Zoo in der Wingst – von „Baby-Zoo“ zum modernen Tiergarten

Es war ein recht kühler Ostersonntag, aber die Sonne schien und weiße Wolkenschiffe zogen am Himmel entlang. Ideales Wetter für eine Zoosafari. Es war unser erster Besuch im Zoo in der Wingst. Der mit rund neun Hektar recht kleine Tierpark liegt im Nordosten von Bremerhaven. Neugierig darauf, was uns erwartete, bezahlten wir am Eingang den Eintrittspreis, der mit 6,50 Euro recht preiswert ist. Der Zoo ist in zwei Teile geteilt, den alten Zooteil und ein etwa zwei Hektar großes Erweiterungsgelände, in dem der Wolfs- und Bärenpark untergebracht ist. Der liegt ein Stück entfernt auf der anderen Seite des Besucherparkplatzes. Insgesamt kann man hier rund 480 Tiere aus über 60 verschiedenen Tierarten anschauen.

Weißstorch im Zoo in der Wingst

Direkt hinter dem Eingang begrüßte uns der erste Zoobewohner – ein Weißstorch. Er saß in einer Ecke der Storchenwiese vor einem Ei. Ein zweiter Storch stakste über die Wiese und Meister Adebar Nummer Drei war dabei ein Nest auf dem Zookiosk, der mitten im Zoo liegt, auszubessern. Der fleißige Baumeister war vermutlich Willy, der im Februar 2012 von seinem Winterurlaub in Afrika zurück kehrte. Er schlüpfte 2008 hier in der Wingst aus dem Ei und ist seit 2010 der Partner von Frida, der Störchin des Tierparks. Frida ist seine Mutter, aber man muss sich um Inzucht keine Gedanken machen, bei Störchen würde das erst bei der 30. Generation zu Problemen führen. Willy hat eine für ihn recht anstrengende Eigenart. Er richtet Jahr für Jahr das Nest oben auf dem Kiosk gemütlich her, obwohl seine Partnerin Frida flugunfähig ist und nur auf dem Boden brüten kann. Für sie muss er dann ein zweites Nest bauen und damit fängt er auch schon erst einmal an, wenn schon das erste Ei gelegt wurde.

Weißstorch im Zoo in der Wingst

2011 gab es trotz dieser Umstände Nachwuchs. Der junge Vater Willy half der erfahrenen Frida eifrig bei der Aufzucht seiner Nachkommen, die obwohl sie wegfliegen könnten, noch im Zoo in der Wingst leben. Die Besucher des Tierparks konnten die beiden Störche und ihre Jungen gut beobachten, denn das Bodennest liegt direkt an einer Ecke der Storchenwiese neben dem Besucherweg. Ob es dieses Jahr auch mit dem Nachwuchs klappen wird, wissen wir nicht, aber ein Ei schien Frida schon einmal gelegt zu haben.

Die Gehege im Zoo in der Wingst sind rund um einen zentralen Platz mit dem Zookiosk angeordnet, der vor dem Streichelzoo liegt. Hinter der Storchenwiese liegt die Anlage der Rosaflamingos. An der nächsten Ecke warteten die ersten Primaten auf uns. Im Zoo in der Wingst kann man Affen aus zehn verschiedenen Arten beobachten. Die Anlagen der Hanuman-Languren und der Grünen Meerkatzen liegen einander gegenüber. Hinter der Meerkatzenanlage folgen in einer Reihe die Gehege der Schopfmangaben und der Brazzameerkatzen. Bei den beiden Hanuman-Languren, die auch Hulmane heißen, war kuscheln angesagt. Im Zoo in der Wingst leben zwei Männchen, Brüder, die im Zoo Hannover geboren wurden. Die beiden Männer verstehen sich sehr gut und leben harmonisch zusammen. Sie sind mittlerweile so alt, dass man kein weiteres Männchen dazu gesellen kann. Die Affen gelten in ihrer Heimat in Indien als Verkörperung des Affengottes Hanuman. Sie bevölkern Tempelanlagen und haben Narrenfreiheit. Sie gelten als heilige Tiere, die nicht belästigt werden dürfen, auch wenn sie Felder verwüsten oder Getreidespeicher plündern. Da geht es bei den Affen des Zoos in der Wingst schon gesitteter zu. Die beiden Brüder waren mit der gegenseitigen Fellpflege, dem Crooming, beschäftigt. Auch in der Natur gibt es Junggesellengruppen, die Tiere jeden Alters umfassen und in denen einige Affen ihr ganzes Leben verbringen.

Hanuman-Languren im Zoo in der Wingst

Der  Zoo in der Wingst wurde am 22. Juni 1972 von der Tierhandelsfirma Ruhe als „Baby Zoo“ gegründet. Man kaufte Jungtiere in zoologischen Einrichtungen auf, die von ihren Eltern nicht angenommen worden waren. Sie wurden in der Wingst von Tierpflegern aufgezogen und dann an andere Zoos abgegeben. Durch die Handaufzucht wurden die Tiere an Menschen gewöhnt, eine Tatsache, die damals sehr wohl gewollt war. Denn so eigneten sie sich viel besser für das Leben in den Zoos in diesen Jahren, als ihre Eltern, die damals noch meist in der Wildnis eingefangen worden waren. Im Zoo in der Wingst durften die Zoobesucher damals die meisten Tiere anfassen und streicheln. Als sich die Zoos änderten und die Haltung der Tiere verbesserten, zogen immer mehr Tiermütter ihre Jungtiere selbst auf und alle Zoos begannen damit, sich selbst um die Tieraufzucht zu kümmern. Dadurch fanden die „Wingster Babies“ nicht mehr so leicht Abnehmer und die Tieranlagen, des Baby Zoos entsprachen auch nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. So musste in den 1990 er Jahren die Firma Ruhe Konkurs anmelden und die Gemeinde Wingst übernahm den Zoo.

Grüne Meerkatze im Zoo in der Wingst

Hinter der Anlage der Hulman Languren liegen die Gehege der Ozelots und Servale. Die Ozelots sorgen regelmäßig dafür, dass es in dem ehemaligen Baby Zoo auch heute noch Tierbabys zu sehen gibt. Das erste Jungtier des Zuchtpaares kam im Mai 2008 zur Welt. Seitdem gab es jedes Jahr Nachwuchs. Auch 2012 kam schon ein kleines Ozelot zur Welt. Man hofft, dass es wieder ein weibliches Tier ist, denn 80 % aller Ozelot-Jungtiere die in Zoos geboren werden, sind Männchen. Aber der Nachwuchs in der Wingst war stets weiblich. Gesehen haben wir das Jungtier nicht, dafür aber drei der erwachsenen Ozelots des Zoos, die in zwei Außengehegen die Sonne genossen. Die Anlagen sind mit vielen Pflanzen, Mulch auf dem Boden, Baumstämmen und Steinen abwechslungsreich für ihre Bewohner gestaltet.

Ozelot im Zoo in der Wingst

Auch die fast zwanzig Jahre alte Bengaltigerin Rani sonnte sich in ihrer Anlage. Sie lebt allein, seit im Frühsommer 2011 ihr langjähriger Partner Radja gestorben ist. Rani und Radja sollen 1992 in einem ungarischen Zoo geboren sein. Als 2007 die Braunbären des Zoos in ihren neuen Bärenwald eingezogen waren, wurde die Bärenanlage umgestaltet und Radja und Rani dort einquartiert. Doch die beiden alten Raubkatzen fanden keinen Gefallen an ihrem neuen Zuhause. So gestaltete man ihre alte Anlage um, es gab neue Pflanzen und verschönerte das Wasserbecken mit Steinen und Felsbrocken und Rani und Radja durften zurück in ihr altes Zuhause ziehen. Rani soll hier ihren Lebensabend in Ruhe genießen dürfen. In einem Medienbericht wurde angekündigt, dass ihr bald eine junge weiße Tigerin aus dem Zoo Aschersleben Gesellschaft leisten soll. Wenn Rani tot ist, will man die Tigeranlage vollständig neu gestalten. Die Fläche soll verdreifacht werden. Rani ist eine wunderschöne Raubkatze, die für ihr Alter ein wirklich beeindruckendes Gebiss hat.

Bengaltiger Rani im Zoo in der Wingst

Seit 2000 gehört der Zoo in der Wingst der Gemeinde und diese gestaltet ihn mit Hilfe eines Zoovereins um. Im Jahr 2001 übernahm der ehemalige Direktor des Zoos am Meer Dr. Rüdiger Wandrey die Leitung des Tierparks. Seitdem ist aus dem ehemaligen Baby Zoo ein moderner Tiergarten geworden, wenn auch noch einiges zutun bleibt. So entstand gegenüber von den Raubkatzenanlagen eine moderne, für Mensch und Tier attraktive Anlage für Kurzkrallenotter, auf der zwei Weibchen, die im Tierpark Neumünster geboren wurden, und ein Männchen, Ottwin leben, der im Zoo am Meer in Bremerhaven zur Welt kam.  Ottwin ist das offizielle Maskottchen und Patentier der Nachbarstadt Otterndorf. Und dieser Tatsache verdankt er auch seinen Namen – Otterndorf und Wingst. Bei unserem Besuch hatte er es sich mit einer seiner Gefährtinnen in einem hohlen Baumstamm gemütlich gemacht.

Zwergotter im Zoo in der Wingst

Auf der anderen Seite des Besucherweges konnten wir einer Familie Pampashasen zu sehen. Gleich zwei Maras hatten je zwei Jungtiere, die munter durch das Gehege hoppelten und sich bei ihren Müttern mit einer Milchmahlzeit stärkten. Im Zoo in der Wingst freut man sich sehr über diesen Nachwuchs. Denn lange Jahre hatte man zunächst vergeblich auf Nachwuchs gehofft, weil die vermeintlichen beiden Weibchen des Tierparks, die zusammen mit einem männlichen Tier auf der Känguruwiese des Tierparks lebten, in Wahrheit zwei Männchen waren. Nach dem Tod der beiden Tiere wollte man 2010 schon die Haltung der Maras aufgeben, als der Zoodirektor, Dr. Wandrey, einen Anruf seines Kollegen vom Zoo in Bernburg erhielt, der der dringend ein paar Mara-Weibchen „loswerden“ wollte. Da traf es sich gut, dass im Zoo in der Wingst die Anlage der Capybaras neu besetzt werden musste. Kaum waren die drei Bernburger Mara-Weibchen umgezogen, kam auch schon ein weiterer Anruf aus Benburg. Dort waren unerwartet einige Maras gestorben und man erkundigte sich, ob es den Weibchen gut ginge. Als das bejaht wurde, meldete man sofort Ansprüche auf möglichen Nachwuchs der drei Damen an. So freute man sich nicht nur in der Wingst über den ersten Nachwuchs, der sich Mai 2010 prompt einstellte.

Mara im Zoo in der WingstMara im Zoo in der Wingst

Maras im Zoo in der Wingst

Hinter den Maras leben in der ehemaligen Bärenanlage heute Löwenkater Leo mit seinen zwei Gefährtinnen Azana und Kibibi. Leo und Azana sind Wurfgeschwister, die im April 2006 im Zoo Rostock geboren wurden. Seit Juli 2007 leben sie im Zoo in der Wingst. Den beiden gefiel die von den Tigern verschmähte Anlage von Beginn an gut und sie lebten sich schnell in ihrem neuen Zuhause ein. Im Januar 2009 erhielten sie Gesellschaft von Luna, einer Löwin, die im April 2008 im Zoo Osnabrück zur Welt kam. Luna erhielt in Wingst einen neuen Namen, sie wurde Kibibi getauft. Kibibi bedeutet in Swahili „kleine Lady“. Ganz ohne Probleme verlief die Einführung der jungen Löwin zunächst nicht. Während Löwenkater Leo die neue Frau in seinem Rudel schnell ins Herz schloss, dauerte es bei seiner Schwester doch ein bisschen länger, bis der Zickenzoff sich gelegt hatte. Doch mittlerweile haben sich auch die beiden Löwinnen zusammengerauft. So konnten wir ein harmonisches kleines Löwenrudel beobachten. Die beiden Löwinnen schliefen in der Sonne, während der Herr des Geheges einen Inspektionsrundgang durch sein Reich unternahm.

Afrikanischer Löwe Leo im Zoo in der Wingst

Nachwuchs ist für die Zukunft nicht vollständig ausgeschlossen, aber natürlich sollen Azana und Leo sich nicht paaren, da sie Geschwister sind. Aber Kibibi entstammt einer ganz anderen Blutlinie und so wird es vielleicht in der Wingst einmal Nachwuchs von ihr und Leo geben. Bis vor kurzen erhielten die Löwinnen einmal in der Woche die „Pille“ zusammen mit ihrem Futter. Doch seit dem vorigen Jahr wird eine modernere Verhütungsmethode bei den Löwen praktiziert. Leo erhält eine Jahres-Hormonspritze.

Afrikanische Löwin Azana im Zoo in der WingstAfrikanische Löwin Kibibi im Zoo in der Wingst

Afrikanische Löwinnen Kibibi und Azana im Zoo in der Wingst

Afrikanische Löwin Azana im Zoo in der WingstAfrikanische Löwin Kibibi im Zoo in der Wingst

Besonders gut hat uns das begehbare Gehege der Lisztaffen gefallen. Es wurde 2010 eingeweiht. Die Anlage wurde mit finanzieller Unterstützung des sehr aktiven Fördervereins des Zoo realisiert. Der alte Besucherweg, der früher an dem Gehege vorbeiführte wurde mit einer Gitterkonstruktion überspannt, die einen Hügel hinunter reicht, der vorher ungenutzt war. Dadurch entstand eine Anlage, die den kleinen Krallenaffen eine Fläche zur Verfügung stellt die zwanzig Mal so groß ist wie das frühere Gehege. Sie liegt vor dem kleinen Tropenhaus des Zoos, in dem die Innengehege der Krallenaffen liegen. Die Zoobesucher erhalten Zugang durch zwei Schleusen, die verhindern, dass ein einer der kleinen Bewohner ausbüchst. Direkt neben dieser Anlage entsteht im Augenblick eine weitere begehbare Anlage, in die im Laufe des Jahres 2012 eine weitere Krallenaffenart einziehen soll. Es werden im Zoo in der Wingst neben den Lisztaffen noch Rotbauchtamarine und Weißkopf-Büschelaffen gehalten. Auch die Papageien sollen dieses Jahr neue Volieren erhalten.

Lisztaffen im Zoo in der Wingst

Nur ein Teil der 14 Lisztaffen des Tierparks wagte sich bei dem frischen Wetter in die Außenanlage. Wie sie da über unseren Köpfen hockten und auf uns hinabschauten, musste ich an die Muppetshow und die Herren Statler und Waldorf denken, und konnte fast die ironischen Kommentare hören, die sie vielleicht über ihre menschlichen Besucher äußern würden, wenn sie könnten. Ich hatte den Eindruck, dass die kleinen Affen genauso viel Spaß an uns hatten wie wir an ihnen.

Lisztaffe im Zoo in der Wingst

Gegenüber von den Anlagen der Krallenaffen leben Guanakos und ein Stück weiter kann man die Japanmakaken des Tierparks beobachten, die eine sehr große Anlage bewohnen, in die man nicht nur vom Zaun aus, sondern auch vom Dach des Hauses mit den Innengehegen hineinblicken kann. Einen Teil davon – etwa 1000 qm –  mussten sie im April 2011 abtreten. Hier lebt im Augenblick das kleine Dingo Rudel des Zoos. Bimby, Niley und Maiya stammen aus dem Institut für Haustierkunde in Kiel, das aufgelöst wurde. Da die Tiere menschensozialisiert sind, sind sie besonders freundlich und verträglich. Der Rüde Bimby ist acht Jahre alt, die beiden fünfjährigen Weibchen sind Schwestern. Bei den ersten Schritten in ihr neues Zuhause konnte man deutliche Unterschiede zwischen den Dingos erkennen. Niley durfte als erste das Gehege beziehen. Sie rannte sofort los und machte prompt sofort eine unliebsame Begegnung mit dem Stromzaun, worauf sie  sich unter einem Holzstapel verkroch. Bimby ging da deutlich vorsichtiger vor. Er steckte zunächst vorsichtig die Nase aus der hinaus und ließ sich dann mehrere Minuten Zeit, um sein neues Reich zu erkunden. Mittlerweile haben sich alle drei Dingos gut eingelebt und sind zu den besonderen Lieblingen der Zoobesucher geworden.

Dingo im Zoo in der Wingst

Anfang des Jahres 2012 brachte Niley zur Überraschung der Zoomitarbeiter mitten im Winter in einem ausgehöhlten Baumstamm drei Welpen zur Welt. Eigentlich werden Dingo Jungtiere im Frühjahr geboren. Die drei Jungtiere haben sich trotz ihres ungewöhnlichen Geburtstermins prächtig entwickelt. Man ist im Augenblick dabei sie an Menschen und an die Leine zu gewöhnen. So dürfen sie von Zeit zu Zeit einen Ausflug durch den gesamten Zoo unternehmen – manchmal sogar mit dem Zoodirektor höchstpersönlich.

Bei unserem Besuch schliefen sie zunächst in einem abgetrennten Gehege. Später trafen wir sie dann am Eingang des Wolfs- und Bärenwaldes wieder. Sie wurden von ihren Tierpflegern ausgeführt. Diese erzählten uns, dass die drei eine ziemlich ungestüme Bande sind, die den Aufenthaltsraum der Tierpfleger schon einmal kräftig in Unordnung gebracht haben. Im Laufe des Jahres werden die Dingos in das Erweiterungsgelände umziehen. Ihre neue Anlage war bei unserem Besuch schon fast fertig gestellt, die Japanmakaken werden also bald wieder ihre gesamte Anlage bewohnen können.

Dingowelpe im Zoo in der Wingst

Hinter dem kleinen Tropenhaus des Tierparks mit Terrarien, tropischen Vögeln und Aquarien mit bunten Fischen, leben u.a. drei Marderhunde, Fuchsmangusten und besonders hübsche Hauskaninchen. Sie gehören zu der Rasse Japaner, eine Kaninchenrasse, von der ich noch nie gehört hatte. Die Rasse ist in Frankreich entstanden und entstammt einer Kreuzung aus wildfarbigen Hauskaninchen mit gescheckten Holländerkaninchen. Die Rasse wurde erstmals 1889 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt. Sie kam später über England und Holland nach Deutschland. Nicht nur mir haben die mittelgroßen Kaninchen, deren Fell eine Zeichnung aus schwarzen und gelben Streifen und Flecken aufweist, besonders gut gefallen. Viele Zoobesucher blieben an der Anlage stehen und freuten sich über die zahlreichen Jungtiere.

Japaner im Zoo in der Wingst

Wir blieben eine ganze Zeit an der Anlage der Kapuzineraffen stehen. Ich mag die kleinen Affen mit ihren Lausbubengesichtern besonders gerne und schaue ihnen immer lange zu. Leider konnte man sie im Zoo in der Wingst nur schlecht fotografieren, weil der Abstand zum Gitter der Anlage für die Kamera zu groß ist. Auch bei den Brazzameerkatzen haderte ich mit dem Abstand zum Gitter. Hier turnte ein Jungtier, das im Dezember 2010 zur Welt kam, zusammen mit seinen Eltern, die aus dem Zoo Aschersleben stammen, durch das Gehege. Leider saß das Jungtier immer genau an der falschen Stelle, um es ablichten, oder es bewegte sich viel zu schnell, um ein scharfes Foto von ihm machen zu können. Die Faxen des Youngsters neben an, schienen auch die Schopfmangabe zu interessieren, die in der benachbarten Anlage untergebracht ist. Sie beobachtete eine ganze Zeit konzentriert die Kletterübungen der jungen Meerkatze.

Gehaubter Kapuziner im Zoo in der Wingst

Brazzameerkatze im Zoo in der WingstSchopfmangabe im Zoo in der Wingst

2009 wurde der frisch renovierte Streichelzoo des Tierparks eröffnet. Der Kinderbauernhof ist einem klassischen niedersächsischen Bauernhof nachempfunden. Kinder können hier mit Zwergziegen, Schafen und Alpakas auf Tuchfühlung gehen, allerdings nur, wenn die Tiere auch Lust dazu haben. Wenn sie sich zu sehr bedrängt fühlen, können sie sich jederzeit in die für die Besucher nicht zugänglichen Ruhezonen zurückziehen. Natürlich gibt es auch Meerschweinchen, die gestreichelt werden dürfen und durch eine Glasscheibe kann man Farbmäuse beobachten.

Farbmaus im Zoo in der Wingst

Seit 2011 kann man in der Wingst auch den Bennetkängurus ohne Schranken ganz nahe kommen. Eine begehbare Känguru Anlage wurde eingeweiht. Wir schauten den Kängurus eine Zeit zu und hielten dann noch bei der Voliere der Schneeeule an, die gerade ein paar Eintagsküken genussvoll verspeiste. Es hatten sich eine ganze Reihe von Zoobesuchern vor der Anlage versammelt und alle beobachteten die Eule ganz genau bei der Mahlzeit. Allerdings mit sehr unterschiedlichen Reaktionen. Während ich darüber nachdachte, dass das Menu dem Vogel offensichtlich sehr gut mundete und spontan , „Oh wie lecker“, sagte. Rief ein Mann neben mir gleichzeitig „Igitt!“ Wir mussten beide lachen. Vielleicht war er ja Vegetarier. Ich esse selbst ganz gerne ein Hähnchen, allerdings gegrillt und ohne Kopf und Füße.

Schneeeule im Zoo in der Wingst

Das Highlight unserer Zoosafari in der Wingst waren die neuen Anlagen im Erweiterungsgelände des Zoos. Es ist in zwei Teilanlagen gegliedert. Eine Anlage wird von den drei Braunbärinnen Mischa, Marka und Munja und einer Wölfin Kira bewohnt, in der anderen lebt das zehnköpfige Wolfsrudel des Zoos. Die Anlagen liegen im Wald und bieten so den Tieren eine Umgebung, die ihrem natürlichen Lebensraum entspricht. Da die Bärinnen es sich an recht weit von einander entfernt liegenden Plätzen in ihrer Anlage gemütlich gemacht hatten, gingen wir zunächst zum den Wölfen hinüber.

Braunbär im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der Wingst

Man kann um die gesamte Anlage herumgehen und hat durch einen Zaun einen guten Blick in die Anlage hinein. An einer Stelle gibt es eine Besucherplattform mit Bänken, von der aus man die Tiere gut beobachten kann, weil sie genau vor dem Ruheplatz des Rudels liegt. Auf der anderen Seite kann man von einer Aussichtsplattform auch über den Zaun in die Anlage von oben hineingucken.

Wölfe im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der Wingst

2007 zogen Bernhard, Wingo, Wotan, Keno, Yiva und Jordis in den neuen Wolfs- und Bärenwald ein, sechs Wölfe, die 2006 im Tierpark Friedrichsfelde in Berlin geboren wurden. Im Sommer 2011 brachte die Alphawölfin Jordis fünf Welpen zur Welt. Der Vater der Jungtiere ist vermutlich Bernhard. Vier der Jungtiere leben auch heute noch in dem Rudel. Sie sind mittlerweile fast genauso groß wie die anderen Mitglieder des Rudels. Einige der Rudelmitglieder hatten sich Schlafplätze in der Sonne in der Nähe des Zauns ausgesucht, andere streiften durch die große Anlage.

Wolf im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der Wingst

Eine weitere Wölfin, Kira, lebt zusammen mit den drei Braunbärinnen in einem Gehege. Sie stammt wie die Dingos aus dem Institut für Haustierkunde in Kiel. Sie hatte dort schon eine ganze Zeit alleine gelebt. Der Zoodirektor, Dr. Wandrey, war auf ihr Schicksal aufmerksam gemacht worden, als er die Dingos abholte. Da man von vorneherein geplant hatte, die Braunbären mit Wölfen zur vergesellschaften, entschloss er sich spontan auch der Wölfin in seinem Zoo ein neues Zuhause zu bieten. Kira soll nicht der einzige Wolf bleiben, der den Bären Gesellschaft leistet. Sie soll auch einen Partner bekommen und mit ihm ein neues Rudel gründen.

Wölfin Kira im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der Wingst

Doch der erste Versuch ihr einen Wolf an die Seite zu stellen ging gründlich schief. Man hatte „Kleiner Wolf“, einen der fünf im Zoo geborenen Welpen, mit etwa viereinhalb Monaten zu Kira und den Bären gebracht. Doch es schien ihm dort nicht gefallen zu haben. Er fand ein Schlupfloch und büxte aus. Man versuchte wochenlang ihn wieder einzufangen, aber das blieb erfolglos. Die Fachleute streiten darüber, ob er alleine in der Lage ist in der Freiheit zu überleben. Man muss hoffen, dass die recht behalten, die ihn für einen besonders klugen Wolf halten, der genug zu fressen findet, bis er gelernt hat zu jagen.

Braunbär im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der Wingst

Als wir wieder an der Anlage der Braunbären ankamen, hatten die drei Damen ein Einsehen. Eine nach der anderen wurde langsam wach, spazierte durch die Anlage und posierte zur Freude von einigen Fotografen regelrecht vor den Kameras. Die Anlage der Bären ist weniger dicht bewaldet als die Wolfsanlage. Es gibt ein (leider blau angestrichenes) Wasserbecken, in dem die Bären schwimmen können, tote Baumstämme  und Röhren, die Schlafplätze für die Bären bieten. Der Bau des Wolfs- und Bärenwaldes hat insgesamt rund 1,2 Millionen Euro gekostet, die aus Fördermitteln der Europäischen Union und von der Samtgemeinde Dobrock finanziert wurden. 2012 soll neben der Dingoanlage, die schon fast fertiggestellt ist, auch noch eine Anlage für Europäische Luchse errichtet werden.

Braunbär im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der Wingst

Braunbär im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der WingstBraunbär im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der Wingst

Braunbär im Wolfs- und Bärenwald des Zoos in der Wingst

Unsere Zoosafari in der Wingst hat uns viel Spaß gemacht und der Zoo hat uns gut gefallen. In den letzten Jahren sind hier gute, großzügige neue Anlagen geschaffen worden oder alte umgestaltet worden, die den Tieren eine naturnahe Umgebung mit viel Abwechslung bieten und das mit im Vergleich zu vielen anderen Zoos recht bescheidenen finanziellen Mitteln. Wir werden bestimmt wieder hier vorbei schauen, wenn wir in Norddeutschland Urlaub machen.

Mehr Bilder von dem Besuch am Ostersonntag 2012 im Zoo und  im Wolf- und Bärenwald in der Wingst.

Die Informationen habe ich hier gefunden:

Auf der Homepage des Zoos

und in der Wikipedia

Zu den Störchen Willy und Frida:

http://www.cn-online.de/lokales/news/wingster-zoo-storch-willy-ist-zurueck.html
http://www.nez.de/nez-galerie/stoerche-im-zoo-haben-nachwuchs.html
http://www.nordsee-zeitung.de/index.php?artikel=-Storchen-Odyssee-im-Zoo-in-der-Wingst-&arid=349051&pageid=17

zu den Hanuman-Languren:

http://www.cn-online.de/lokales/news.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=20363&cHash=e6e22bcb5dc4ef8b66380f24b38eea46
http://de.wikipedia.org/wiki/Hanuman-Languren

zu den Ozelots:

http://www.wingstzoo.de/wingst_zoo/Aktuelles/06_wolfsgehe2.html

zu den Tigern:

http://www.nez.de/nez-galerie/fuenf-wolfswelpen-im-wingster-zoo.html?tx_ttnewsextender_pi5%5Bpage%5D=0&tx_ttnewsextender%5BimgIndex%5D=0&cHash=70a088850726ceba8a4cbec944673742&print=1
http://www.wingstzoo.de/wingst_zoo/Aktuelles/03_Tigergehege.html
http://www.cn-online.de/lokales/news/weisse-tiger-fuer-die-wingst.html

zu den Maras:

http://www.cn-online.de/lokales/news/nachwuchs-bei-den-maras.html?tx_ttnewsextender%5BimgIndex%5D=0&cHash=6b05c84d38

zu den Löwen Leo, Azana und Kibibi:

http://www.nez.de/nez-galerie/tierparkchefs-beim-zoobesuch.html?tx_ttnewsextender%5BimgIndex%5D=0&cHash=bd75e812195b01eec9c30d745051cc9b&print=1
http://www.nordsee-zeitung.de/index.php?artikel=-Wingst-Pillentag-fuer-die-Loewendamen-&arid=309642&print=1&pageid=17
http://www.parkscout.de/magazin/zoo_osnabrueck_loewen_nachwuchs_luna_ist_umgezogen

zu den Erdmännchen:

http://www.cn-online.de/lokales/news/erdmaennchen-neu-im-zoo.html

zu den Krallenaffen und ihrer begehbaren Anlage:

110522_SJNZHF_062
http://www.urlaubskataloge-gratis.de/news/wingst,2282.html

zu den Dingos:

http://www.cn-online.de/lokales/news.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=27464&tx_ttnewsextender%5BimgIndex%5D=0&cHash=028d0a6f4ee3631b0ce0a59bda759349
http://www.cn-online.de/lokales/news/nachwuchs-dingo-welpen-in-der-wingst.html
http://www.cn-online.de/lokales/news/wingst-dingo-welpen-im-zoo-erleben.html

zur Brazzameerkatze:

http://www.cn-online.de/lokales/news/nachwuchs-bei-den-brazza-meerkatzen.html

zu den Wölfen und Bären:

http://journalist-christian-schmidt.de/uploads/download/ccs_woelfe.pdf
http://www.nez.de/nez-galerie/fuenf-wolfswelpen-im-wingster-zoo.html?tx_ttnewsextender_pi5%5Bpage%5D=0&tx_ttnewsextender%5BimgIndex%5D=0&cHash=70a088850726ceba8a4cbec944673742&print=1
http://www.cn-online.de/lokales/news/tierischer-zuwachs-im-wingster-zoo.html
http://www.abendblatt.de/region/norddeutschland/article438921/Die-Baeren-kommen-in-den-Wald.html
http://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article2060359/Jungwolf-aus-der-Wingst-noch-immer-auf-Wanderschaft.html
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/oldenburg/wolf341.html
http://www.welt.de/vermischtes/article13619695/Entlaufener-Jungwolf-narrt-Haescher-in-Cuxhaven.html

http://www.abendblatt.de/ratgeber/extra-journal/article2112992/Den-Tieren-fehlt-im-Winter-das-Fernsehen.html

Eine Antwort zu “Zoo in der Wingst – von „Baby-Zoo“ zum modernen Tiergarten

  1. Hallo Ulli,

    heute hatte ich endlich Zeit nach unserer Zootour deinen Bericht über den Zoo in der Wingst ausführlich zu lesen und die Fotos zu sehen. Das ist sicher ein Zoo, der einen Besuch lohnt. Danke für die ausführliche Berichterstattung und die tollen Fotos. Den Tieren scheint er auch sehr zu gefallen, der Bär lächelt ganz eindeutig. 😉 http://www.flickr.com/photos/ullij/7201083086/in/set-72157629735354692

    LG Elke

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