Tallinn Zoo – ein Zoo der Gegensätze

In keinem anderen Zoo, in dem ich bis jetzt gewesen bin, war der Gegensatz zwischen den neu geschaffenen Tieranlagen und den alten so deutlich wie im Zoo von Tallinn. Auf der einen Seite gibt es Reihen von Gehegen und Käfigen mit Betonböden und schwarzen Gittern, die eher an eine Tierzuchtanstalt als an einen Zoo erinnern, auf der anderen Seite gibt es großzügige moderne Gehege, die die natürliche Umwelt der Tiere nachahmen. Einerseits wundert man sich über die alten Anlagen für die Raubkatzen und Bären, da der Zoo ja erst 1983 auf seinen heutigen Standort umgezogen ist und selbst die schlechten Betonanlagen, die in den 70ger Jahren in westlichen Zoos gebaut wurden, besser sind als diese Käfige, anderseits staunt man über die zahlreichen wunderschön gestalteten Gehege, die erst in den wenigen Jahren, seit Estlands 1991 unabhängig wurde, entstanden sind.

Rotfuchs im Zoo Tallinn

Die Idee eines Zoos in Tallinn entstand, als im Jahr 1937 estnische Sportschützen in Helsinki den Weltmeistertitel gewannen. Sie gewannen auch einen jungen Luchs, namens Illu, und brachten ihn mit nach Hause. Er wurde der Star des neuen Zoos, der am 25. August 1939 die Tore für zahlende Besucher eröffnete. Ursprünglich lag er in einer Ecke des Kadriorg Parks, der 18. Jahrhundert entstanden ist, als der russische Zar Peter der Große, nachdem Russland 1710 Estland erobert hatte, dort ein Schloss bauen ließ, das aber nie ganz fertig gestellt wurde. Heute beherbergt dort ein Palais den Amtssitz des estnischen Staatspräsidenten. Von Beginn an war geplant, dass dieser Standort nur provisorisch sein sollte, man wollte die Tiersammlung vergrößern und dann an einen anderen Standort mit mehr Platz umziehen. Doch da bald darauf der zweite Weltkrieg begann, in dessen Verlauf Estland von Russland erneut annektiert wurde, wurde der Ausbau des Zoos gebremst. Erst 44 Jahre später konnte der Zoo auf seinen heutigen Standort umziehen.

Eurasischer Luchs im Zoo Tallinn

Der Zoo von Tallinn ist 87 ha groß, er hat also viel Platz für schöne Tieranlagen und den nutzt er nun auch. Ursprünglich war dieses Gelände vom Militär genutzt worden und aus den alten Lagerhäusern entstanden nun Käfige und Ställe für die tierischen Bewohner. Es war nicht viel Geld für einen Zoo in einem kleinen Mitgliedstaat am Rande der Sowjetunion vorhanden, da große finanziellen Mittel für die Olympiade in Moskau 1980 gebraucht worden waren und alle anderen kulturellen Einrichtungen, in der Folgezeit darunter litten, da ein zehnjähriges Bauverbot alle Neubauten verhinderte. Erst 1989 entstand das erste richtige Tierhaus – ein Elefantenhaus – als Geschenk zum 50. Geburtstag des Zoos. Dass es den einzigen Zoo des Landes überhaupt noch gibt, verdanken die Menschen in Estland dem Direktor des Zoos, Mati Kaal. Anfang der 1980er Jahre gab es Pläne an seinem Standort eine Schnellstraße zu bauen und den Zoo zu schließen. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erzählt der Zoodirektor, dass er damals geantwortet habe: „Ich habe gesagt: ‚Genossen, wenn das kapitalistische Estland vor dem Krieg den Zoo gegründet hat, dann können wir Kommunisten ihn doch nicht schließen.'“ Heute leben über 7000 Tiere im Zoo von Tallinn aus über 600 Arten.

Manul im Zoo Tallinn Kegelrobbe im Zoo Tallinn

Indischer Löwe im Zoo Tallinn Sibirischer Steinbock im Zoo Tallinn

In der Zukunft will man sich in Tallinn auf weniger Tierarten beschränken, die artgerecht gehalten werden können. Einen besonderen Schwerpunkt liegt dabei auf die Haltung und Zucht von Bergziegen und –schafen. So ist auch besonders das Alpinarium, das 2004 entstanden ist, sehenswert, wo auf modernen Anlagen Steinböcke und Wildschafe zu sehen sind. Hier kann man mehr verschiedene Arten der Hornträger beobachten, die die Bergregionen Asiens bewohnen, als in irgendeinem anderen Zoo auf der Welt.

Im Zoo Tallinn

Es war noch recht früh am Morgen und es war ein trüber Tag, so waren wir die ersten, die ihr Auto auf dem Zooparkplatz abstellten und wir genossen unseren zunächst recht ruhigen Spaziergang durch einen leeren Zoo. Hinter dem Eingang empfangen zunächst grüne Wiesen mit Kunstplastiken den Zoobesucher und man erkennt, dass man nicht nur durch einen Zoo, sondern auch durch eine schön gestaltete Parkanlage spaziert, deren lange gerade Wege Bäume säumen. Bereits am Anfang unseres Rundgangs stießen wir auf eine gläserne Sammelbox, in der für ein neues Eisbärengehege gesammelt wird. Das ist auch dringend nötig, denn die Eisbären des Zoos sind zusammen mit den Baribals und einigen Raubkatzen noch in den ehemaligen Lagerhallen untergebracht, die in Käfige umgewandelt wurden.

Spendenaufruf im Zoo Tallinn

Wir folgten einem der breiten Hauptwege des Zoos und bogen dann in einen der davon rechtwinklig abzweigenden schmaleren Wege ein, die vorbei an Käfigen mit schmalen Gehegen vorbeiführten, wo wir Wildschafe beobachten konnten. Auf der anderen Seite des Weges, lagen größere Gehege mit Antilopen und Bisons. Ein weiterer dazu parallel laufender Weg führte vorbei an kleinen Anlagen mit Affen, die meisten Bewohner ruhten sich noch in ihren recht kleinen veralteten Innenkäfigen aus.

Blauschaf im Zoo Tallinn

Doch dann waren wir beim König der Tiere angelangt und dort konnten wir das moderne Gesicht des Zoo bewundern. Die Indischen Löwen des Zoos haben eine schöne, naturnahe Anlage, die am 29. Juni 2006 eröffnet wurde. Man kann den Tieren durch große Scheiben zuschauen, die gerade geputzt wurden. So hatten wir bald einen freien Blick auf die Bewohner. In der einen Hälfte spielte eine junge Löwin alleine, in der anderen waren ein männliches und ein weibliches Tier. Sie wollte spielen, er wollte lieber seine Ruhe haben. Na ja, so sind nun mal die Männer. Schließlich gab er aber nach und schlich sich an sie heran, was ihr dann aber dann auch wieder nicht passte. So ein Löwe hat es wirklich nicht leicht.

Indischer Löwe im Zoo Tallinn Indischer Löwe im Zoo Tallinn

Indische Löwen im Zoo TallinnIndischer Löwe im Zoo Tallinn

Gegenüber lagen Gehege mit Kranichen, die neugierig durch den Zaun schauten, wer denn da so früh am Morgen bei grauem Wetter schon durch den Zoo spazierte. Auch die Japanischen Rotgesichtsmakaken bewohnen eine moderne Anlage. So konnten dem Familienleben der Affen mit viel Vergnügen zuschauen.

Mandschurenkranich im Zoo TallinnMandschurenkranich im Zoo Tallinn

In einem kleinen Tropenhaus gab es Krokodilen, tropischen Vögel und Primaten zu beobachten. Besondere Freude hatten wir an den Krallenaffen. Lisztäffchen sind die Lieblingstiere meines Mannes und so blieben wir eine ganze Zeit an ihrer dicht bewachsenen Anlage stehen, die ihrer natürlicher Heimat in den Regenwäldern Kolumbiens nachempfunden ist. Die kleinen Primaten mit dem charakteristischen Kopfschmutz sind in der Natur besonders stark von Aussterben bedroht. Die IUCN schätzt, dass in den letzten 18 Jahren (drei Generationen) die Gesamtpopulation um über 80% zurückgegangen ist. Es gibt drei Schutzgebiete, in denen allerdings die Umsetzung des Artenschutzes nicht immer gewährleistet ist. Man schätzt, dass die Gesamtpopulation der Lisztaffen 6000 Tiere umfasst, von denen etwa ein Drittel erwachsene Tiere sind.

Lisztäffchen im Zoo Tallinn

Uns zog es natürlich zu den Eisbären hin, deren Käfige sicherlich keine tiergerechte Unterbringung sind. Doch das soll sich so schnell wie möglich ändern. Ein Schild an der Anlage informiert die Zoobesucher darüber, dass sobald genug Geld zusammen ist, eine neue Anlage für die Bären und die Raubkatzen, die noch in den veralteten Anlagen leben müssen, gebaut wird.

Im Zoo Tallinn

Als wir dort ankamen wurden die Käfige gerade gesäubert, so schauten wir uns erst einmal bei den Nachbarn der Eisbären um, entdeckten Sibirische Tiger, Pumas und eine Rohrkatze, die auch ein neues Gehege bekommen müssten. Für die Schneeleoparden hatte ihr „Knastaufenthalt“ bald ein Ende, ihr neues Gehege war bei unserem Besuch Anfang Juni 2009 schon fast fertig gestellt. Ende Juni 2009 wurde es eröffnet.

Eurasischer Luchs im Zoo Tallinn

Die Luchse waren schon umgezogen, nur ein alter Luchs verbrachte seinen Lebensabend noch in dem alten Raubtierkäfig. Ein Schild machte die Zoobesucher darauf aufmerksam, dass sie Rücksicht auf diesen alten Zoobewohner nehmen sollten. Da die Geschichte des Zoos mit dem Luchs Illu begonnen hatte, schmückt auch ein Luchs, das Wappen des Zoos. Alle Luchse des Zoos von Tallinn stammen von Illu ab. Es ist also kein Wunder, dass die Luchse eine wichtige Rolle für das Marketing des Zoos spielen. Im Juni und Juli gibt es Nachtführungen, damit die Zoobesucher die nachtaktiven Wappentiere des Zoos auch einmal aktiv erleben können. Diese Führungen sind sehr beliebt und immer ausgebucht.

Rohrkatze im Zoo Tallinn

Nebenan schaute eine wunderschöne Rohrkatze aus ihrem mit Baumstämmen etwas wohnlicher gemachten Käfig zu uns hinüber. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Delta des Nils bis hin nach Zentralasien. In Indien sind sie die häufigsten Kleinkatzen. Man findet sie aber auch im Süden und Südosten Asiens. Ihr Bestand gilt als nur gering gefährdet, obwohl die Zahl der Tiere in einigen Gebieten besorgniserregend rückläufig ist. Rohrkatzen leben in sumpfigen Wäldern, meist in der Nähe von Seen und Flussläufen. Deshalb nennt man sie auch Sumpfluchs.

Amurleopard im Zoo Tallinn

Auch die Amurleoparden und die Streifenhyänen haben eine schöne neue Anlage bekommen. Wir beobachteten die beiden Amurleoparden, wie sie ihr Territorium erkundeten. Sie berührten sich immer wieder und schienen einander abzutasten. Das weibliche Tier lebt seit 2005 im Zoo. Sie heißt Darla und wurde 2004 im Zoo Berlin geboren. Sie hat in Tallinn schon zweimal Jungtiere geboren. Das letzte Mal am 5. April 2010. Man konnte die beiden Jungtiere mit ihrer Mutter mit einer Webcam im Internet beobachten. Die Öffentlichkeit durfte auch die Namen der Kleinen vergeben, in einem Wettbewerb wurde entschieden, dass sie Khanka (ein weibliches Tier) und Khasan (ein Männchen) getauft wurden.

Westkaukasische Steinböcke im Zoo Tallinn Westkaukasischer Steinbock im Zoo Tallinn

Westkaukasische Steinböcke im Zoo Tallinn Westkaukasischer Steinbock im Zoo Tallinn

Da sich bei den Eisbären noch nichts tat, gingen wir zuerst hinüber zum Alpinarium. Von weitem sahen die Anlagen der Gebirgshuftiere wie überdimensionale Kieshaufen aus. Warum es hier in Tallinn die größte Sammlung an Gebirgshuftieren in der Welt gibt, hat mit der Geschichte des Zoos zu tun. Der erste Standort des Zoos – nur drei Hektar groß – hatte viele Kalksteinfelsen. Deshalb suchte man Tierarten, die auf diesen Felsen gut leben konnten. Viele seltenen Exemplare zogen so nach und nach in den Zoo ein. Der Ostkaukasische Steinbock wird nur in Tallinn gezüchtet, alle Exemplare anderer Zoos in der Welt stammen von hier. Seit 2004 leben die Tiere in dem sieben Hektar großen Alpinarium, auf künstlichen Felsen. Verschlungene Wege führten uns um die Anlagen der unterschiedlichen Arten herum, vorbei an Blauschafen, Ostkaukasischen und Sibirischen Steinböcken, Schraubenziegen, Langschwanzgoralen, Kretischen Wildziegen, Mähnenspringern, Urialen und Armenischen Mufflons.

Westkaukasische Steinböcke im Zoo Tallinn

Es machte viel Spaß den Wildziegen und Schafen zuzuschauen. In jedem der Gehege gab es Jungtiere, die sich an ihre Mütter schmiegten oder neugierig die Steinhügel hinaufkletterten, sich an Baumstämmen rieben oder sich in ersten kleinen Kämpfen wagten. Die älteren Böcke gingen da schon gekonnter zur Sache. Ihre „Schaukämpfe“ glichen Tänzen die einer komplizierten Choreographie folgten.

Afrikanischer Elefant Carl im Zoo Tallinn

Nun war es nicht weit bis zum 2008 frisch renovierten Elefantenhaus, das auch eine größere Außenanlage erhalten hatte. Drei Afrikanische Elefanten leben hier. Alle drei sind in Südafrika in der Wildnis geboren worden. Der Bulle Carl wurde 1982 geboren und lebt seit dem 28. Juli 1985 in Tallinn. Die beiden ein Jahr älteren Kühe Fien und Draay kamen zusammen mit ihm in den Zoo. In einem Anbau am Elefantenhaus leben Spitzmaulnashörner und auch die Anlage der Agutis hat hier einen Platz gefunden.

Aguti im Zoo Talllinn

Über einen Holzsteg, der über einen großen, wunderschönen Teich mit zahlreichen Wasservögeln führte, ging es zurück zu den Eisbären. Ein großer Teil der Gänse hatte es sich auf den Wiesen auf Inseln in den und am Ufer der unregelmäßige geformten Teiche gemütlich gemacht. Trauerschwäne und Magellangänse schritten stolz durch das Gras und suchten nach Futter. Möwen hockten auf der Brüstung des Steges, flogen auf, wenn wir vorbeikamen, um sich kurz  hinter uns wieder auf ihr niederzulassen.

Trauerschwan im Zoo Tallinn

Es war immer noch ein ungemütlicher Morgen. Man konnte zwar spüren, dass die Wolkendecke nicht dick war, aber die Sonne versteckte sich immer noch und es war recht frisch für Juni. Wir wärmten uns mit einer Tasse Kaffee in einem kleinen Zoorestaurant auf und gingen dann zügig zu den Eisbärenanlagen, die uns nun, nachdem wir den modernen Teil des Zoos bewundert hatten, noch ungeeigneter erschienen, Bären zu beherbergen. Es waren zwar noch keine Eisbären zu sehen, aber es tat sich endlich etwas. Im Käfig nebenan lief schon ein Baribal unruhig am Gitter hin und her, während bei den Eisbären noch Wasser in das Becken eingelassen wurde, das gerade so groß ist, dass ein Eisbär es als Badewanne nutzen kann.

Eisbär Nord im Zoo Tallinn

Dann kam Nord in seinen Käfig, inspizierte, ob seine Pflegerin auch alles ordentlich aufgeräumt hatte. Er war nicht ganz zufrieden damit, dass ein alter Reifen in seinem Wasserbecken schwamm, der musste zuerst herausgeholt werden. Dann musste er noch nachschauen, was bei seinen Nachbarn so los war und was sie Tierpflegerin da noch vor seinem Gehege zu tun hatte.

Eisbär Nord im Zoo Tallinn Eisbär Nord im Zoo TallinnEisbär Nord im Zoo Tallinn

Nord kam am 24. November 2001 zusammen mit seinem Bruder Felix in Schönbrunn zur Welt. Seine Mutter ist Olga und sein Vater Eric. Am 3. März 2004 kam er nach Nowosibirsk und von dort schließlich im März 2009 nach Tallinn. Bei unserem Besuch teilte er ein Gehege mit Vaida, die seit 1995 in Tallinn lebt. Sie ist vermutlich ein Wildfang, der im Winter 1994 geboren wurde. Nord verzog sich noch einmal in sein Innengehege, das recht groß zu sein scheint, kam aber sofort wieder heraus, vielleicht um seine Gefährtin zu holen. Jedenfalls folgte ihm Vaida, als er wieder herauskam. Sie trank etwas Wasser und verschwand dann wieder im Innengehege. Vermutlich war ihr das Wetter zu schlecht.

Eisbärin Vaida im Zoo Tallinn

Die zweite Eisbärin in Tallinn Frida hatte weniger Probleme mit dem Wetter. Sie hat einen Käfig für sich und blieb eine ganze Zeit draußen. Sie ließ sich von ihrer Tierpflegerin mit dem Schlauch abduschen und schaute auch neugierig nach, was da so in der Nachbarschaft alles passierte. Sie machte nicht den Eindruck, als ob sie mit ihrer „Wohnung“ unzufrieden sei. Allerdings kennt sie auch nichts anderes, denn sie wurde am 16. Dezember 2002 in Tallinn geboren. Ihre Mutter hieß Uaidi, sie wurde im Zoo von Kasan geboren und starb am 10. Januar 2008 in Tallinn. Fridas Vater hieß Franz.

Eisbärin Frida im Zoo Tallinn

Mir ist beim Anschauen der Bilder die Ähnlichkeit zwischen Jasper aus Kaunas und Frida aufgefallen. Das ist kein Wunder, denn Frida ist die jüngere Schwester von Jasper. Außer den Beiden hatten Uaidi und Franz noch im Jahr 1998 Nachwuchs, ein Weibchen namens Martha, die nun in einem chinesischen Zoo lebt. Franz starb 8. September 2007. Durch eine Unachtsamkeit war sein Käfig nicht richtig geschlossen und er konnte entkommen. Er wurde mit einem Betäubungsgewehr ruhig gestellt, wachte aber aus der Betäubung nicht mehr auf. Einer der Eisbären hatte 2004 schon einmal Schlagzeilen gemacht. Ein betrunkener Mann war im Juli im Zoo eingeschlafen und erst wieder aufgewacht, als der Zoo eigentlich schon geschlossen war. Er war durch den Zoo gestreift und hatte durch die Käfigstäbe, einen der Eisbären mit einem Keks füttern wollen. Dem war der Keks wohl zu klein und er biss dem Mann in die Hand. Dessen Schmerzenschreie alarmierten schließlich den Wachdienst. Sofort wurde ein Krankenwagen geholt, der den Verletzten ins Krankenhaus brachte und er wurde operiert. Er überlebte den Unfall, seine Hand konnte allerdings nicht gerettet werden. Vielleicht gibt es deshalb in Tallin dieses Schild.

Im Zoo Tallinn

Wir haben uns trotz des kalten Wetters noch eine ganze Zeit im Zoo von Tallinn umgeschaut und dabei auch noch die wunderschönen Eulen des Zoos entdeckt. Zahlreiche verschiedene Eulen- und Greifvogelarten konnten wir in einem bewaldeten Teil des Tierparks anschauen, von den kleinen Sperbereulen bis zu den großen Uhus. Hier liegen auch die Anlagen der Luchse des Zoos. Es gibt mehrere großzügige Gehege mit verschiedenen Zuchtpaaren und obwohl wir sie am frühen Nachmittag beobachteten, wo die Raubkatzen gerne schlafen, konnten wir recht aktiven Luchsen zuschauen.

Bartkauz im Zoo Tallinn Waldohreule im Zoo Tallinn Bartkauz im Zoo Tallinn

In einem Bereich, der für Zoobesucher nicht zugänglich ist, züchtet der Zoo Tallinn Europäische Nerze. Die Tiere sind dafür bestimmt auf der Insel Hiiumaa wieder angesiedelt zu werden. Man bemüht sich die Tiere so gut wie möglich, auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten. Ein Problem ist, dass die Nerze aus dem Zoo vor ihren natürlichen Feinden, Eulen und Füchsen nicht genug Scheu haben und von diesen gefressen werden. Ihr größter Feind aber ist der Amerikanischer Nerz. Im 19. Jahrhundert, als das Fell der amerikanischen Nerze immer beliebter wurde, entstanden die ersten Nerzfarmen. Immer wieder konnten Tiere aus den Nerzfarmen entkommen oder wurden freigelassen. Sie sind robuster und anpassungsfähiger und konnten überall in Europa die einheimischen Nerze verdrängen. So mussten auf der Ostseeinsel Hiiumaa auch zuerst alle Amerikanischen Nerze eingefangen werden, bevor man ihre Europäischen Vettern dort wieder ansiedeln konnte. Eine Insel ist ideal für dieses Wiederansiedlungsprojekt. Denn so kann man sicher sein, dass die europäischen Nerze unter sich bleiben.
Die Nerze sind nicht das einzige Auswilderungsprojekt, an dem der Zoo Tallinn sich aktiv beteiligt. Der Zoodirektor Mati Kaal kann stolz davon berichten, dass Mönchsgeier aus Tallinn auf Mallorca ausgewildert wurden.

Mönchsgeier im Zoo Tallinn

Ich muss bestimmt noch einmal nach Tallinn kommen. Denn zum einen will ich wissen, wie es in Tallinn Zoo weitergeht, zum anderen ist auch die Altstadt von Tallinn in jedem Fall eine Reise wert.

Eurasische Luchse im Zoo Tallinn
Die Informationen habe ich hier gefunden:

auf der Homepage des Zoos Tallinn,
in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung,
in der Wikipedia
auf der Seite von ITN Source
Mehr Bilder
von den Asiatischen Löwen, vom Alpinarium, von den Vögeln und von den restlichen Tieren des Zoos Tallinn
und von den Eisbären
Nord, Vaida und Frida

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Eine Antwort zu “Tallinn Zoo – ein Zoo der Gegensätze

  1. Liebe Ulli,

    Erstmal alles Liebe zu deinem Geburtstag heute. Es würde mich interessieren , wie du ihn heute begehst…Leider ist ja Wochenanfang und so wird ein Zoobesuch sicher nicht möglich sein….

    Ich bin froh, dass ich noch nicht gleich sofort einen Kommentar zu diesem Beitrag geschrieben habe, wie ich erst wollte, denn ob du es glaubst oder nicht, kam Samstag auf TV5 , was wir hier auch empfangen können, eine interessante Sendung zum Züricher Zoo …Und im Verlauf ging es dann nach Talinn, da der Zürcher Zoo Vili aufgenommen hat, eine Berühmtheit in Estland, da Vili Werbng für Eiskrem gemacht hat.
    Die Tafel mit einem Werbeposter war ebenfalls zu sehen.
    Vilis Reise dauerte 2 Tage und dann wollte er 2 Tage nicht in seinen neuen Käfig gehen, trotz lecker Fleisch. Seine Tierpflegerin in Talinn hat übrigens bei der Vorbereitung zu seinem Abschied sehr mit den Tränen zu kämpfen gehabt, sie hat sehr an ihm gehangen.

    Leider hat man nicht die Eisbären gezeigt, dafür aber die Löwen und das einsame männliche Rhinozeros, das vor 20 Jahren aus Zürich kam, da es Streit mit den dortigen gegeben hat, bei dem es zu einer Penisverletzung kam. Dies erzählte der Zoodirektor, Mati Kaal, den du ja hier auch vorgestellt hast. Er scheint ein ausgesprochen netter Zoodirektor zu sein, er erzählte auf Deutsch und er hatte eine angenehme Art über die Tiere zu reden. Mit dem Rhinceros nahm er Kontakt auf, rief es und sprach mit ihm.

    Man konnte gut sehen, wie der Zoo zu kämpfen hat, viele Gehege bedürfen der Erneuerung.Was mir gefällt ist, dass sie es wissen und sich sehr dafür einsetzen.

    Es war ein wenig, als ob ich euch bei eurem Besuch begleiten konnte, denn ich musste sehr an die hier beschriebenen Details denken, der Zoo kam mir durch deinen Artikel hier bereits sehr vertraut vor.

    Danke dafür.

    Birgit

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