Monkey World: Bulu Mata feiert Geburtstag

4. September 2016

Bulu Mata wurde an dem Tag, als wir in unserem Großbritannien-Urlaub in der Monkey World landeten, zwei Jahre alt und das wurde selbstverständlich gefeiert. Es war Sonntag, das Wetter mittelprächtig und der Tierpark bei Wool, nicht weit von Poole und Bournemouth entfernt, war gut besucht.

Bulu Mata, ein Sumatra-Orang-Utan, wurde am 4. September im Zoo von Budapest geboren. Seine Mutter Jambi war nur wenige Tage nach seiner Geburt gestorben. Deshalb musste Bulu-Mata von Menschen aufgezogen werden. Mit drei Monaten wurde er in den Südwesten Englands in die Monkey World gebracht, damit er hier unter seinesgleichen aufwachsen kann. Bald bekam er Gesellschaft vom Sumatra-Orang-Utan Mädchen Rieke aus dem Zoo Berlin. Auch sie musste mit der Hand aufgezogen werden, weil ihre junge, unerfahrene Mutter Djasinga sich nicht um sie gekümmert hatte.

Wir konnten uns mit eigenen Augen überzeugen, dass Rieke und Bulu Mata sich prächtig verstehen und auch keine Berührungsängste gegenüber den anderen Mitgliedern der Gruppe haben, die in der Orang-Utan Nursery des Zoos zusammenleben.

Der ruhende Pol der Gruppe, die 22 Jahre alte Hsiao-quai, ein Borneo-Orang-Utan, zog sich schnell in die oberen Region der Außenanlage zurück und machte es sich in einer Hängematte aus Feuerwehrschläuchen gemütlich und ein Teil der Familie tat es ihr gleich. Zu schnell für uns um Fotos zu machen. Hsiao-quai war als Jungtier im Urwald eingefangen worden und landete schließlich in einem Vergnügungspark in Taiwan. Nachdem taiwanesische Behörden sie beschlagnahmt hatten, wurde sie im Juli 2001 zusammen mit einem weiteren Orang-Utan-Weibchen, Lucky, das ihr Schicksal teilte, und drei Gibbons vom Pingtung Rescue Centre for Endangered Wild Animals in Taiwan in den Südwesten Englands gebracht, wo sie sich schnell einlebte. Mittlerweile hat sie hier drei Jungtiere aufgezogen, ihre beiden eigenen Söhne Kai und Jin und ihre Adoptivtochter Awan. Kai wurde am 15. März 2005 geboren, er lebt seit August 2016 in der Rio Safari Elche in Spanien, Jin kam am 12. November 2011 zur Welt. Am 2. Mai 2012 brachte Hsiao-lan, die wie Hsiao-quai aus Taiwan stammt, Awan zur Welt. Sie wusste offenbar nicht, was sie mit dem neugeborenen Baby anfangen sollte, aber Hsiao-quai nahm sich sofort des Babys an und säugte es. Man versuchte eine Bindung zwischen Hsiao-lan und ihren Jungtier aufzubauen, aber das gelang nicht. So gab man Awan ihrer Adoptivmutter zurück und  Hsiao-quai zog sie zu einem selbstbewussten Orang-Utan auf. Seit Dezember 2014 lebt sie in der Orang-Utan Nursery. Man hatte gehofft, dass sie auch Muttergefühle für Bulu Mata und Rieke entwickeln würde und sie säugen würde. Diese Hoffnung hat sich allerdings nicht erfüllt. Hsiao-quai zeigte, dass sie die Babys mochte, aber nicht die Absicht hatte, sich Vollzeit um sie zu kümmern.

Awan ließ sich kurz unten sehen und inspizierte die Reste der Geburtstagsgeschenke. Sie spielt ab und zu mit Rieke und Bulu. Die beiden Kleinen wirkten sehr vertraut mit ihrer großen „Schwester“. Aber am meisten Spaß haben sie am Spiel miteinander.


Neben Hsiao-quai, Jin und  Awan leben noch das Weibchen Oshine und das Männchen Silvestre zusammen mit Rieke und Bulu Mata in der WG in der Nursery. Man schätzt, dass Oshine 1997 in der Wildnis geboren wurde. Sie wurde eingefangen und verbrachte 13 Jahre als Haustier bei einer Familie in Südafrika. Zunächst lebte sie mit der Familie im Haus, als sie älter wurde baute ihr Besitzer ihr ein eigenes Gebäude, in dem sie lebte. Durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung entwickelte sie Übergewicht. Als sie in Monkey World ankam wog sie 100 kg, doppelt soviel wie das normale Gewicht eines Orang-Utans. Bereits 2008 hatte sich Oshines Besitzerin an das Primatenrettungszentrum in England gewand, weil sie erkannt hatte, dass sie ihr nicht die Umgebung bieten konnte, die Oshine brauchte. Es dauerte noch anderthalb Jahre bis das Orang-Utan Weibchen umzog und endlich Kontakt zu Artgenossen bekam. Durch gesunde Ernährung und mehr Bewegung hat sie deutlich abgenommen. Sie scheint aber immer noch gerne zu naschen. Sie spazierte durch die Anlage und sammelte zielstrebig einen Teil der Eierkartons ein, die wohl mit etwas Leckerem gefüllt waren. Sie waren zwar schon leer, aber offensichtlich gab es noch genug Reste darin, die man ablecken konnte. Es ist geplant das Oshine eines Tages in eine der beiden „normalen“ Orang-Utan Gruppen integriert werden soll.

Silvestre konnten wir nicht entdecken. Vermutlich lag er oben in einer der Hängematten oder drinnen im Heu. Er verdankt seinen Namen seinem Geburtsdatum. Er wurde am 31. Dezember 2009 im Zoo de Santillana del Mar in Spanien geboren. Auch seine Mutter kümmerte sich nicht um ihn. Mit knapp einem Jahr kam er dann in die Monkey World. Er ist wie Rieke und Bulu-Mata ein Sumatra-Orang-Utan.

Auch wenn sich nicht alle Geburtstagsgäste sehen ließen, hatten wir und die anderen Zoobesucher sehr viel Freude. Denn das Geburtstagskind Bulu Mata und seine kleine Freundin ließen sich nicht lumpen. Sie spielten mit Eierkartons und Bällen, kletterten munter entlang von Kletternetzen, gespannten Schläuchen und Tauen rund um ein hohes Holzgerüst, das den größten Teil des Außengeheges ausfüllt. Der Weg zum Innengehege war offen, wurde aber nur selten genutzt – ein hoher Raum mit vielen Klettermöglichkeiten, Plattformen in unterschiedlicher Höhe zum Ausruhen und jede Menge Stroh ausgestattet, in das man als Besucher durch ein großes Fenster hineinblicken kann.

Es war unser erster Besuch in der Monkey World, einem Tierpark, der sich als Primatenschutzzentrum versteht. Er wurde 1987 von Jim Cronin gegründet, ursprünglich als Einrichtung um Schimpansen aufzunehmen, die in Spanien für Werbeauftritte missbraucht wurden. Es gibt hier vier Schimpansengruppen, die größten in Europa. Doch bald kamen andere Primaten hinzu, die auch eine neue Heimat benötigten. Die größte Aktion war die Rettung von 88 Kapuzineraffen aus einem Labor in Chile im Januar 2008. Das Labor hatte bei Monkey World angefragt, ob sie die Affen aufnehmen könnten. Der Transport wurde mit Unterstützung der chilensischen Luftwaffe und der britischen Armee durchgeführt.

Mittlerweile beteiligt sich der Primatenpark an den Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen für Borneo-Orang-Utans, Südliche Gelbwangen-Schopfgibbons und Wollaffen und an in situ Artenschutzprogrammen, u. a. für Gelbwangen-Schopfgibbons im Cat Tien National Park in Südvietnam.   Einer seiner Schwerpunkte ist die Aufzucht und Integration von Orang-Utans, die mit der Hand aufgezogen werden müssen. Es ist ein sehr guter Tierpark, mit großzügigen Gehegen, die in erster Linie den Bedürfnissen ihrer Bewohner Rechnung tragen. Trotzdem hat man als Besucher viele Möglichkeiten, die Tiere durch Zäune und Glasscheiben zu beobachten.

Mehr Bilder gibt es hier:

https://www.flickr.com/photos/ullij/albums/72157675102669216/with/30287023746/

Quellen:

http://www.monkeyworld.org/home.php

http://www.go-east.org/Content/FCKeditor/upfiles/0915160130441_Journal%20Vol%202%20(3)_13042015.pdf

http://www.monkeyworld.org/userfiles/ARC55_LowRes.pdf

http://aboutzoos.info/images/stories/database_zoos/monkeyworld.pdf

http://www.monkeyworld.org/ape-rescue-chronicle/spring-2015.htm

http://www.monkeyworld.org/news/232/oshine-the-orangutan-arrives-at-monkey-world.htm

http://www.zoobudapest.com/ezt-latnod-kell/hirek/kuzdelem-az-elarvult-orangutan-kolyok-eleteert/

http://www.zoochat.com/38/monkey-world-news-400648/index2.html

http://www.ksta.de/panorama/affenbaby-rieke-in-monkey-world-unter-inselaffen-940474

http://www.zoobudapest.com/ezt-latnod-kell/hirek/angliaba-utazott-a-nagyobbik-orangutan-kolyok

https://en.wikipedia.org/wiki/Monkey_World

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/england/dorset/7217707.stm

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3 Antworten zu “Monkey World: Bulu Mata feiert Geburtstag

  1. Hallo Ulli,

    vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich hatte mich schon über die vielen Fotos auf FlickR sehr gefreut. Es ist toll, dass es solche Institutionen gibt und ich freue mich riesig, dass es Rieke dort mit Bula Mata so gut geht.

    LG Elke

  2. Vielen, vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht und die tollen Aufnahmen!
    Das ist ein großartiges Zentrum, wie gut, dass es so etwas gibt.
    Happy Birthday nachträglich, kleiner Bulu Mata !
    Liebe Grüße und nochmal Danke,
    Brigitte

  3. Liebe Ulli,

    ohhhhh endlich komme ich dazu, deinen wundervollen Bericht zu verschlingen! Mit „meiner“ Rieke 😉 Ich freue mich sehr, dass ihr einen schönen Tag in Monkey World hattet! Da kann ich auch nur Danke sagen für den wirklich wundervollen Bericht und die tollen tollen Bilder!

    Viele Grüße
    Claudia

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