Villars-les-Dombes – „Mythiques Colibris“ im Parc des Oiseaux

Juni 2016

Der Parc des Oiseaux ist ein Vogelpark in Villars-les-Dombes, einem Städtchen 30 km südlich von Bourg-en-Bresse im Osten Frankreichs. Die kleine Gemeinde liegt mitten in einer  reiz- vollen Kulturlandschaft mit unzähligen Wasser-flächen.

Schon im 11. Jh. gruben hier Mönche die ersten Fischteiche. Die wach- sende Nachfrage nach Süßwasserfischen ließ die Zahl der Wasser-flächen ansteigen.

Heute werden immer noch 1.200 Teiche bewirtschaftet – mehr als 10.000 Hektar Wasser. Kein Wunder, dass diese Landschaft auch mehr als 130 Vogelarten einen einzigartigen Lebensraum bietet. Neben Stockenten und Fischreihern kann man hier unter anderem Purpurreiher, Schwarzhalstaucher, Stelzenläufer, Weißbart-Seeschwalben und Kolbenenten beobachten.

Im Jahr 1963 wurde auf Initiative von Philippe Lebreton, einem Professor der Universität Claude Bernard Lyon und bekannten Umweltschützer, und Charles-André Vaucher, einem Ornithologe, Naturfotografen und Naturschützer, ein Schutzgebiet mit einer Fläche von 223 Hektar geschaffen, das schnell eine große Anzahl von Besuchern anlockte. So entstand 1965 die Idee für einen Tierpark, indem man den Besuchern die Vögel der Welt zeigen und sie für den Naturschutz sensibilisieren wollte. Am 26. September 1970 wurde der Parc des Oiseaux eröffnet. Er hat eine Größe 38 Hektar und beherbergt mehr als 2.000 Vögeln, über 400 Arten aus allen fünf Kontinenten.

plan-kolibris

Skizze: Parc des Oiseaux

Wir hatten den Vogelpark 2015 das erste Mal besucht und waren überrascht über die Vielfalt der Arten, die hier in modernen, großzügigen Anlagen gehalten werden, und die schöne Gestaltung. Ganz klar stand er 2016 wieder auf unserem Reiseplan. Man ist gerade dabei den Tierpark umzugestalten und einige älteren Anlagen an die Erforderungen moderner Tierhaltung anzupassen. Ich werde  hier nach und nach diesen Tierpark hier vorstellen.

Der erste Teil ist einigen der kleinsten Vertretern der Vogelwelt gewidmen.

Die erste Anlage direkt neben dem Eingang ist das Haus, das die „Mythiques Colibris“, die mythischen Kolibris, beherbergt. Es wurde im Mai 2015 eröffnet und bescherte dem Vogelpark einen neuen Besucherrekord am Pfingstsonntag. Man musste sich da gedulden, bis man in das kleine Tierhaus hinein konnte. Wir waren im Oktober 2015 und im Juni 2016 da und konnten in Ruhe ohne Wartezeit die kleinen Vögel beobachten.

Blaustern-Antillenkolibri

Die Realisierung des Projektes, das eine Investion von 250.000 Euro erforderte, hat mehr als drei Jahre in Anspruch genommen. Zunächst hatte man mit einem Kolibri Züchter verhandelt, der strenge Regeln für die Übergabe der Vögel verlangte, die den Tierpark vor große logistische Probleme gestellt hätten, die er nicht hätte bewältigen können. Man war schon fast zu dem Entschluss gekommen, die Sache aufzugeben. Christophe Bec, der verantwortliche Tierpfleger des Parks, erzählte 2015 der Lokalzeitung „Le Bien Public“ in einem Interview: „Noch vor drei Jahre dachten wir, dass wir es nicht schaffen könnten. Und dann, nachdem wir mit anderen Züchtern in Kontakt getreten waren, die flexibler waren, erkannten wir, dass es am Ende möglich werden könnte.“

Rostbauchamazilie

Das Haus mit einem begrünten Dach liegt versteckt am Ende eines geschwungenen Weges. Hinter dem Eingang gelangt man zunächst in einen abgedunkelten Raum, dessen eine Seite fünf kleine, beleuchtete Volieren einnehmen, die mit zahlreichen tropischen Pflanzen gestaltet sind. Bei unserem Besuch 2015 waren in vier Volieren je ein Blaustern-Antillenkolibri untergebracht, in der mittleren war eine Rostbauchamazilie zu sehen. 2016 sahen wir in allen Volieren Blaustern-Antillenkolibris.

Blaustern-Antillenkolibris

Der Vogelpark erhielt 2015 zehn Kolibris, die teilweise hinter den Kulissen gehalten werden. Die Vögel waren 5 bis 8 Jahre alt und man beabsichtigt auch in Zukunft mit ihnen zu züchten. Kolibris haben eine Lebenserwartung von 10 bis 12 Jahren. Man plant langfristig auch die Küche, in denen der Nektar zubereitet wird, und die Zuchtkäfige, die die anderen Kolibris beherbergen, für die Öffentlichkeit über einen speziell gestalteten Bereich sichtbar zu machen.

Weißbindentangare

Hinter dem Raum mit den Kolibri Volieren gelangt man in eine eine kleine Freiflugvoliere, die den Nektarivoren, den Vögel, die sich von Blütennektar ernähren, und anderen kleinen Vögeln, die in Süd- und Mittelamerika beheimatet sind, gewidmet ist. Ein Besucherweg führt um einen kleinen „Dschungel“, der eine Seite des Raumes einnimmt, herum. Geduld war nötig, bis wir alle Arten entdeckt und identifiziert hatten, die zwischen den Blättern und Ästen der Bäume und Büsche hin- und herflogen: Lanzettschwanzpipras, Türkisnaschvögel, Türkistangaren, Schwarzscheiteltangaren und Weißbindentangaren. Was unser Unterfangen komplizierte, war die Tatsache, dass die weiblichen Vögel ganz anders aussehen als die Männchen, die auf den Informationsschildern abgebildet waren. Die letzten beiden Arten werden in Europa nur in Villars-les-Dombes gehalten, Lanzettschwanzpipras findet man sonst nur noch im Weltvogelpark Walsrode.

Oben: Weißbindentangare (männlich), Mitte links: Weißbindentangare (weiblich), Mitte rechts: Schwarzscheiteltangare, Unten: Türkisnaschvogel

Bevor man das Haus verlässt, kommt man in einen weiteren Raum , indem den Besuchern Informationen über den Lebensraum und die Biologie der Vögel mit unterschiedlichen Medien – Tafeln, Computerbildschirm, Video – zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt eine schöne, informative Anlage, die sich durchaus mit der Kolibri-Anlage im Weltvogelpark Walsrode messen lassen kann. Ich hoffe, dass man in Villars-les-Dombes auch bei der Kolibri-Zucht erfolgreich sein wird. Christophe Bec war bei dem Interview 2015 zuversichtlich: „Der Mythos, dass der Kolibri ein zerbrechliches Tier ist, ist falsch. Wenn man alle Vorkehrungen, die für eine Entwicklung in Ruhe benötigt werden, trifft, sind sie nicht anfälliger als andere Vögel.“

Lanzettschwanzpipra

Mehr über unseren Besuch im Vogelpark wird man demnächst hier lesen können.

Mehr Fotos aus dem Jahr 2015 und 2016.

Quellen:

http://www.bienpublic.com/cote-d-or/2015/07/29/les-colibris-du-parc-des-oise-aux-petits-mais-costauds

dossier_de_presse_parc_des_oiseaux_-_2015

 

 

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