nämlich eines von den Erlebnissen in einem Zoo, das ich nicht so schnell vergessen werde. Ich hatte den Kopf einer Giraffe fotografiert und dabei ziemlich lange gebraucht, bis ich sie abgelichtet hatte. Sie war lange still stehen geblieben. Und aus Spaß machte ich eine Verbeugung, um mich bei meinem Fotomodell zu bedanken. Und das schien der Giraffe zu gefallen, sie beugte auch den Kopf, als ob sie mich grüßen wollte.

Westafrikanische Giraffe im Zoo von Doué-la-Fontaine

So machte es mir eine besondere Freude, dass auch dieses Mal eine der Giraffen besonders neugierig zu uns herüberschaute. Im Zoo von Doué-la-Fontaine leben neun Westafrikanische Giraffen, einer Unterart der Giraffen, die früher in ganz Westafrika verbreitet war, heute gibt es aber nur noch einzelne isolierte Vorkommen. Es existiert nur noch eine lebensfähige Population von weniger als 200 Westafrikanischen Giraffen im Staat Niger.

Westafrikanische Giraffe im Zoo de Doué-la-Fontaine

1994 wurde die ASGN gegründet, eine Organisation, die sich für den Schutz der wilden Giraffen im Niger einsetzt. Sie kümmert sich aber nicht nur um die Tiere, sondern hilft auch der Bevölkerung im Niger, einem der ärmsten Länder der Welt, mit Mikrokrediten und informiert sie, wie wichtig es ist, sich für den Erhalt der Giraffen einzusetzen. Denn im Süden der Hauptstadt des Niger, Niamey, in der Region Kouré leben die Giraffen nicht wie in anderen Gegenden in Afrika in geschützten Nationalparks oder Wildreservaten, sondern mitten unter den Menschen und nur wenn man auch den Menschen hilft, dass sie menschwürdig leben können, kann man die Tiere schützen. Hier kämpfen sowohl Menschen als auch Tiere ums Überleben. Doch die Bemühungen des ASGN scheinen Erfolg zu haben. 1996 hat man im Niger weniger als 50 Westafrikanische Giraffen gezählt, 2006 waren es schon wieder 144 Tiere. Das sind noch zu wenig, um das Überleben der Unterart zu sichern, dazu wären 400 Tiere nötig, aber man ist auf dem Weg dahin. Der Zoo von Doué unterstützt den ASGN finanziell bei seiner Arbeit. Es ist das größte von über 20 Projekten, bei denen sich der Zoo „in situ“, das heißt im natürlichen Lebensraum der Tiere, für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzt.

Westafrikanische Giraffe im Zoo de Doué-la-Fontaine

Die Giraffen in Doué-la-Fontaine, deren Vorfahren aus dem Zoo von Paris im Bois de Vincennes stammen, bewohnen einen richtigen in den Kalkstein hinein gegrabenen Canyon, zusammen mit Grevyzebras. Der ockerfarbene Fels bildet eine fantastische, exotische Kulisse und bietet den Tieren auch viele Möglichkeiten sich zurückzuziehen. Nachwuchs hat es hier 2009 auch gegeben am 7. März wurde das weibliche Tier Katoumi und am 11. Juni der kleine Giraffenbulle Moussa geboren.

Grevyzebra im Zoo de Doué-la-Fontaine Grevyzebra im Zoo de Doué-la-Fontaine Grevyzebra im Zoo de Doué-la-Fontaine

Auch die Anlage der Roten Pandas liegt vor einer ockerfarbenen Felswand. Das Gehege ist ein richtiger kleiner Dschungel mit vielen grünen Pflanzen und Klettermöglichkeiten für die beiden Bewohner. Die machten gerade Mittagpause, als wir zum ersten Mal vor ihrem Reich standen und schliefen recht weit von einander entfernt auf Astgabeln. Als wir am Ende unseres Zoobesuches sie ein zweites Mal besuchten, gab es gerade frischen Bambus zu fressen und da wurden die beiden munter, obwohl sie nicht viel Hunger zu haben schienen.

Roter Panda im Zoo de Doué-la-Fontaine Roter Panda im Zoo de Doué-la-Fontaine

Roter Panda im Zoo de Doué-la-Fontaine Roter Panda im Zoo de Doué-la-Fontaine

Wenn die Luchse im Zoo de Doué nicht gesehen werden wollen ist das kein Problem, denn ihr Fell hat fast die gleiche Farbe wie die Kalksteinwand, die am Ende ihrer Anlage ihnen viele Nischen zum Schlafen bietet. So hätten wir beinahe eines der beiden Tiere des Zoos gar nicht entdeckt, es schlief in einer der Nischen und verschmolz für unsere Augen mit dem Hintergrund. Aber wir hatten Glück, der andere Luchs wanderte gerade recht aktiv durch das Gehege und schaute auch einmal direkt an der Scheibe nach dem Rechten. Ein Baumstamm wurde zum Schubbern und zum Schärfen der Krallen genutzt.

Eurasischer Luchs im Zoo de Doué-la-Fontaine

Durch einen in den Fels gegrabenen Tunnel gelangt man in einen Felskessel, wo sich die Anlagen der Leoparden des Zoos befinden. Drei verschiedene Leopardenarten kann man hier nebeneinander in drei großen Anlagen bewundern.

Scri-Lanka-Leopard im Zoo de Doué-la-Fontaine

Zwei Sri-Lanka-Leoparden leben im ersten Gehege. Da war Familienkrach angesagt, sie wollte schlafen, er schmusen. Es gibt nur wenige Sri-Lanka-Leoparden in Zoos. Nur etwa 50 Tiere leben in Gefangenschaft. In der Natur gibt es weniger als 600 Exemplare.

Ceylon-Leopard im Zoo von Doué-la-Fontaine

Die Schneeleoparden gegenüber ruhten sich aus. Es war gar nicht so leicht sie zu fotografieren, weil sie immer wieder von Blättern verdeckt waren.

Schneeleopard im Zoo de Doué-la-Fontaine

Bei den Persischen Leoparden am Ende der Schlucht, gab es eine ganze Familie zu bewundern. Die Tochter von Palome, die 12 Jahre alt ist und aus dem tschechischen Zoo Dvurkralov stammt, und dem gleichaltrigen Darius, der in Bern in der Schweiz geboren wurde, Shiraz, wurde am 6. Juni 2008 geboren und ich habe sie im vorigen Jahr schon als Baby fotografiert.

Junger Persischer Leopard im Zoo von Doué-la-Fontaine

Nun war sie fast so groß wie ihre Mutter, in deren Nähe sie sich meistens aufhielt. Sie hatte aber schon weniger Respekt vor ihrem Vater, der sie vor einem Jahr noch mit einem einfachen Blick in die Flucht schlagen konnte. Bald wird sie den Zoo verlassen, um in einem anderen Zoo mit einem Partner dazu beizutragen, dass man weiterhin in Zoos Persische Leoparden sehen kann. Es gibt etwa 130 Tiere in Zoos.

Persische Leoparden, Palome und Tochter Shiraz, im Zoo de Doué-la-Fontaine

Persischer Leopard Darius im Zoo de Doué-la-Fontaine

Durch einen weiteren Tunnel ging es nun in die letzte Neuerung des Zoos, eine der größte Freiflug Volieren Europas, die der Südamerikanischen Vogelwelt gewidmet ist. In einem neu tief in den Kalkstein hinein gegrabenen Kessel mit einer Fläche von einem Hektar, der oben durch ein Netz abgedeckt ist, leben mehrere Dutzend Aras, Rote Sichler, Rosalöffler und Truthahngeier. Insgesamt sind es über 300 Vögel in 20 Arten, von denen einige extrem bedroht sind, wie z. B. der Rotohr- oder der Hyazinthara. Aber es sollen noch mehr werden und man hofft auch auf zahlreichen Nachwuchs. So sollen hier Felsensittiche aus Chile brüten und man plant in fünf Jahren, die Hälfte der in Doué geschlüpften Jungtiere wieder in ihre Heimat zurückzuschicken und dort auszuwildern.

Hellroter Ara im Zoo de Doué-la-Fontaine

Wir konnten die gesamte Voliere nicht überblicken, sondern mussten auf einem gewunden Weg, vorbei an Felsnadeln gehen, die mitten im neu entstandenen Kessel stehen geblieben sind. In einem flachen Teich standen Chile-Flamingos. Noch war es recht kahl in der Voliere, aber die frisch gepflanzten Büsche werden sicher wachsen und bald den Aras eine ihrer Heimat ähnliche Umgebung schaffen. Die roten Aras hatten es sich schon einmal in den neuen Büschen gemütlich gemacht, während die Soldatenaras dabei waren die Nester, die oben auf Pfählen angebracht waren zu besiedeln. Man spürte, dass auch die Tiere, die aus verschiedenen Europäischen Zoos nach hier gebracht wurden, sich erst an ihr neues großes Zuhause und die ungewohnte Freiheit gewöhnen müssen.

Soldatenaras im Zoo de Doué-la-Fontaine

Treppen führen nach oben, wo man über Holzstege, die von Felsnadel zu Felsnadel führen, den Roten Sichlern und den Rosalöffler ganz nah kommen kann. Ich beobachte die Vögel beim Fliegen und versuchte – mit wenig Erfolg – sie im Flug zu fotografieren. Mein Mann hat bei solchen Aktionen immer weniger Ausdauer als ich und verschwand bald wieder nach unten.

Rosalöffler im Zoo de Doué-la-Fontaine

Als ich ihm dann folgte, hatte er in der Zwischenzeit einen neuen Freund gefunden. Ein leuchtend blauer Hyacinth-Ara saß direkt neben ihm und demonstrierte, wie geschickt er Nüsse knacken und verspeisen konnte. Es ist schon beeindruckend ein Tier aus so unmittelbarer Nähe beobachten zu können. Dieses Exemplar hatte besonders wenig Scheu vor den Zoobesuchern.

Hyazinth-Ara im Zoo de Doué-la-Fontaine

Hyazinth-Ara im Zoo de Doué-la-Fontaine

Nebenan liegt die ähnlich gestaltete, kleinere Anlage der Europäischen Vögel unter anderem mit Störchen, Waldrappen und Schmutzgeiern. Auch hier kann man die Tiere auf zwei Ebenen beobachten und ein Wasserfall und viele grüne Pflanzen sorgen für die passende Atmosphäre.

Rosalöffler im Zoo de Doué-la-Fontaine

Der Weg hinauf ins „Obergeschoss“ des Zoos führt über eine Treppe, vorbei an der Anlage der Pudus aus Chile, einer südamerikanische Hirschgattung. Es sind die kleinsten Hirsche der Welt, kaum größer als Hasen. Am 20. August 2009 wurde ein Jungtier geboren, das aber, als wir hochgingen, kaum sichtbar in einem hohlen Baumstamm lag. Wenn man nicht gut zu Fuß ist, kann man auch ganz bequem mit einem Aufzug hinauf gelangen, verpasst dann aber die kleinen Hirsche.

Südlicher Pudu im Zoo de Doué-la-Fontaine

Auch die Geschichte des Zoos de Doué-la-Fontaine ist die Geschichte einer Familie. Louis Gay, heute über 80 Jahre alt, entdeckte Ende der 1950ger Jahre die Anfang des 20. Jh. stillgelegten Steinbrüche und wusste sofort, dass dies ein einzigartiger Ort war, um seinen Zoo zu gründen. Am 14. Juli 1961 wurde dann der damals 8 ha große Zoo eröffnet. Als Referenz an den Ort, wo er lag, wurde er „Zoo des Minières“, „Zoo der Bergbauminen“, getauft. Er begann mit einem kleinen Tierbestand. Es gab Goldfasane, Damhirsche, einige Haustiere und weitere Vögel aus verschiedenen Arten zu sehen, die wenigen exotischen Tiere kamen aus einem gescheiterten Zirkus: eine Löwin, eine Hyäne und ein Pavian. Doch mit der Zeit kamen mehr Tiere dazu, die u. a. von Tierhändler aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien gekauft wurden. In den Anfangsjahren, war es ein klassischer Zoo, die Tiere waren, wie es in dieser Zeit üblich war, in Käfigen und kleinen, einfachen Gehegen untergebracht.

Afrikanischer Löwe im Zoo de Doué-la-Fontaine

Das änderte sich, als Pierre Gay, der Sohn von Louis, im Jahr 1973 mit 22 Jahren Tierpfleger im Zoo wurde. Er kam von einer Reise aus Marokko zurück, er hatte dort Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet und die Weite der unbesiedelten Landschaft Afrikas erlebt. Diese Reise hatte großen Einfluss auf ihn. Er überzeugte seinen Vater, den Tieren im Zoo mehr Platz zur Verfügung zu stellen. So wuchs das Gehege der Schakale von 8 auf 100 m², die beiden Löwen lebten vorher jeder auf 30 m², nun hatten sie zusammen 1000 m².

Afrikanischer Löwe im Zoo de Doué-la-Fontaine

Die heutigen Bewohner, des mit unterschiedlichen Böden und Pflanzen sehr abwechslungsreich gestalteten Löwengeheges stammen auch aus einem Zirkus. Dem stattlichen Löwenmann musste ein großer Teil seines Schwanzes amputiert werden, was seiner Schönheit aber keinen Abbruch tut. Er demonstrierte mit laut starkem Brüllen, dass er der Herr im Haus ist, was seine beiden Damen aber wenig beeindruckte.

Afrikanischer Löwe im Zoo de Doué-la-Fontaine Afrikanischer Löwe im Zoo de Doué-la-Fontaine

Afrikanischer Löwe im Zoo de Doué-la-Fontaine Afrikanischer Löwe im Zoo de Doué-la-Fontaine

Wir schauten den Löwen eine Zeit zu und gingen dann weiter, vorbei an den Gehegen der Kraniche und der Schwarzweißen Varis, Gibbons und Siamangs., die wie alle Affen im Bioparc auf Inseln leben. Der Zoo von Doué-la-Fontaine war 1976 einer der ersten französischen Zoos, der Primaten auf Inseln zeigte.

Schwarzweißer Vari im Zoo de Doué-la-Fontaine Weißhandgibbon im Zoo de Doué-la-Fontaine

Siamang im Zoo de Doué-la-Fontaine Siamang im Zoo de Doué-la-Fontaine

Nicht weit davon entfernt leben die beiden Sumatra Tiger des Parkes in einem richtigen Dschungel. So muss man schon etwas Geduld haben, wenn man als Besucher die Tiere auch zu Gesicht bekommen will. Wir hatten Glück, dass wir wenigstens einen kurzen Blick auf den Tigermann werfen konnten. Er hatte sich dazu entschlossen, dass es an der Zeit war, einmal kurz im Gehege nach dem Rechten zu sehen. Er setzte ein paar Duftmarken und zog sich dann wieder ins Unterholz hinter einen Baum zurück, wo er sich neben seiner Partnerin, deren Schlafplatz man nur erahnen konnte, bequem machte.

Sumatra Tiger im Zoo des Doué-la-Fontaine

Die Show war beendet und wir gingen weiter in den „Fosse aux Charognard“, den „Graben der Aasfresser“. 1977 wurde in einem Steinbruch unter offenem Himmel die Anlage für Gänsegeier eröffnet, in der zum ersten Mal in Frankreich Besucher ohne Zäune oder andere Schranken zu den Tieren ins Gehege gehen konnten. Am Eingang zur Schlucht neben der Voliere, in der Andenkondore leben, informiert eine Tafel darüber, dass die Gänsegeier von Doué-la-Fontaine dazu beigetragen haben, dass man heute in den Cevennen wieder die Flugkünste dieser Vögel in Freiheit beobachten kann. Die Vögel fühlten sich in ihrer großen Anlage so wohl, dass sie sich schnell vermehrten. So konnte sich der Zoo Anfang der 1980ger Jahre an einem Projekt der Organisation „Mission Rapace“, „Mission Greifvögel“, beteiligen, die u. a. Gänsegeier in den Cevennen wieder eingeführt hat. 22 Gänsegeier aus dem Zoo wurden in Frankreich ausgewildert, 5 in Bulgarien. Und auch heute noch finanziert der Zoo einen Teil der Aufgaben dieser Organisation.

Gänsegeier im Zoo de Doué-la-Fontaine

Es ist ziemlich beeindruckend einer ganzen Gruppe von Gänsegeiern ohne Zäune gegenüberzutreten. Wir hätten ja respektvollen Abstand gehalten, wenn es sich die wehrhaften Vögel nicht genau mitten auf dem Weg bequem gemacht hätten. So mussten wir wohl oder übel, ganz nah an ihnen vorbeispazieren. Sie zeigten keine Scheu vor den Zoobesuchern und es schien ihnen auch nicht viel auszumachen, wenn es einmal zu einem leichten Körperkontakt kam. Jedenfalls hüpfte der Geier, der, als er einem Hieb eines seiner Kumpel ausgewichen war, mit mir zusammenstieß, nur ein kleines Stück von mir weg. Ich hingegen war ziemlich beeindruckt. Wir waren nicht die einzigen die Respekt vor den Vögeln hatten. Eine Familie mit zwei Kindern, die die Geieranlage betrat, als wir gerade gehen wollten, machte sofort kehrt, als die Kinder die Vögel entdeckten. Sie mussten zuerst von ihren Eltern davon überzeugt werden, dass man sich gefahrlos der Herausforderung der Geieranlage stellen konnte.

Gänsegeier im Zoo de Doué-la-Fontaine

Die Unterstützung von Naturprojekten und die Teilnahme der Familie Gay an zahlreichen wissenschaftlichen Konferenzen verschafft dem Zoo seit den 1980ger Jahren eine exzellente internationale Reputation. Er war einer der ersten französischen Zoos, der der EAZA beitrat und sich am EEP Programmen beteiligte. 1999 wurde Pierre Gay der Nachfolger seines Vaters als Direktor des Zoos. Er machte es sich zur Hauptaufgabe, sich für den Artenschutz in der Natur einzusetzen. So sind fast alle Tiere, die der Zoo zeigt, mit Artenschutzprojekten „in situ“ verbunden. Es sind heute rund 500 Tiere aus 70 Arten, die auf 14 ha leben.

Mähnenwolf im Zoo de Doué-la-Fontaine

Um am 40. Geburtstag des Zoos im Jahr 2001 ein symbolischen Zeichen für den Artenschutz zu setzen, übernahm der Zoo die Finanzierung von 40 lokalen Naturprojekten, die sich überall auf der Welt für den Schutz von Tieren und Pflanzen in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung engagieren. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass sich die Projekte nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Menschen einsetzen. Denn Pierre Gay ist davon überzeugt, dass die Erhaltung der biologischen Vielfalt nur möglich ist, wenn man zunächst den Menschen hilft. „Nur wenn der Magen voll ist, kann der Kopf arbeiten.“

Im Zoo de Doué-la-Fontaine

Im Laufe der Jahre wurden einige der Projekte aufgegeben, weil sie sich nicht als tragfähig erwiesen haben, andere wurden ausgeweitet und neue geschaffen. Heute kann man sich auf den Interseiten des Zoos über 22 Projekte informieren, die der Zoo finanziell unterstützt und teilweise allein finanziert. Das größte Projekt, das man im Emblem des Zoos wieder findet, ist das Projekt des ASGN für die Erhaltung der Giraffen. Im September 2005 veröffentliche Pierre Gay sein Buch: « Des zoos pour quoi faire ? », „Wozu braucht man Zoos?“, worin er seine Philosophie von einer neuen Ethik der Zoologischen Gärten darstellt. Seit 2006 überlässt er mehr und mehr die Leitung des Familienunternehmens seinem Sohn François und widmet seine Zeit im wesentlichen dem Artenschutz.

Gepard im Zoo de Doué-la-Fontaine

Vorbei an der Anlage der Geparden, gingen wir zu der 2008 eröffneten Anlage der Spitzmaulnashörner, die sich ihr 2 ha großes Reich mit Dama- und Dorkasgazellen teilen. Die Anlage wurde von François Gay, Pierres Sohn, der Landschaftsarchitektur studiert hat, geschaffen. Auch hier bilden die ockerfarbenen Felsen die Kulisse eines Geheges, das der Landschaft in der Heimat der Tiere ähnelt.

Spitzmaulnashorn im Zoo de Doué-la-Fontaine

Von den vier Spitzmaulnashörnern, die hier leben, ließ sich nur eines sehen und leider war kein Tierpfleger in der Nähe, den ich hätte fragen können, wen von den vieren wir denn da vor uns hatten. In Doué leben neben den beiden Nashornbullen, Katakata, der am 18. Oktober 1990 in Port Lympne in England geboren wurde und Jeremy, der am 21. Dezember 2000 in tschechischen Zoo Dvur Kralove das Licht der Welt erblickte und die beide im Juni 2005 aus dem Zoo Chester nach Frankreich kamen, zwei Nashornkühe, die beide im Berliner Zoo geboren wurden. Binti, geboren 2. November 2003, zog am 1. August 2006 nach Doué-la-Fontaine um. Tisa, geboren am 20. Mai 1994, lebte seit 1997 im Kölner Zoo, sie verstand sich mit dem dort lebenden Bullen Taco nicht und es kam zu keinem erfolgreichen Deckakt. Seit dem 5. August 2008 lebt Tisa nun in Doué und ist die Partnerin von Katakata und man hofft nun, dass es bald mit dem Nachwuchs klappt.

Dorkasgazellen im Zoo de Doué-la-Fontaine Damagazelle im Zoo de Doué-la-Fontaine

Spitzmaulnashörner gehören zu denen am stärksten von Aussterben bedrohten Tiere der Erde. 2005 gab es nur noch 3610 in freier Wildbahn. Verschiedene Europäische Zoos beteiligen sich an Wiederansiedlungsprojekten in Afrika. So wurden 2003 und 2004 insgesamt drei Spitzmaulnashörner aus dem englischen Zoo Port Lympne nach Südafrika gebracht und auch drei Nashörner aus dem Frankfurter Zoo tragen seit 2003 wieder in ihrer natürlichen Heimat in Südafrika zum Erhalt ihrer Art bei.

Spitzmaulnashorn im Zoo de Doué-la-Fontaine

Gegenüber von der Nashornanlage können in einem „afrikanischen Dorf“ Kinder Zwergziegen und Kamerunschafe streicheln. Wir begnügten uns mit einem Blick von außen, denn wir bekamen langsam Hunger, aber die Kurzkrallenotter, die sich neugierig die Nasen an der Scheibe ihres Geheges platt drückten und beobachteten, wie sich die Zoobesucher über ihre Faxen freuten, hielten uns auf.

Kurzkrallenotter im Zoo de Doué-la-Fontaine

Auf der anderen Seite des Weges wurden gerade die Humboldtpinguine gefüttert. Ein Stück weiter raschelte es im Laub und kleine Rothandtamarine wuselten aus dem Gebüsch, balancierten auf Absperrgittern, ein Äffchen mit Baby auf dem Rücken. Wir vergaßen unseren Hunger erst einmal und beobachteten fasziniert die munteren Tiere, die sich frei im Zoo bewegen konnten. Eine Tierpflegerin erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie erklärte mir, die kleinen Affen würden nur darauf warten, von ihr gefüttert zu werden. Augenzwinkernd meinte sie, dass sei aber jetzt vergeblich, sie hätte etwas anderes zu tun.

Rothandtamarin mit Jungtier im Zoo de Doué-la-Fontaine

Rothandtamarin im Zoo de Doué-la-Fontaine

Nun war es aber wirklich Zeit ins Restaurant zu gehen, wo wir gerade noch rechtzeitig ankamen, um Mittag essen zu können. Das Restaurant ist wie alles im Zoo sehr liebevoll und gekonnt gestaltet. Es heißt „Le Camp de Girafe“, ist, wie sein Name verspricht, als Expedition Camp gestaltet und bietet etwas, das es leider in nur ganz wenigen Zoos gibt, leckeres und ausgewogenes Essen zu vernünftigen Preisen – eben artgerechtes Essen auch für Menschen.

Riesenottergehege im Zoo de Doué-la-Fontaine

Gestärkt ging es dann ein Stück zurück zum Gehege der Riesenotter, der zweiten Neuerung des Jahres 2008, eine 800 m² große Anlage, die sehr nahe am natürlichen Lebensraum der Tiere ist. Der Zoo ist sehr stolz auf diese Tiere und die Anlage, da er der einzige Zoo in Frankreich ist, in dem man sie sehen kann, und es sie überhaupt nur in wenigen Zoos außerhalb Südamerikas gibt. Da der Zoo de Doué in Kolumbien sich zusammen mit der Fundación Zoológico de Cali, einer Stiftung des Zoos Cali, für den Schutz der Riesenotter einsetzt, war es Pierre Gay 2005 gelungen ein Geschwisterpaar Riesenotter, ein Männchen, Maku, und ein Weibchen, Yukuna, die 2002 im Zoo von Cali geboren worden waren, nach Europa zu importieren. Dies war wichtig, da zu einer erfolgreichen Zucht Tiere benötigt wurden, die nicht mit den wenigen in europäischen Zoos lebenden Tieren verwandt waren. Die Tiere kamen zunächst in den Zoo Hagenbeck in Hamburg. Maku durfte als Zuchtmann in Hamburg bleiben, das weibliche Tier wurde im Rahmen des EEP Zuchtprogrammes nach Dortmund abgegeben. Hagenbeck erhielt dafür ein anderes aus Brasilien stammendes Weibchen aus Dortmund, Beni. Yukuna zog 2007 zusammen mit dem in Dortmund am 29. Dezember 2004 geboren Diego nach Doué-la-Fontaine.

Riesenotter im Zoo de Doué-la-Fontaine

Am 31. Juli 2009 wurden in Doué die ersten Jungtiere aus dieser Verbindung geboren. Ursprünglich waren es vier Jungtiere, doch eines starb direkt bei der Geburt, eines lebte nur 11 Tage. Die beiden anderen entwickelten sich gut. Wir konnten nur die Eltern beobachten, die sich ihr Futter aus dem Wasser holten und im Gras ihr Fell trockneten. Andere hatten mehr Glück und konnten ein Foto vom Nachwuchs machen.
Leider starb im Januar völlig unerwartet noch eines der beiden überlebenden Jungtiere an einer Fehlbildung im Herzen. Dem letzten Jungtier, das Yumbo getauft wurde, geht es gut.

Riesenotter im Zoo de Doué-la-Fontaine

Ein Stück weiter leben weitere Zoobewohner aus Südamerika. Seit dem Jahr 2002 beteiligt sich der Zoo am EEP Programm für Brillenbären. Waika, eine im Zoo Zürich geborene Bärin, und der Bär Tremento, der im Zoo Basel geboren wurde, zogen auf die 2500 m² große Anlage des Zoos, ein locker mit Bäumen und Büschen bepflanzter Grashügel mit vielen Klettermöglichkeiten aus übereinander gestapelten Baumstämmen und Ästen. In einem durch einen elektrischen Zaun abgesperrten Baum leben Totenkopfäffchen. Sie können das ganze Gehege besuchen, sind aber in ihrem Teil vor den Bären geschützt. In der Zwischenzeit gab es auch schon Brillenbären Nachwuchs. Zwei der schon recht großen Nachkommen konnten wir bei unserem Besuch auch beobachten. Einer der jungen Bären richtete sich neugierig auf, als wolle er genau sehen, wer ihn da fotografierte. Auch in ihrer Heimat engagiert sich der Zoo für die Erhaltung des Lebensraumes der Tiere, die dort leben.

Brillenbär im Zoo de Doué-la-Fontaine Brillenbär im Zoo de Doué-la-Fontaine

Brillenbär im Zoo de Doué-la-Fontaine Brillenbär im Zoo de Doué-la-Fontaine

Auch im letzten Teil des Zoos gab es noch eine Ganze Reihe Affen zu entdecken. Klammeraffen leben in Gruppen auf bewaldeten Inseln und Weißgesichtssakis und Goldene Löwenäffchen bewohnen einen kleinen Bambusurwald.

Braunkopfklammeraffe im Zoo de Doué-la-Fontaine

Bevor wir den Zoo verließen, ging es noch einmal zurück zu den Löwen und den Roten Pandas, dann verabschiedete ich mich noch von den Giraffen und versprach ihnen im nächsten Jahr wiederzukommen in das grüne Paradies mit den ockerfarbenen Felsen im Tal der Loire, in dem die Tiere Botschafter ihrer Art sind und den Besuchern zeigen, wie wichtig es ist, dass man sich für den Erhalt ihrer verletzlichen Lebensräume überall einsetzt und wo es den Menschen, die für sie sorgen, am Herzen liegt, sie in ihrem Zoo so artgemäß wie möglich unterzubringen.

Weißkopfsaki im Zoo de Doué-la-Fontaine

Die Informationen habe ich hier gefunden:

Über den Zoo:

Pierre Gay, Des Zoo pour quoi faire?, Delachaux et Niestlé, Paris 2005,

auf der Homepage des Zoos de Doué,
auf der Seite von Zoonaute,
in der Zeitschrift Begegnung Zoo,
auf der Seite Les Zoos dans le monde,
im Blog von Danièle Boone,
im Forum von Les Zoos dans le monde,

über die Giraffen:
im Smithsonian Magazine,

über die Persischen Leoparden:
bei Humaterra,

über die Südamerika Voliere:
bei Ulmer,

über die Geier:
bei Zoonaute,

über die Spitzmaulnashörner:
im Forum von Les Zoos dans les monde,
beim Informationsdienst Wissenschaft,

über die Riesenotter:
Im Tiergartenrundbrief,
bei Zoonauté,
im Forum von Zoonauté,
auf der Seite des Tierparks Hagenbeck,

über die Brillenbären:
Sur les Pas des Ours

Mehr Bilder aus dem Zoo von Doué-la-Fontaine:

von den Giraffen und Zebras, den Roten Pandas und Luchsen, den Leoparden,
aus der großen Südamerikavoliere, von den Löwen und Tiger, den Geiern,
der Nashornanlage, den Rothandtamarinen,
den Riesenottern, den Brillenbären, den Affen und den restlichen Tieren aus dem Zoo de Doué-la-Fontaine.

Eine Antwort zu “Bioparc Zoo de Doué

  1. Ursula Hoffmann

    Ich war vor ca. 10 Jahren in diesem Zoo und kann nur bestätigen, dass es einer der schönsten Zoos Europas ist. Leider wird nur sehr wenig darüber berichtet. Ich habe eine DVD gekauft, die allerdings schon sehr alt ist ( DM – Zeiten). Gibt es inzwischen etwas Aktuelleres? Ich würde mich sehr freuen, mehr über diesen Zoo zu erfahren, obwohl der obige Beitrag wirklich gelungen und sehr informativ ist. Zum Beispiel war mir nicht klar, aus welchen euro-
    päischen Zoos viele Zuchttiere sind. Eigentlich wollte ich mehr über Binti, die Nashornkuh, erfahren. Ich kenne sie nämlich noch als „Baby“ mit dem Gipsbein. Vielen Dank für den schönen Bericht. Er hat eine Sehnsucht in mir geweckt, mal wieder an die Loire zu fahren.

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