Zoo de Maubeuge – eine grüne Oase in einer alten Festung

Der Zoo de Maubeuge ist nur ein kleiner Tiergarten in einer nordfranzösischen Stadt an der Grenze nach Belgien, die nur wenige touristische Anziehungspunkte bietet. Es sei denn man interessiert sich für Festungsbauarchitektur aus dem 17. Jh.. So sind wir bisher immer vorbeigefahren, wenn wir nach Frankreich in den Urlaub fuhren oder auf dem Weg zurück nach Hause waren. In diesem Jahr war es unser erstes Urlaubsziel und das hatte seinen Grund in einer alten Postkarte des Zoos, die wir gefunden hatten und die uns neugierig gemacht hatte. Auf ihr konnte man einen Eisbären sehen, der einmal in dem Zoo gelebt hat, und wir wollten vor Ort mehr darüber erfahren.

Im Zoo de Maubeuge

1955 schuf Pierre Forest den « Jardin de la Roseraie » – den Rosengarten – in dem kurz danach der Zoo errichtet wurde. Pierre Foret war damals der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, der sich um den Wiederaufbau Maubeuges nach dem Zweiten Weltkrieg verdient gemacht hat – die Stadt wurde zu 90 % zerstört. Zunächst zogen Enten, Pfauen, Tauben und ein paar Meerschweinchen ein, aber auch ein Kamel und eine Gruppe Schimpansen. Anfang der 1960er Jahre konnten die Zoobesucher Elefanten, Raubkatzen, Huftiere und Seelöwen bewundern und es gab eine Schule für die Schimpansen, deren Star Maurice war. Der Schimpanse war in Maubeuge bald mindesten so berühmt wie der Bürgermeister der Stadt. Die erste Giraffe zog 1963 in den kleinen Zoo ein.

Trampeltier im Zoo de Maubeuge

In den 1960er Jahren wuchs der Zoo und sein Tierbestand weiter und die bestehenden Tieranlagen wurden verbessert. Zu Beginn der 1970er Jahre gehörte der Zoo de Maubeuge zu den schönsten Zoos in Frankreich. Leider dauerte diese Blütezeit nicht lange. In den folgenden Jahren wurde kaum etwas verbessert und es fehlte auch das Geld für Instandhaltungsarbeiten. Die Tieranlagen entsprachen bald nicht mehr den modernen Anforderungen und der Tierpark musste sich nach und nach von einem Teil seiner Bewohner verabschieden.

Uganda Giraffe Bakahari im Zoo de Maubeuge

2003 startete man einen Neubeginn mit Dr. Goulven Rigaux, einem jungen Tierarzt, der damals mit einem Alter von 29 Jahren einer der jüngsten Direktoren eines französichen Zoos war. Es wurde Geld in die Modernisierung des Zoos investiert, nach und nach entstanden neue naturnahe Gehege, die Gitter verschwanden und wurden durch Glasscheiben ersetzt.  Und es zogen auch wieder neue Bewohner ein – dazu gehörten weiße Tiger, Brillenbären und Asiatische Löwen.

Asiatische Löwin Bayan im Zoo de Maubeuge

Am 3. August 2008 verursachte ein Sturm schwere Schäden im nördlichen Teil des Zoos von Maubeuge. Eine Voliere, das Wildgehege, das Dach des Giraffenhauses und die Anlage der Krallenaffen wurden beschädigt. Drei Luchse konnten aus ihrer Anlage entkommen, aber sie blieben im Zoo und konnten wieder eingefangen werden. Auch Störche und Ibisse wagten einen kurzen Ausflug in den Zoo, doch auch die Vögel konnten unverletzt wieder eingesammelt werden. Der Zoo musste während der Reparaturarbeiten für einige Zeit schließen, aber alle seine Bewohner überlebten das Unwetter unbeschadet.

Heiliger Ibis im Zoo de Maubeuge

Heute leben auf einer Fläche von rund sieben Hektar rund 350 Tiere aus 55 Arten. Der Zoo liegt mitten in der Stadt gegenüber vom Rathaus, in einem Teil einer ehemaligen Befestigungsanlage, die von 1679 bis 1685 von Sébastien Le Prestre de Vauban, dem Festungsbaumeister Ludwig XIV. errichtet wurde.

Weißstorch im Zoo de Maubeuge

Wir fanden problemlos einen Parkplatz direkt vor dem Eingang des Zoos und freuten uns darüber, dass nur wenige Besucher am Samstagmittag durch den Zoo spazierten und das obwohl zur Feier der Journées européennes du patrimoine – der europäischen Tage des Denkmals – die Einwohner von Maubeuge freien Eintritt in ihren Zoo hatten. Das änderte sich im Laufe des Nachmittages der Zoo wurde immer voller, aber da hatten wir uns schon den ganzen Zoo angeschaut und an seinen Bewohner ungestört erfreuen können. Wir mussten den Eintritt – 8,50 € – bezahlen.

Im Zoo de Maubeuge

Gleich hinter dem Eingang liegt gegenüber von einer großen Voliere mit Störchen, Flamingos und Heiligen Ibissen ein Highlight des Zoos: die Anlage der weißen Tiger. Hier hat es in diesem Jahr Nachwuchs gegeben. Am 6. Juni wurden zwei männliche Jungtiere geboren. Doch als wir in die Anlage hineinschauten war von  Soha et Kalan, wie die Beiden mittlerweile getauft wurden, und ihrer Mutter nichts zu sehen. Der Papa, Shilong, durfte durch die Anlage mit einem kleinen Wasserlauf, einem großen Wasserbecken und vielen Sträuchern, Felsbrocken und Baumstämmen streifen, die der sieben Jahre alte Tiger seit 2008 zusammen mit seiner Partnerin Radjah, die ein Jahr älter ist, bewohnt.

Weißer Tiger im Zoo de Maubeuge

Auf einer Insel hinter der Tigeranlage konnten wir Krauskopfpelikane bewundern, die es sich in dekorativen Posen auf Baumstämmen gemütlich gemacht hatten.

Ein Stück weiter liegt die Anlage der Kamele, auf der ein „blondes“ und ein braunes Trampeltier genüsslich ihren Imbiss verspeisten. Ihre Anlage ist etwas höher als der Besucherweg und so kann man die Gesichter der Tiere aus einer ungewöhnlichen Perspektive betrachten.

Weißstorch im Zoo de MaubeugeKrauskopfpelikan im Zoo de Maubeuge

Krauskopfpelikane im Zoo de MaubeugeTrampeltier im Zoo de Maubeuge

Ein Holzsteg führt zwischen der Anlage, die sich die Capybaras mit Maras teilen, und dem Freigehege der Weißbüscheläffchen hindurch. Das Innengehege der kleinen Krallenaffen liegt hinter der Anlage der Wasserschweine und Pampashasen. Durch einen Gang aus Draht gelangen sie über den Köpfen der anderen Tiere und Zoobesucher hinweg auf ihre Insel. In diesem Gang hockten eine ganze Menge von den kleinen Affen, aber nur einer von ihnen hatte sich auf der Insel niedergelassen. Seine Familienmitglieder rannten in dem Gang hin- und her, entschlossen sich dann aber, sich lieber wieder ins warme Innengehege zurückzuziehen, denn obwohl die Sonne schien, war es recht frisch. Im Wassergraben der Anlage blühten kleine rosafarbige Seerosen.

Weißbüschelaffe im Zoo de Maubeuge

Bereits von hier aus hatten wir die Bewohner des nächsten Geheges entdeckt. Wir konnten sie nicht nur mit unseren Augen, sondern auch mit der Nase wahrnehmen. Zwei Mähnenwölfe liefen durch das Gras der Anlage, hatten es sich aber, als wir ein paar Meter weitergegangen waren, am Rand der Anlage hingelegt, wo man sie nur schlecht sehen konnten. Erst durch ein Fenster auf der anderen Seite der Anlage konnten wir einen Blick auf die beiden wunderschönen Tiere werfen. Insgesamt leben drei weibliche Mähnenwölfe seit 2008 in Maubeuge. Pampa, Inka und Salna stammen aus der Réserve de la Haute-Touche in Obterre.

Mähnenwölfe im Zoo de Maubeuge

Wir folgten den Schildern, die uns den Sens de la Visite angaben, und umrundeten so die Anlage der Kängurus, auf der neben Bennet Kängurus auch Graue Riesenkängurus, Emus und Hühnergänse leben. Auf der anderen Seite des Weges war ein Helmkasuar zuhause. Man konnte ihn zwar recht gut beobachten, für ein Foto aber rannte er zu nahe am Zaun und an der Hecke vorbei, die seine Anlage begrenzen. Später hatte ich aber Glück und erwischte den Vogel, als er im richtigen Abstand zu Kamera und Zaun seinen Inspektionsrundgang machte.

Rotnackenwallaby im Zoo de MaubeugeHelmkasuar im Zoo de Maubeuge

Helmkasuar im Zoo de MaubeugeRotnackenwallaby im Zoo de Maubeuge

Helmkasuare sind die zweitgrößten Vögel Australiens. Sie können bis zu 1,70 Meter hoch  werden und dabei ein Gewicht von bis zu 70 Kilogramm erreichen. Die Weibchen sind größer als die Männchen, unterscheiden sich sonst aber nicht von ihnen. Helmkasuar Weibchen sind recht emanzipierte Tiere. Sie legen zwar die Eier in die Nester, die ihre Partner vorbereitet haben, überlassen dann aber die Brut und die Aufzucht der Jungtiere  den Vätern und ziehen weiter.

Im Zoo de Maubeuge

Wir landeten auf einer Art Terrasse, von der man aus man einen Blick auf die Befestigungsmauern einer Bastion hat. Oben grasten Guanakos und Schafe, unten im Graben entdeckten wir Hirschziegenantilopen und Flusspferde. Wir hatten Hunger und Durst und freuten uns über ein Schild, dass uns zu dem kleinen Zoorestaurant wies, das gleich neben der Giraffenanlage liegt. Man durfte allerdings keine allzu hohen kulinarischen Erwartungen haben. Es gab nur ein ziemlich eingeschränktes Angebot und das warme Essen, das es gab, wurde in einer Mikrowelle gewärmt. So musste man wirklich richtigen Hunger haben, um den Hot Dog, den wir uns ausgesucht hatten, halbwegs schmackhaft zu finden. Die Giraffen allerdings entschädigten uns für das eher frugale Mahl.

Westafrikanische Giraffen Djunbel und Umis im Zoo de Maubeuge

Es gibt drei Giraffen im Zoo de Maubeuge. Ein 25 Jahre altes Giraffenweibchen, Daisy, eine Rothschildgiraffe, und zwei junge Männchen – Umis und Djumbel. Die beiden sind Westafrikanische Giraffen, die man nur sehr selten in Zoos findet. Sie stammen aus den Zoo de Vincennes in Paris, der gerade umgebaut wird. Die Giraffen sind die einzigen Tiere, die dort geblieben sind, da man sie nur schlecht transportieren kann. Umis und Djumbel sind erst drei Jahre alt und somit noch nicht geschlechtsreif. Daisy ist eine sehr alte Dame. So besteht keine Gefahr, dass sie von einem der beiden Jungspunde gedeckt wird und eine Hybridgiraffe geboren wird. Daisy hat am 14. Januar 2005 ihr letztes Jungtier zur Welt gebracht – eine Tochter, die Kiara getauft wurde, und seit 2007 im Ouwehands Dierenpark in Rhenen lebt.

Uganda Giraffe Daisy im Zoo de Maubeuge

Der Zoo de Maubeuge unterstützt seit 2009 die ASGN – Association de sauvegarde de la girafe du Niger – die 1994 gegründet wurde, die sich für den Schutz der Giraffen  im Niger einsetzt. 0,10 € von jeder Eintrittskarte werden der ASGN gespendet. 2009 konnten so 12.000 € für die Giraffen gesammelt werden, 2010 waren es sogar 14.360 €. Viele französische Zoos u.a. der Bioparc Zoo de Doué la Fontaine, CERZA und eben auch der Zoo de Maubeuge stellen dieser Organisation finanzielle Mittel zur Verfügung. Sie setzt sich nicht nur für den Erhalt des Lebensraumes der Giraffen ein, sondern unterstützt auch die Menschen, die in der gleichen Region wie die Giraffen leben. Man kann den Tieren nur zusammen mit den dort lebenden Menschen helfen. Auf Initiative des ASGN wurde eine Schutzzone für die Giraffen in der Region Kouré gegründet (ca. 1:30 Fahrt von der Hauptstadt des Niger, Niamey).

Im Zoo de Maubeuge

Nachdem wir uns gestärkt hatten setzten wir unseren Zoorundgang fort und kamen auf dem Weg nach unten in den Graben an der Voliere der Lemuren vorbei. Hier leben Schwarz-Weiße Varis und Rote Varis zusammen. Ein schwarz-weißes Exemplar war scheinbar auf „Krawall gebürstet“ und stellte seinen rot-braunen Vettern nach. Egal, was sie gerade machten, er tauchte auf und verursachte Stress. Nachdem er die anderen so richtig aufgemischt hatte, gesellte er sich zu einem gleichfarbigen Gefährten und ließ sich von ihm genüsslich das Fell lecken.

Roter Vari im Zoo de MaubeugeSchwarzweißer Vari im Zoo de Naubeuge

Unten angelangt kamen wir zunächst bei den Chapman Zebras vorbei. Eine Stute mit einem Jungtier aus dem Vorjahr waren gerade eifrig dabei das Heu zu verspeisen. Neben an konnten wir in einer Anlage mit einem altmodischen schwarzen Gitter, dass innen aber recht abwechslungsreich gestaltet war, zwei Nördliche Hornraben bewundern. Neben an wohnten einer moderneren Voliere Gänsegeier und wieder ein Stück weiter konnten wir Saruskraniche bewundern.

Chapman Zebra im Zoo de MaubeugeNördlicher Hornrabe im Zoo de Maubeuge

Saruskranich im Zoo de MaubeugeGänsegeier im Zoo de Maubeuge

Gegenüber waren die beiden weiblichen Flusspferde, Basta und Aby, untergetaucht. Da aber auch Flusspferde ab und zu Luft holen müssen, mussten wir nur geduldig warten, bis die beiden Damen auftauchten und ich ihre imposanten Köpfe fotografieren konnte. Am Ende des Grabens liegt die Anlage, die Afrikanische Strauße und Watussi Rinder bewohnen. Eine ganz nützliche Wohngemeinschaft. Denn was für mich zunächst so aussah, als würde ein Strauß ein Watussi Rind ärgern, indem er es ständig ins Fell kniff, stellte sich als eher eine Wohltat für das Rind heraus. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich, dass der Strauß die Fliegen fing, die um den Körper des Rindviehs herumschwirrten.

Flusspferde im Zoo de Maubeuge

Bevor wir hinauf zu den Guanakos stiegen, schauten wir bei den Mantelaffen vorbei, deren Anlage am anderen Ende des Grabens an der Mauer der Bastion liegt. Die Herrschaften hatten sich zu einem dicken „Knubbel“ übereinander gestapelt, um ihren Mittagschlaf abzuhalten. Leider direkt hinter dem Gitter, recht weit von der Glasscheibe entfernt, durch die man sie hätte fotografieren können. Sie wurden gerade wieder wach und kletterten bald an den zahlreichen Stangen und Seilen, allerdings immer zu nah am Gitter für ein Foto. Hier startete ich meinen ersten Versuch etwas über den Eisbären herauszubekommen, der einmal hier gelebt hatte, geriet aber an einen der Techniker des Zoos, der sich zwar an den Bären erinnern konnte, aber mehr nicht wusste. Er riet uns einen der Tierpfleger danach zu fragen, die man an ihrer beige-braunen Kleidung erkennen konnte.

Guanako im Zoo de Maubeuge

Also ging es nach oben zu den Guanakos. Die leben in einem begehbaren Freigehege, zusammen mit Quessant- und Kamerunschafen. Guanakos, die wildlebenden Stammväter der Lamas  leben im offenen Grasland auf bis 4000 m Höhe in den Anden sowie in der Pampa in Peru, Ecuador, Bolivien, Chile und Argentinien. So ist es nur logisch, dass sie in Maubeuge auch auf dem höchsten Punkt des Zoos leben. Wenn das im Vergleich zu richtigen Bergen auch nur ein sehr bescheidener Hügel ist. Aber immerhin haben sie die beste Aussicht aller Zoobewohner. Sie zeigten wenig Scheu vor den Zoobesuchern und blieben ruhig da stehen oder liegen und fraßen Gras und Blätter, auch wenn sich Kinder ihnen näherten, die sie streicheln wollten. Ein Schritt zur Seite und ein leicht arrogant wirkender Blick reichten, um die Kids auf Distanz zu halten. In der Natur leben sie in Familienverbänden von etwa 15 Tieren mit einem männlichen Leittier. In Maubeuge heißt der Chef der Gruppe, die etwa 20 Tiere umfasst, Sergio. Im Winter, wenn der Zoo für einige Wochen geschlossen ist, zieht die Lama Herde auf die kleine Farm des Zoos, die ein paar Kilometer entfernt liegt. So hat die Natur auf den Bastionshängen Zeit sich zu erholen.

Ouessant- und Kamerunschafe im Zoo de Maubeuge

Die kleinen Quessant-Schafe hingegen hatten wenig Lust auf zu große Nähe zu den menschlichen Besuchern. Sie rannten in einer wilden Hatz rund um die Hänge der Bastion, mitten in der Herde ein Jungtier, das laut blökend seiner Mutter folgte. Wir konnten den Schafen nicht ganz nach oben folgen, weil wir dafür die falschen Schuhe anhatten. Dafür fanden wir hier aber zwei Mitarbeiter des Zoos, deren Kleidung sie als Tierpfleger auswies, und so konnten wir ihnen unser Bild zeigen und nach dem Eisbären fragen, obwohl sie beide sicher zu jung waren, um ihn selbst noch im Zoo erlebt zu haben. Sie versuchten uns freundlich zu helfen und erkundigten sich per Sprechfunk bei ihren Kollegen, ob jemand etwas Genaueres wusste. Wir erhielten aber lediglich die Antwort, dass es um die 30 Jahre her sein müsste, dass die Postkarte entstanden sei. Wir sollten an der Kasse nach fragen, ob wir kurz mit dem Direktor des Zoos sprechen könnten.

Hühnergans im Zoo de Maubeuge

Wir kletterten also zurück in den Graben und dann auf der anderen Seite wieder hinauf, wobei wir an einer verwaisten Luchsanlage vorbeikamen. Nur eine Hühnergans hatte es sich darin bequem gemacht. Nachdem der Tornado 2008 ihr Gehege vollständig zerstört hatte, sind die drei Luchse aus Maubeuge in einen anderen Zoo gebracht worden. In der Zwischenzeit haben in der reparierten Anlage zwei Kängurus gelebt. Ob es mittlerweile wieder neue Luchse im Zoo de Maubeuge gibt, haben wir nicht herausbekommen können.

Sri Lanka Leopard im Zoo de Maubeuge

Es gab noch einiges in dem kleinen Zoo zu entdecken, wobei uns ein Paar Sri Lanka Leoparden besonders gut gefallen hat. Sie haben 2010 die Pumas des Parks ersetzt. Das Männchen stammt aus dem Zoo von Barcelona, das weibliche Tier aus dem Zoo de Saint Martin de la Plaine. Einer der Beiden hatte sich sehr dekorativ genau vor der Scheibe, durch die man ins Gehege schauen kann, auf einem Baumstamm hingelegt und beobachtet seinerseits interessiert, was auf der anderen Seite der Scheibe vor sich ging. Wobei er allerdings immer wieder nach hinten lauschte, wo sein Partner oder seine Partnerin durch das Gestrüpp in der vielfältig bepflanzten Anlage streifte. Man hat sich in allen Gehegen im Zoo de Maubeuge sehr viel Mühe gegeben, den Tieren eine Umgebung zu bieten, die ihrem natürlichen Lebensraum möglichst ähnlich ist.

Sri Lanka Leopard im Zoo de Maubeuge

In der Mitte des Zoo liegt die Elefantenanlage auf der seit dem April 2006 zwei ältere Kühe – Dina und Daisy – leben. Schon 1960 wurde die erste Elefantenanlage des Zoos an der gleichen Stelle errichtet. Leider starben die ersten drei Elefanten, zwei Bullen und eine Kuh, die 1961 in den Zoo eingezogen waren,  bereits zwei Jahre später. Ihnen folgten 1964 Yong und Mony.  Mony zog bald in den Bellewaerde Park in Belgien um, aber Yong blieb in Maubeuge, bis er 1987 im Alter von 41 Jahren starb. 1993 wurde die Elefantenanlage umgebaut, das Haus wurde größer und stabiler und die Außenanlage vergrößert. Sie hatte nun eine Fläche von knapp 700 qm und wurde durch einen Graben begrenzt. 1994 zog Birma – eine vier Jahre alte Elefantenkuh, die in Burma in der Wildnis geboren wurde – in die neue Anlage. Sie lebte hier, bis man 2006 die Anlage erneut modernisierte und vergrößerte. Von hier wurde sie im Januar 2006 in den Zoo von Chester transportiert, um dort in einer Gruppe von 10 Elefanten zu leben. Seit dem 18. April 2009 lebt sie wieder in Frankreich im Touroparc in Romanèche. Dina und Daisy haben fast ihr ganzes Leben zusammen verbracht. Bevor sie im April 1999 in den Zoo von Antwerpen kamen, gehörten sie dem Staatszirkus der DDR.  Sie zogen am 17. April 2006 in ein frisch renoviertes Elefantengehege, das nun eine Fläche von 1400 qm hat und ihnen viel Abwechslung bietet. Dina wurde 1973 in der Wildnis geboren Daisy ist etwas jünger als ihre Gefährtin. Sie kam 1977 in Indien in der Wildnis zur Welt.

Asiatischer Elefant Dina im Zoo de MaubeugeIm Zoo de Maubeuge

Im Zoo de MaubeugeAsiatischer Elefant Daisy im Zoo de Maubeuge

Ein Blick auf den Plan des Zoos informierte uns, dass es auch Asiatische Löwen zu sehen gab und natürlich wollten wir auch nicht die Brillenbären des Zoos verpassen. Doch irgendwie waren wir an ihren Anlagen bisher vorbei gelaufen. Wir schauten noch einmal bei den Mähnenwölfen vorbei, die sich scheinbar noch nicht von der Stelle bewegt hatten, aber wieder recht interessiert zu uns hinüber schauten und bogen dann in den richtigen Weg ab. Der uns zu dem Asiatischen Löwen und den Brillenbären brachte, deren Anlagen einander gegenüber liegen. Als erstes sahen wir die Löwin Bayan, die hinter einem Stein lag – die Glasscheibe mit den Besuchern davor fest im Blick. Durch eine weitere größere Glasfront konnten wir an einer anderen Seite der Anlage einen besseren Blick auf sie werfen und dabei auch ihren Gefährten Rahksa entdecken, der ziemlich versteckt hinter einem Baum lag. Richtig sehen konnten wir ihn allerdings nicht. Mehr als ein Stück seiner dunklen Mähne bekamen wir nicht zu Gesicht. Rahksa und Bayan leben seit 2007 in Maubeuge. Rahksa ist 17 Jahre alt und wurde in Besançon geboren. Er verbrachte einige Jahre im Zoo von Mulhouse, bevor er nach Maubeuge kam. Bayan ist 9 Jahre alt und kam im Zoo von Helsinki zur Welt. Sie hat schon einige Reisen gemacht – die lebte in Moskau, Rotterdam und Amsterdam bevor sie ihr jetziges Zuhause einzog. Die beiden Löwen verstehen sich sehr gut, versicherte der Zoodirektor in einem Interview. Es soll nie irgendwelche Zeichen von Aggressivität zwischen ihnen gegeben haben – kein Anfauchen und kein Prankenhieb.

Asiatische Löwin Bayan im Zoo de Maubeuge

Gegenüber speiste gerade Uco der ältere der beiden Brillenbären des Zoos. Mit viel Genuss vertilgte der die Blätter von Zweigen, während er dabei gemütlich in seiner Hängematte lag, sehr zur Freude seiner menschlichen Beobachter. Er sah sehr niedlich dabei aus. Er wurde am 16. Januar 2002 im CERZA in der Normandie geboren. Seine Schwester Uca lebt noch dort. Er aber zog 18. Juni 2009 in Maubeuge ein. Amadore, sein Partner, kam im Januar 2006 im Zoo von Doué la Fontaine zur Welt. Er hatte zunächst offenbar keine Lust, den Zoobesuchern eine Freude zu machen, sondern drehte ihnen den Hintern zu. Die beiden männlichen Bären verstehen sich gut. Man hatte sich 2007 dazu entschlossen die beiden Braunbären des Zoos, die zu diesem Zeitpunkt noch in dem alten Bärengraben lebten, an einen anderen Zoo abzugeben, weil in Maubeuge nicht genug Platz war, um sie tiergerecht unterzubringen. 2008 zogen sie in den Olmense Zoo in Belgien um, wo sie mit zwei weiteren Bären in einer Anlage von 4000 qm leben. Man hätte in Maubeuge gerne ein Zuchtpaar Brillenbären gehabt. Doch 2009 gab es nach Angaben des Kölner Zoos, der das EEP für Brillenbären führt, keinen weiblichen Brillenbären für Maubeuge. (Zu diesem Zeitpunkt lebten es rund 70 Brillenbären in 24 europäischen Zoos.) Nun ist man froh, dass es den beiden Jungs in ihrer WG gut gefällt und sie den Besuchern viel Freude machen, wenn sie sie beim Klettern, Fressen, Schlafen und Spielen im Wasserbecken beobachten können.

Brillenbär Uco im Zoo de Maubeuge

Da wir nun in der Nähe des Eingangs waren, beschlossen wir zur Kasse zu gehen, um unsere Eisbärenrecherche fortzusetzen. Es kam allerdings zu einem ungeplanten Stopp an der Tigeranlage, denn Radjah war mit ihren beiden Jungen nun in der Außenanlage und die musste ich mir natürlich anschauen. Sie lag oben auf einer Holzplattform und schaute zu, was ihr Nachwuchs da im Gestrüpp alles so trieb. Es machte sehr viel Freude den beiden Kleinen beim Spiel zuzuschauen. Allerdings nicht nur mir! Es wurde ständig immer voller vor der Glasscheibe und so machte ich bald Platz, damit auch andere den jüngsten Nachwuchs des Parks bewundern konnten.

Weiße Tiger im Zoo de Maubeuge

Wir fragten am Eingang nach dem Zoodirektor, der sich tatsächlich bereit erklärte kurz mit uns zu sprechen, obwohl er sich gerade an diesem Samstag genug anderes zu tun hatte. Er wusste immerhin, dass der Eisbär 1991 gestorben war und zusammen mit einer Braunbärin auf der Anlage gelebt und mit ihr wohl auch Nachwuchs gezeugt hatte. Am mehr konnte er sich nicht erinnern. Als er die Leitung des Zoos übernahm, gab es nur wenige Unterlagen über die Tiere des Zoos. Aber er rief seine Sekretärin hinzu, die schon lange im Zoo de Maubeuge arbeitet. Sie konnte uns mehr Details berichten. Der männliche Eisbär war 1965  im Alter von etwas fünf Jahren aus dem Zoo von Antwerpen nach Maubeuge gekommen An einen Namen konnte sie sich nicht erinnern. Er war der einzige Eisbär, der in Maubeuge untergebracht war. Die Anlage auf der er gelebt hat, existiert seit diesem Jahr nicht mehr. Hier wurde gerade eine neue Voliere errichtet.

Waschbär im Zoo de MaubeugeSüdamerikanischer Nasenbär im Zoo de Maubeuge

Die hatten wir noch nicht gesehen. Sie liegt hinter dem ehemaligen Affenfelsen, den nun Wasch- und Nasenbären bewohnen. In der neuen Voliere tummelten sich viele farbenfrohe Aras und zwei Weißkopfsakis, die sich noch nicht so ganz an ihre neuen Mitbewohner im bunten Federkleid gewöhnt hatten. Vorher hatten sie einen Anlage mit Krallenaffen geteilt. Sie kletterten aufgeregt an dem Zaun entlang und schauten neugierig durch die Glasscheiben auf die Zoobesucher. In der Natur teilen die Tiere den gleichen Lebensraum in den tropischen Regenwäldern im Norden Südamerikas. Ich bin neugierig, ob diese ungewöhnliche Vergesellschaftung, die wir vorher noch in keinem Zoo gesehen haben, im Zoo de Maubeuge erfolgreich ist. Insgesamt leben seit 2010 drei männliche Weißkopfsakis, die aus Lille stammen, in Maubeuge.

Weißkopfsaki im Zoo de MaubeugeGelbbrustara im Zoo de Maubeuge

Grünflügelara im Zoo de MaubeugeWeißkopfsaki im Zoo de Maubeuge

Es gibt ein Projekt den Zoo de Maubeuge zu vergrößern. Dabei will man große Teile der ehemaligen Befestigungsanlagen Vaubans nutzen. Der neue Zoo soll ein Geozoo werden und von 7,5 ha auf 16 ha wachsen. Gegen diese Pläne regt sich allerdings Widerstand, es wird befürchtet, dass die Struktur der Befestigungsanlagen durch diese Erweiterung zerstört wird. Ja und dann müssten für das Projekt auch 100.000.000 Euro beschafft werden, in Zeiten knapper Kassen auch in französischen Gemeinden sicher keine einfache Aufgabe. Mal sehen was daraus wird. Wir haben jedenfalls unseren Besuch in Maubeuge sehr genossen.  Obwohl es nur ein kleiner Zoo ist, gab es viel zu sehen und erleben.

Mähnenwolf im Zoo de Maubeuge

Einer der drei Mähnenwölfe demonstrierte uns, als wir auf dem Weg zurück zu der Brillenbärenanlage waren, dass es ein Zoo ist, der alle Sinne des Menschen anspricht. Er stand auf, ging ein Stück in Richtung der Aussichtsplattform und bellte laut in Richtung des Innengeheges. Einen heiseren Laut, den wir vorher noch nie gehört hatten. Er bekam Antwort aus dem Haus, offenbar war das dritte Tier drinnen.

Brillenbär Amadore im Zoo de Maubeuge

Wir verabschiedeten uns von Amadore und Uco, die ihre Plätze getauscht hatten. Amadore lag jetzt genau vor der Scheibe und gab den niedlichen Teddybären für die Besucher, während Uco am anderen Ende der Anlage im Wasserbecken demonstrierte, dass auch Brillenbären Spaß an einem Bad und dem Spiel mit einem Holzstamm haben. Mit den beiden Bären wird in Maubeuge ein Targettraining gemacht. Sie legen auf Zuruf ihre Tatzen auf den Zaun und bleiben in ihrer Position, so dass der Tierarzt sie begutachten kann. Einer der Bären hatte vor einiger Zeit eine Bindehautentzündung, die dank des Trainings ohne Narkose behandelt werden konnte.

Brillenbär Uco im Zoo de Maubeuge

Wir schauten den Bären und der Löwin Bayan gegenüber noch eine Zeit zu und blieben am Ende noch etwas am Gehege der Tiger stehen, wo unter den wachsamen Augen ihrer Mutter die beiden jüngsten Zoobewohner ihre Welt entdeckten. Natürlich habe ich bei unserem Besuch im Zoo auch nach Spuren aus dem ehemaligen Rosengarten gesucht und obwohl der Tiergarten auch gärtnerisch sehr schön gestaltet ist, dauerte es eine ganze Zeit bis ich Rosen entdeckt hatte. Im September herrschten die kräftigen Farben des Herbstes vor. Es ist sicher auch einen Besuch wert, die Flora des Zoos in den verschiedenen Jahreszeiten zu bewundern. Noch ein Grund noch einmal in Maubeuge vorbeizuschauen.

Im Zoo de MaubeugeWeißer Tiger Radjah im Zoo de Maubeuge

Weißer Tiger im Zoo de MaubeugeIm Zoo de Maubeuge

Mehr Bilder aus dem Zoo de Maubeuge, vom Sri Lanka Leoparden und von den Brillenbären Amadore und Uco.

Die Postkarte mit dem Eisbären gibt es hier:
http://ullijseisbaeren.wordpress.com/ehemalige-haltungen/zoo-de-maubeuge/

Quellen:

Homepage des Zoos

Zoo de Maubeuge en images, mit Bildern und Informationen

Artikel in der Presse:
über die Brillenbären,
über die Löwen Bayan un Rahksa,
über die drei Mähnenwölfe,
über die Sri Lanka Leoparden,
über den Helmkasuar
und über die Guanakos

Zu den Plänen des Zoos de Maubeuge für die Zukunft und den Widerstand dagegen:
http://www.leszoosdanslemonde.com/forum/viewtopic.php?f=8&t=5763&st=0&sk=t&sd=a
http://www.arras.maville.com/actu/actudet_-Le-zoo-de-Maubeuge-ne-connait-pas-de-remparts-a-son-extension_dep-1327924_actu.Htm
http://www.renaissance-vauban-maubeuge.fr/
http://www.nissou-architectes.fr/projet_urbanismeetpaysage_04-01-maubeuge.html

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Eine Antwort zu “Zoo de Maubeuge – eine grüne Oase in einer alten Festung

  1. Hallo Ulli,

    ich wünsche euch noch viel Spaß auf eurer Zootour . Der Bericht und die Fotos haben Spaß gemacht. Danke!

    LG Elke

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